+
Die Asyl-Helfer Erich Mühlberger (2. v.li.) und Manuela Weindl (4. v. li.) mit Faiza Ahmadi (re) und vier ihrer Kinder. Von links Sena, M ustafa, Somaya und Jussuf.

Viel Arbeit, wenig Unterstützung

Helferkreis Asyl: Ehrenamtliche schlagen Alarm

Aus der öffentlichen Aufmerksamkeit sind die Flüchtlinge in Peiting fast verschwunden. Im Dorfleben integriert. Ein Zeichen, dass der Helferkreis Asyl gute Arbeit leistet. Für die wertvolle ehrenamtliche Arbeit werden aber nach wie vor Spenden benötigt.

Peiting – Die Ankunft von Flüchtlingen hat sich zum Vorjahr um etwa 70 Prozent verringert, die Sammelunterkünfte im Ort sind praktisch aufgelöst. „Zur Zeit kommen hauptsächlich Familien hier an“, sagt Erich Mühlberger vom Helferkreis Asyl. 165 Asylbewerber leben derzeit im Ort und noch einmal 40 in Herzogsägmühle. Weltweit waren Ende 2016 66 Millionen Menschen auf der Flucht. Nicht nur vor Krieg und Verfolgung, sondern auch weil ihre natürlichen Lebensgrundlagen immer mehr zerstört werden und für junge Menschen Berufsperspektiven fehlen, wie Erich Mühlberger ausführt. Und daran sind nicht nur Missstände in den Herkunftsändern, sondern auch der Lebensstil und die Politik in Europa schuld.

Durch Ablehnung kann Flucht nicht verhindert werden, ist sich Erich Mühlberger sicher. Dazu braucht es Konzepte und Wirtschaftsförderung in benachteiligten Regionen der Erde. Vor Ort ist es wichtig, dass die hier angekommenen Menschen möglichst gut integriert werden. Hier leistet der Helferkreis Asyl mit zahlreichen Ehrenamtlichen wertvolle Arbeit. Als Ansprechpartner für alle Fragen, Deutsch-Lehrer, bei Behördengängen und Arztbesuchen, als Fahrdienst helfen sie ebenso, wie bei der Wohnungs- und Arbeitsuche oder Möglichkeiten der Beschäftigung. Mit Kleiderstüberl, Möbellager und Fahrradwerkstatt werden hier angekommene Flüchtlinge preiswert mit dem Nötigsten versorgt. Zudem wird versucht, durch Internet-Anschlüsse und Aufklärung die Flüchtlinge vor der Kostenfalle Handy zu bewahren.

Das ist auch der größte Kostenfaktor für den Helferkreis. „Wir müssen für nächstes Jahr mit 4700 Euro für die Internet-Anschlüsse in Vorleistung gehen. Dann ist unsere Kasse erst einmal leer“, erklärt Erich Mühlberger. Das Geld kommt zwar im Laufe des Jahres über die Gebühren für die Anschluss-Nutzer wieder zurück, trotzdem fehlt Geld für Angebote im Begegnungscafé, das jetzt in die ehemalige Tourist-Information an der Ammergauer Straße zieht, für Ausflüge oder Feste und Freizeitaktivitäten mit den Flüchtlingen.

Wie sehr sie durch den Helferkreis unterstützt wurde, betont Faiza Ahmadi, die mit Mann und sieben Kindern aus Afghanistan geflohen ist und vor Ort durch Manuela Weindl betreut wird. „Die Kinder konnten sofort in die Schule und in den Kindergarten gehen, uns wurde mit Möbeln und Kleidung geholfen und vor allem mit den ganzen Formularen“, erzählt sie. Ihre Kinder haben hier schnell Deutsch gelernt und Freunde gefunden. Nur eine Wohnung sucht die neunköpfige Familie mit Kindern im Alter von 17 Monaten bis 14 Jahren bislang vergeblich.

Ihr Mann hat in der Küche der Möbelzentrale in Altenstadt gearbeitet, wohin er täglich mit dem Fahrrad fuhr. Jetzt macht er einen Integrationskurs in Weilheim und hofft, dann Arbeit zu finden. Bislang lebt die große Familie in drei Zimmern einer ehemaligen Sammelunterkunft. Eine Wohnung mit fünf Zimmern wäre schön, meint Manuela Weindl. Und natürlich in Peiting. Denn die Familie hat sich hier gut eingelebt.

„Lippenbekenntnisse reichen nicht“

Um die Lage des Asylhelferkreises ging es auch in der Weihnachtssitzung des Peitinger Gemeinderats am Dienstag. Und die ist durchaus ernst, wie Gabriele Sanktjohanser-Pfeffer und Sabine Haser in ihrem Vortrag eindringlich verdeutlichten. 

Um die Arbeit des Asylhelferkreises sei es in letzter Zeit sehr ruhig geworden, begann Sanktjohanser-Pfeffer, was erst einmal ein positives Zeichen sei. Denn es zeige, dass es wenig Probleme mit den Asylbewerben gebe, die in der Marktgemeinde leben. „Wenn 165 Flüchtlinge nicht auffallen, dann ist das ein großer Schritt in Richtung Integration“, unterstrich Sabine Haser. Beide machten klar, dass dieser Erfolg eng mit dem Engagement der Ehrenamtlichen verknüpft ist. 

Das Problem: Die Aufgabenlast verteilt sich auf immer weniger Schultern. Waren es zu Beginn der Flüchtlingskrise über 100 Unterstützer, auf die der Helferkreis zählen konnte, sei die Zahl der Ehrenamtlichen auf nur mehr 30 zurückgegangen, klagte Sanktjohanser-Pfeffer. Dabei werde die Arbeit mehr statt weniger. Denn anerkannte Flüchtlinge bräuchten eine Wohnung und eine Arbeitsstelle, bei deren Suche sie der Helferkreis ebenso unterstütze wie bei den zahlreichen Behördengängen und sonstigen Fragen des Alltags. 

Oft sei die Arbeit für die Ehrenamtlichen allerdings frustrierend, gerade am Kampf mit den Behörden verzweifeln viele und hören nach einer gewissen Zeit auf, sagte Haser. „Man braucht einen sehr langen Atem.“

Gabriele Sanktjohanser-Pfeffer (li.) und Sabine Haser zeigten den Gemeinderäten bildlich auf, wie viele Asylbewerber der Helferkreis aktuell in der Marktgemeinde betreut.

Zu kämpfen haben die Helfer auch damit, dass das Spendenaufkommen merklich zurückgegangen ist. Sollte dies so bleiben, sei man bald nicht mal mehr in der Lage, den Helfern für ihre Fahrten zumindest Kilometergeld zu bezahlen, klagte Sanktjohanser-Pfeffer. Für sie und Haser sei die Aufgabe mittlerweile zu einer Halbtagsstelle geworden – unentgeltlich, betonte Sanktjohanser-Pfeffer, die mehr Hilfe von Staat und Gemeinde einforderte. „Lippenbekenntnisse reichen nicht“. 

„Man merkt die Frustration bei Ihnen“, sagte Bürgermeister Michael Asam, der versicherte, man sei natürlich sehr dankbar für die Arbeit des Helferkreises. Ihm sei zu verdanken, dass „Ruhe im Dorf“ herrsche. Die Ehrenamtlichen würden sich mit „erstaunlicher Energie“ für die Sache engagieren, das ginge teils soweit, dass es die eigene Familie belaste. „Da ist es vollkommen klar, dass man irgendwann an Grenzen stößt.“ 

Man habe als Gemeinde immer versucht, zu helfen, „wo es geht“, sagte Asam, der aber einsah, dass der Markt noch mehr tun muss. Um den Helferkreis zu entlasten, werde man einen Mitarbeiter in der Verwaltung abstellen, der den Asylbewerbern beim Ausfüllen der zahlreichen Behördenformulare unter die Arme greifen soll, versprach der Rathauschef. Er hoffe, dass sich nach dem Appell der beiden Helferinnen wieder mehr Freiwillige für die Mitarbeit finden. „Bei der Betreuung müssen wir dran bleiben.“

Wer den Helferkreis Asyl mit einer Spende unterstützen möchte, kann das über das Spendenkonto der ev. Kirche Peiting-Herzogsägmühle, Stichwort: Asylarbeit Peiting. Konto DE 19 7035 1030 0000 1063 10 bei der Kreissparkasse Oberland. Auch Paten werden gesucht. Interessenten können sich unter 08861/6946960 oder per E-Mail info@asyl-peiting.de melden.

Ursula Fröhlich/Christoph Peters

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neues Angebot: Jetzt auch Augenoperationen möglich
Die Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau hat ihr Angebot wieder erweitert. Mit dem Peitinger Augenarzt Dr. Dimitrios Soultanopoulos wurde ein Kooperationsvertrag …
Neues Angebot: Jetzt auch Augenoperationen möglich
Ranking liegt vor: Landkreis-Züge zählen zu Bayerns besten
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat ihr sogenanntes Halbjahresranking veröffentlicht. Das Ergebnis: Werdenfelsbahn und Bayerische Regiobahn schneiden ganz gut …
Ranking liegt vor: Landkreis-Züge zählen zu Bayerns besten
„Bayerische Bisons“ in Birkland als Naturschützer
In Zusammenarbeit mit Kommunen, Fachbehörden und Landwirtschaft hat der Verein Lebensraum Lechtal ein neues und besonderes Beweidungsprojekt in der Lechaue bei Birkland …
„Bayerische Bisons“ in Birkland als Naturschützer
Erstes Camp für Cheerleader 
Das erste Pfaffenwinkel-Cheercamp gibt es im September in Altenstadt. Angeboten wird es vom Schongauer Tanzstudio „dance and more“. Die Trainerinnen haben die Sportart …
Erstes Camp für Cheerleader 

Kommentare