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Der Peitinger Herbert Mißler hat in seiner alten Hei mat alles zurückgelassen und neu angefangen.

Ein Porträt: Herbert Mißler aus Peiting

Dem Leben einen neuen Sinn geben

Sein Leben und seine Ziele neu auszurichten, einen neuen Sinn zu geben und das tun, was man schon immer machen wollte. Viele träumen davon, nach einem langen Arbeitsleben, voll gepackt mit Verantwortung und Zwängen, dem Gewohnten den Rücken zu kehren und eine neue Heimat zu finden. Das hat der Peitinger Herbert Mißler (68) getan.

Peiting Viele Jahre war er Fahrdienstleiter am Bahnhof in seiner Heimatgemeinde gewesen. Und dann kam die Rente. Für Herbert Mißler Anlass, einen kompletten Schnitt zu machen. Es begann damit, dass er sich 2007 auf den Jakobsweg begab, an die tausend Kilometer zu Fuß auf dem Weg nach Santiago di Compostella zurücklegte. Unterwegs führte ihn der Pfad, vorbei an zahlreichen Gotteshäusern, hin zu einer völlig allein stehenden Kirche, die für ihn zum bleibenden Erlebnis werden sollte. „Ich stand vor dem Altar, als sich plötzlich eine Lichtgestalt auf mich zu bewegte. Es war ein hellgelbes Licht“, erzählt Mißler. Doch einen Moment später rempelte ihn ein anderer Besucher am Arm an, und die Erscheinung verschwand.

Der Jakobsweg sollte seine Sehnsucht bleiben. Noch einmal machte er sich ein Jahr später auf, doch die Erscheinung war ein einmaliges Erlebnis gewesen, das sich nicht wiederholte. „Dafür bin ich dann bis zur Küste gegangen, was der noch schönere Weg war“, sagt er. 2014 machte sich Mißler, der in jungen Jahren fünf Jahre lang zur See gefahren war, dann mit seinem Wohnmobil auf nach Marokko, Mauretanien und Andalusien. Sein Weg führte ihn schließlich nach Portugal, und er fand dort das Tal seiner Träume im Alentejo. „Diese unendlichen Weiten mit ihren kleinen „Montes“, ähnlich der spanischen Fincas, den Orangen- und Olivenbäumen. Hier wollte ich bleiben, ich war angekommen“, schwärmt der heute 68-Jährige.

Sprachprobleme habe es kaum gegeben, denn viele Deutsche leben mittlerweile dort, treffen sich unter anderem auf den Märkten. Außerdem seien zahlreiche der dort ansässigen Portugiesen ehemalige Gastarbeiter aus Deutschland, die zurückgekehrt sind. In Sao Teotónio lernte er Brigitte kennen, die ursprünglich aus Herrsching am Ammersee stammt. Mit ihr zusammen bewirtschaftet er in einer Wohngemeinschaft ein 30 Hektar großes Grundstück als Selbstversorger, worauf sich auch ein Stausee befindet. Zwölf Pferde und ein kleiner Rappe sowie zwei Hunde und eine Katze gehören mit dazu.

Er lebt von seiner Rente. Seine große Passion ist aber auch seine Facebook-Seite (HerbieonTour) mit mittlerweile über 9000 Followern. Dort beschreibt er seine Reisen, Eindrücke, postet beeindruckende Fotos. Die Geschichte „Mein Winter in Alentejo“ berührte über 26 000 Menschen.

Jetzt ist Herbert Mißler noch einmal zurückgekommen. Und schlägt, wie könnte es anders sein, jeden Abend mit seinem Wohnmobil auf dem Hohen Peißenberg sein Nachtquartier auf. Denn „dies ist mein Kraftort“, über den der bayrische Jakobsweg verläuft auf seiner Route über die Wieskirche bis hin zum Bodensee. Mit seiner Kamera fängt er dort in den frühen Morgen- und Abendstunden spektakuläre Bilder ein und veröffentlicht sie auf seiner Facebook-Seite. Tagsüber ist er in einem Lagerhaus in Altenstadt und veräußert die Habe seines früheren Lebens, die er dort noch eingelagert hat. Es sei ihm schwergefallen, aus Portugal wegzufahren. Auf dem schnellsten Wege habe er dann aber die vielen Hundert Kilometer auf den Autobahnen „runtergerissen“. Für die Fahrt zurück will er sich jedoch Zeit lassen und die schönere, längere Strecke entlang der malerischen Westküste über Bordeaux, den Jakobsweg, den er seinerzeit zu Fuß gegangen war, über Porto und Lissabon genießen. Der Weg in seine neue Heimat Portugal.

Myrjam C. Trunk

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