Die Verdienstmedaille 2017 wurde verliehen an: (v.l.) Wolfgang Markus, Georg Scheglmann, Sabine Haser, Albert Eicher, Manuela Weindel, Manfred Niederreiter, Michael Krone, Simon Adler und Georg Fuhrmann.

Herzogsägmühler Verdienstmedaille für Asylhelfer

Asylbewerber leiden unter neuen Gesetzen

Peiting – Jedes Jahr erhalten Menschen, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht haben, im Rahmen der Mitarbeitendenversammlung die Herzogsägmühler Verdienstmedaille. Jetzt wurden die Asylhelfer-Kreise Schongau, Altenstadt und Peiting mit der Auszeichnung geehrt.

Dass die Asylhelfer sich aufgrund des momentanen Vorgehens der Staatsregierung gegenüber Flüchtlingen und den drastischen Veränderungen in der Asylpolitik nicht so recht freuen können, legten Sabine Haser und Manuela Weindel, die die Medaille und Urkunde im Namen des Helferkreises entgegennahmen, in der Mitarbeitendenversammlung in einer sehr persönlichen Stellungnahme dar. Rund 100 Asylbewerber leben derzeit in der Marktgemeinde Peiting. Dank des Entgegenkommens von Betrieben der Region und mit Unterstützung von Herzogsägmühle ist es in den vergangenen zweieinhalb Jahren gelungen, über 75 Prozent der Flüchtlinge in Integrationsmaßnahmen, Praktika, Arbeitsverhältnissen und Schulen unterzubringen, wie Sabine Haser ausführte.

Mit der Deklarierung von Afghanistan zum sicheren Herkunftsland und neuen Bestimmungen, was Arbeit und Ausbildung betrifft, würden diese Bemühungen mit einem Schlag zunichte gemacht. „Nach Auskunft von Menschenrechtsorganisationen ist das Leben in Afghanistan nicht sicher“, so Haser. In den letzten Wochen hätten etliche Asylbewerber aus diesem Land einen Ablehnungsbescheid erhalten. „Die Folgen haben wir Helfer hautnah mitbekommen. Von massiv auftretenden Ängsten, Panikattacken, Perspektivlosigkeit bis hin zu suizidalen Gedanken und Handlungen“, so die beiden Asylhelferin. Nicht nur Einzelpersonen, sondern auch eine Familie mit kleinen Kindern, die nach einer traumatischen Flucht endlich wieder lachen können und gut integriert sind, sollen zurück in ihr Land, wo sie ihres Lebens nicht sicher sind.

Flüchtlinge dazu verdammt, auf Kosten der Steuerzahler zu leben

Zudem dürfen laut dem neuen Gesetz vom 19. Dezember 2016 nur noch Asylbewerber mit einer hohen Anerkennungsquote einer Beschäftigung nachgehen. Das heißt, dass Menschen aus Afghanistan und Pakistan, die derzeit selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen, die Arbeitserlaubnis entzogen wird, selbst, wenn die Abschiebung erst in zwei Jahren ansteht. „Jetzt werden genau diese Menschen bestraft, die sich bemühen, die arbeiten und die lernen wollen. Bestraft werden auch die jeweiligen Arbeitgeber, die diese Personen gerne weiterbeschäftigen wollen, die von heute auf morgen einen Arbeitnehmer verlieren, den sie angestellt haben und mit dem sie zufrieden sind“, so Sabine Haser. Statt sich zu integrieren und einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen, werden die Flüchtlinge wieder dazu verdammt, auf Kosten der Steuerzahler in ihren Unterkünften die Zeit totzuschlagen.

„Das können wir nicht verstehen“, so die beiden Asylhelferinnen, die sich wünschen, dass Kirchen, Organisationen und einflussreiche Menschen sich deutlich im Hinblick auf die jüngsten Beschlüsse positionieren, die zur Folge haben, dass Menschen, die Integrationswillen zeigen Arbeit, Ausbildung oder Schule aufgeben und in ein Land zurückmüssen, wo ihr Leben nicht sicher ist. Und sie wünschen sich, dass Menschen darüber nachdenken, ob so eine Behandlung mit unseren gesellschaftlichen Werten vereinbar sei.

Ursula Fröhlich

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