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Podiumsdiskussion in Herzogsägmühle mit (v.l.): Imam Benjamin Idriz aus Penzberg, Politikerin Claudia Stamm (mut), Journalist Heribert Prantl, dem bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU).

Zum 125. Jubiläum

Podiumsdiskussion in Herzogsägmühle: Bitte wieder mehr streiten

Zum 125. Jubiläum von Herzögsägmühle hatte das Diakoniedorf zur Podiumsdiskussion eingeladen. Die bekannten Gäste vertraten dabei durchaus konträre Meinungen. Einig waren sich allerdings alle, dass wieder mehr miteinander gesprochen werden soll.

Herzogsägmühle – „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ war das Motto der Podiumsdiskussion zum 125. Jubiläum von Herzogsägmühle am Freitag in der voll besetzten Deckerhalle, die von Journalist Heribert Prantl moderiert wurde.

„Wir haben heute Leute eingeladen, die nicht mit einem wesentlichen Mandat so gebunden sind, dass sie nichts sagen dürfen“, hatte Direktor Wilfried Knorr eingangs angekündigt. Auf der Gästeliste standen der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) und Landesbischof von Bayern Heinrich Bedford-Strohm, der bayerische Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein (CDU), Claudia Stamm, ehemalige Abgeordnete des Bayerischen Landtages und Vorsitzende der Partei „mut“, Benjamin Idriz, Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg e.V. und Christian Ude, Altbürgermeister der Stadt München.

Mehrere Themen als Diskussionsgrundlage in Herzogsägmühle

Als Diskussionsgrundlage hatte Heribert Prantl die Themenbereiche Migration, Wohnen, Pflege sowie Populismus und Rechtsextremismus vorgegeben. Ein Programm, das den Rahmen der Veranstaltung fast sprengte, da jeder der anwesenden zu jedem Punkt viel zu sagen hatte. Dabei waren die Meinungen durchaus konträr.

Einig waren die Diskussionsteilnehmer sich allerdings in einem Punkt: Es muss wieder mehr „gestritten“ werden. Sprich: verschiedene Meinungen öffentlich diskutiert und Standpunkte deutlich gemacht werden. „Es gehört zur Demokratie, dass man gegensätzliche Meinungen diskutiert“, so Günther Beckstein.

Christian Ude wünscht sich bei Podiumsdiskussion in Herzogsägmühle wieder mehr Streit

Da konnte ihm Christian Ude nur beipflichten: „Es gab in der großen Koalition zu wenig Streit um Fragen, die die Wähler bewegten“, meinte er und nannte als Beispiel die Bankenrettung oder Bundeswehreinsätze.

Auch Claudia Stamm forderte, dass bei Parteien wieder klarer werden müsse, für welche Inhalte sie stünden. „Dem Volk auf’s Maul schauen, aber ihm nicht nach dem Mund reden“, zitierte sie in diesem Zusammenhang den ehemaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß.

Podiumsdiskussion in Herzosägmühle: Wunsch nach klaren Positionen

Ebenso plädierte Imam Benjamin Idriz für klare Positionen. „Angst darf nicht unsere Zukunft bestimmen, darf nicht unser Ratgeber sein“, bekräftigte er besonders im Hinblick auf die Flüchtlingsdebatte, die sich rechte Gruppierungen zu Nutze gemacht hatten. Diskussionsgrundlage sollte dabei die deutsche Verfassung sein, die ganz klar sagt, dass „die Würde des Menschen unantastbar“ ist.

„Der Grundkonsens in diesem Land darf sich nicht verschieben“, betonte Heinrich Bedford-Strohm. Trotz aller Offenheit für verschiedene Meinungen und Ängste dürfe niemand wegen seiner Hautfarbe, Herkunft oder Religion diskriminiert werden. „Das darf nicht salonfähig werden“, so der evangelische Landesbischof.

Heribert Prantl fiel dazu ein Zitat von Ovid ein: „Glücklich ist der, der was er liebt auch wagt, mit Mut zu beschützen.“ „Gönnen wir uns dieses Glück auch zu diesem Jubiläum!“, war seine abschließende Aufforderung an die Anwesenden.

VON URSULA FRÖHLICH

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