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Wollen soziale Berufe studieren: Die Bufdis Florian Dietz und Teresa Haseitl. 

Herzogsägmühle

Bufdis bewähren sich im Alltag

37 Freiwillige, davon 19 weiblich, tun gegenwärtig im Bundesfreiwilligendienst in verschiedenen Fachbereichen von Herzogsägmühle Dienst. Sie sind unterschiedlichen Alters und kommen aus verschiedenen Herkunftsländern.

Herzogsägmühle– Die Nachfolgenden des zivilen Ersatzdienstes, auch Bufdis genannt, bewähren sich alltäglich in vielfältigen Assistenz-und Hilfsdiensten. Besonders erfreulich: nicht wenige Absolventinnen und Absolventen orientieren sich nach einer sehr bewussten Selbsterprobung beruflich neu und streben die Ausbildung in einem sozialen oder Pflegeberuf an.

Als mit der allgemeinen Wehrpflicht für die Bundeswehr auch der Zivildienst zu Grabe getragen wurde, fragte man sich vor allem bei den Trägern der freien Wohlfahrt, ob der Bundesfreiwilligendienst gleichwertigen Ersatz abgeben würde. Die ersten Bufdis wurden auch durchaus mit Skepsis aufgenommen. Inzwischen kann wohl festgestellt werden, dass der Bundesfreiwilligendienst das Stadium des Experimentierens längst erfolgreich hinter sich gelassen hat. In Herzogsägmühle verteilen sich die Bufdis auf die Fachbereiche Menschen mit Behinderung (sechs), Wohnen für Menschen mit Behinderung (acht), Kinder, Jugendhilfe und Familien (drei), Menschen in besonderen Lebenslagen, MibL (acht), davon sechs im Bereich Migration und Asyl, Menschen mit seelischen Erkrankungen (acht), Kinderhilfe Obland (zwei) und einen Teilbereich von Herzogsägmühle in Landsberg (einer).

Der Bufdi war hier am Ort zum 1. Juli 2011 eingeführt worden. Die Nachfragesituation wird von der Personalabteilung als gleichbleibend beschrieben. John Edward Schulz, zuständiger Teilbereichsleiter im Fachbereich MibL, spricht gewissermaßen stellvertretend für andere Bereiche von „durchweg positiven Erfahrungen“. Die Bufdis seien relativ gut gemischt, es seien auch ältere Herren unter den Dienstleistenden. Schulz berichtet von Absolventen mit Flucht-Hintergrund so wie beispielsweise im Fall eines Afghanen oder eines Syrers. Exot unter den Absolventen: ein Mann mit Herkunft Mozambique, der seit 29 Jahren in Ungarn lebt.

Das Prozedere der Aufnahme in den Dienst verläuft so, dass am Beginn das Erstgespräch über den Wunsch steht, wo der Bewerber gern arbeiten möchte. Danach vermittelt Schulz die Leute weiter. Seine Zwischenbilanz nach heutigem Erfahrungsstand: „Das Ganze ist aus dem Modellzustand heraus und bewährt sich praktisch!“ Reich werden kann man freilich als Bufdi nicht, Idealismus und ehrliches Interesse gehört zur Sache. 190 Euro ohne Unterkunft und Verpflegung sind ein eher bescheidener Lohn. Auch vor diesem Hintergrund trennt sich schnell die Spreu vom Weizen.

Geschult werden die Bufdis auch. Die unter 27-Jährigen durchlaufen drei bis vier Seminare. Die über 27-Jährigen erleben Tagesveranstaltungen. Seminare des Diakonischen Werkes Bayern sind im Übrigen in Nürnberg konzentriert. John Edward Schulz zusammenfassend: „Das Ganze ist eine sinnvolle Einrichtung“.

Florian Dietz (24) und Teresa Subiabre Haseitl (23), sind zwei der Bufdis, die in Herzogsägmühle ihren freiwilligen Dienst leisten. Der Schongauer Dietz ist im ursprünglichen Beruf Kfz-Mechatroniker. Teresa Haseitl gibt als Berufe Kosmetikerin und Friseurin an. Sie hat im privaten Umfeld erste Kontakte mit Flüchtlingen gehabt, die ihr soziales Engagement verstärkten. Auch Florian Dietz empfindet ein ausgeprägtes soziales Interesse. Und beide stehen für die Bufdi-Generation, die eine neue berufliche Orientierung anstrebt. Dietz und Haseitl unisono: „Wir werden andere, soziale Berufe studieren!“

Rüdiger Matt

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