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Ein Meister der Mimik und Gestik: Comedian Simon Pearce begeisterte bei seinem Auftritt in Herzogsägmühle.

Auftritt von Kabarettist Simon Paerce

Mit überschäumender Fabulierkunst

„Allein unter Schwarzen“ heißt der Titel des Programms, mit dem Kabarettist Simon Paerce durch die Lande tourt. Damit war er auch im Rahmen des Festwochenendes zum 125-jährigen Jubiläums im voll besetzten Rainer-Endisch-Saal in Herzogsägmühle zu Gast.

Herzogsägmühle – Papa der „Wilde“ und Mama die „Weiße“: Seine Kindheit in Puchheim als Sohn einer Münchener Schauspielerin und eines afrikanischen Juristen, und wie es ist, als „maximalpigmentiertes“ Kind in der bayerischen Provinz aufzuwachsen, thematisiert Simon Pearce mit so viel komödiantischem Talent, Humor und Selbstironie, dass der Saal in Herzogsägmühle vor Lachen tobte.

Am liebsten war Simon Pearce in seiner Jugend die Oma eines Freundes und ihr unverkrampfter Umgang mit seiner Hautfarbe: „Der Simon, braun gebrannt wie immer“, wurde er jedes Mal von ihr begrüßt.

Dem „Kurti“ am Wertstoffhof, der unter dem Motto „lieber ein stadtbekannter Säufer als ein anonymer Alkoholiker“ lebte, gelang es allerdings mit einem Schlag, Pearce die Identität „unter den Füßen wegzuziehen“. Und zwar mit dem Spruch „Geh’ weiter, Simon, Du bist doch koa richtiger Neger“.

In der Grundschule war Pearce nach eigener Aussage vier Jahre lang der Fänger beim Spiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“, und später hörte er auf Namen wie „schwarze Perle“ oder „Bob Marley“. Und ein Banknachbar habe gleich am ersten Schultag einen Bleistift aus seinem Schulranzen gezogen und die Fronten markiert: „Meine Seite, Deine Seite. „Heute ist er Ministerpräsident, der Markus“, so Simon Pearce trocken in schönstem Bairisch.

Aber nicht nur seine Hautfarbe machte dem jungen Comedian, der, wenn man ihn nur sprechen hört, als Urbayer durchgehen könnte, zu schaffen. Da waren noch die archaischen Schlachtfeste des Vaters im Garten, wo er Hasen und Hühner kochtopfbereit machte und so manch einen potenziellen Freund des Sohnes vergraulte.

Ohne Zorn und mit liebevollem Blick

Oder die Mama, eine Revoluzzerin der frühen 80er Jahre in selbstgebatikten T-Shirts und Röcken aus Gardinen, die beim Elternabend in der Schule durch freischwingende Brüste („20 Jahre zu spät“) auffiel. Auf die Frage einer Passantin, ob sie die drei schwarzen Kinder adoptiert habe, antwortete seine Mutter, die blonde Walküre: „Die habe ich mit meinem Mann gemacht. Der schnackselt gerne, der Afrikaner.“

Von der anti-materialistischen Mama habe Pearce bis zu seinem 16. Lebensjahr zum Geburtstag lediglich Gutscheine für „1 Mal Zimmer aufräumen“ bekommen. Auch mit biologisch-ökologischer Ernährung setzte sie dem Sohn zu. Keine Süßigkeiten, keine Limo oder Schwippschwapp. Mit naturtrübem Apfelsaft vom Biobauern und dessen schnellem Gärungsprozess in der Tupperflasche sei er in der dritten Klasse schon Alkoholiker gewesen, so Simon Pearce drastisch.

Während er als Heranwachsender noch fest entschlossen war, sich bleichen zu lassen, fand er als Jugendlicher seine Hautfarbe plötzlich gut: Während andere sich mit Klamotten und auffälligen Haarschnitten abmühten, hatte er schon ein Alleinstellungsmerkmal und fand das cool. Inzwischen hat er ein abendfüllendes, extrem unterhaltsames Programm daraus gemacht. Zu komisch, wenn er mit ausladender Mimik und Gestik seine Erfahrungen mit Gangsta-Style-Klamotten, Raver-Partys, Polizeibeamten, die Farbige besonders häufig kontrollieren und schikanieren, oder mit fremden Händen, die gerne ungefragt durch sein krauses Haar wuscheln, erzählt.

Das alles ohne Zorn, sondern mit einem liebevollen Blick auf menschliche Schwächen und überschäumender Fabulierkunst. Und der Erkenntnis: „Soviel Weißbier kannst du gar nicht trinken, dass das noch einmal etwas wird mit der Farb!“

VON URSULA FRÖHLICH

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