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Beim Wohnungslosentreffen in Herzogsägmühle tauschten sich Betroffene über ihre Situation aus. 

Menschen ohne Wohnung trafen sich in Herzogsägmühle zum Austausch

Selbstbestimmt gegen Ausgrenzung

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Wohnungslose Menschen haben mit vielen Hürden zu kämpfen, um wieder Wohnraum zu erlangen. Bei einem Treffen in Herzogsägmühle haben sich Betroffene ausgetauscht – und Punkte zusammengestellt, die es in der Gesellschaft zu verbessern gilt.

Herzogsägmühle – Mieten steigen durch Sanierungen plötzlich ins Unbezahlbare, Menschen verlieren ihre Arbeit, kämpfen mit psychischen und physischen Problemen. Die Gründe, warum sie wohnungslos wurden, sind vielfältig. Trotzdem werden die Betroffenen oft alle in eine Schublade gesteckt, stigmatisiert und sozial ausgegrenzt. Dem will die Stellvertretung wohnungsloser Menschen entgegentreten. Einmal im Jahr treffen sich Betroffene aus Deutschland und europäischen Nachbarländern, um sich auszutauschen. Heuer fand die Zusammenkunft erstmals in Süddeutschland statt – in Herzogsägmühle.

Über 100 Menschen trafen sich und zelteten eine Woche lang

Über 100 Menschen zelteten dort für eine Woche und stellten in Arbeitsgruppen Punkte zusammen, die es ihrer Meinung nach für Wohnungslose zu verbessern gilt.

Zwei Themen sind ihnen dabei besonders wichtig: Das Recht auf Wohnraum und einen erleichterten Zugang zur Gesundheitsfürsorge, wie ihn unter anderem Karsten, ein Teilnehmer aus Mainz, fordert. Die Hilfen müssten unmittelbar für alle zur Verfügung stehen.

Ohne Adresse und ohne Konto ist es schwer

Ohne Adresse und Konto oder mit Schufa-Einträgen ist die Wohnungssuche hoffnungslos, berichten sie. Ihr Wunsch: Das Recht auf eine eigene bezahlbare Wohnung gesetzlich zu verankern. Und auch alternative Wohnformen sollen nicht mehr kriminalisiert werden. Wenn jemand in einem Bauwagen oder Baumhaus wohnen oder campen möchte, soll das akzeptiert werden, fordern die Teilnehmer, die sich in dem Zusammenhang auch gegen Vertreibungen einsetzen.

Regina, eine Teilnehmerin aus Österreich, weist außerdem darauf hin, dass immer mehr Frauen wohnungslos werden. „Geringes Einkommen und kleine Renten, die Trennung oder der Tod des Partners führen verstärkt zu Verarmung. Die Entwicklung muss bekämpft werden.“

Um zu verhindern, dass wohnungslose Menschen automatisch vom sozialen Leben ausgeschlossen werden, wird auch die digitale Teilhabe immer wichtiger, sagt Hannes aus Freistatt in Niedersachsen. „Unbegrenztes WLAN an öffentlichen Stellen und die Möglichkeit, auch ohne Adresse und Ausweis einen Handyvertrag abzuschließen, würden helfen.“

Ihre gesammelten Forderungen haben die Teilnehmer des Wohnungslosentreffens in einer Liste zusammengetragen. Im kommenden Jahr findet das Treffen in Bielefeld statt.

Das Treffen wurde in diesem Jahr in Herzogsägmühle auf die Beine gestellt 

Weil wohnungslose beziehungsweise ehemals wohnungslose Menschen nicht die finanziellen Mittel haben, solche Zusammenkünfte durchzuführen, wurden sie neben Herzogsägmühle von vielen weiteren Organisationen unterstützt. „Freundschaften und Verbindungen sind entstanden. Außerdem haben wir viel auf die Beine gestellt“, schildert Hannes.

Digitale Teilhabe ermöglichen

„Wir wollen uns an der gesellschaftlichen Entwicklung beteiligen. Und wir arbeiten bereits daran. Das zeigt das Wohnungslosentreffen“, sagt ein anderer Teilnehmer, der sich nun wünscht, dass die Politik ebenfalls einen Schritt auf die wohnungslosen Menschen zu macht. „Zu viel wird durch die ,Mittelschichtbrille‘ geplant. Es wäre schön, wenn auch wohnungslose Menschen zu Vorhaben befragt werden – auf Landes- und Bundesebene, aber auch schon im Kommunalen“.

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