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Einer der beiden neuen Prüfstände im Hoerbiger-Versuchszentrum: Ausgeklügelte Kältetechnik erlaubt es, die Reaktion der getesteten Bauteile auf arktische Temperaturen von bis zu minus 30 Grad zu simulieren, wie Entwicklungsleiter Ansgar Damm vor Ort erläuterte.

Neue Prüfstände im Versuchszentrum

Hoerbiger stellt Weichen für Elektro-Mobilität

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Noch sind Elektrofahrzeuge ein Nischenprodukt, doch das dürfte sich in naher Zukunft ändern. Der Automobilindustrie steht eine Revolution bevor, die Hersteller wie Zulieferer vor große Herausforderungen stellt. Auch bei Hoerbiger wird deshalb bereits emsig an neuen Produkten gearbeitet.

Peiting – „Wir befinden uns hier in der Keimzelle der Hoerbiger Antriebstechnik“, sagt Ansgar Damm zur Besuchergruppe, die der Leiter Forschung und Entwicklung durch das Versuchszentrum des Unternehmens in der Pürschlingstraße in Peiting führt. Seit 1997 werden hier Schaltelemente und Systeme für unterschiedlichste Getriebearten getestet und erprobt, ehe sie in Serie gehen. Insgesamt 23 Testanlagen sind in den Gebäuden untergebracht. Erst seit einem Monat sind die beiden neuesten Prüfstände in Betrieb und der besondere Stolz von Ansgar Damm. Denn sie stehen für die Zukunft der Antriebstechnik, an ihnen werden Kupplungen und neue Schaltelemente erprobt, beurteilt und optimiert, die künftig in Elektro- und Hybridfahrzeugen eingesetzt werden sollen.

Noch ist der Markt für emissionsfreie Autos überschaubar, doch auch wenn Verbrennungsmotoren noch eine geraume Zeit eine wichtige Rolle spielen werden, die Revolution ist bereits im Gang. Das merkt man auch bei Hoerbiger. Komponenten für klassische Systeme wie Handschaltgetriebe würden zwar nach wie vor stark nachgefragt, aber man registriere zunehmend Anfragen in Richtung neuer Produkte für die E-Mobilität, sagt Damm. Seit zwei Jahren treibe man deshalb bereits die Entwicklung in dieser Richtung voran. „Der Zeitpunkt war genau richtig.“ Denn von der Idee bis zur Serienreife ist es ein langer Prozess. Fünf bis sechs Jahre dauert es laut Damm, bis eine Neuentwicklung Einzug in ein Fahrzeug hält. „Unser großer Vorteil gegenüber den Wettbewerbern ist, dass wir unsere Produkte selbst entwickeln.“ Dabei profitiere man von der Erfahrung im Bau klassischer Systeme.

Schon beim Prestige-Elektroflitzer i8 von BMW lieferte Hoerbiger Bauteile für die Synchronisierung des zweistufigen Automatikgetriebes. Diese seien damals allerdings nur geringfügig gegenüber den Serienprodukten klassischer Antriebe verändert worden, erklärt der Entwicklungsleiter. Bei der nächsten Bauteil-Generation für Elektro- und Hybridfahrzeuge werde der Evolutionsschritt deutlich größer sein, um den wachsenden Anforderungen der Kunden Rechnung zu tragen.

Dabei geht es vor allem um die Verbesserung des Wirkungsgrads, denn der spielt bei der E-Mobilität eine wichtige Rolle. Denn je höher der Energieverlust beim Schalten ist, umso geringer fällt die Reichweite der batteriebetriebenen Fahrzeuge aus. Gelinge es, die Verlustleistung nur um zwei Prozent zu senken, lasse sich dadurch „unglaublich viel Geld sparen“, betont Damm angesichts der Tatsache, dass die Batterie gut ein Drittel der Kosten eines Elektrofahrzeugs ausmache.

Neben dem Wirkungsgrad haben die Ingenieure noch zwei andere Ziele im Auge, nämlich die Erhöhung des Schaltkomforts bei gleichzeitiger Verringerung der Schaltgeräusche. „Das ist der Spagat, den wir hinbekommen wollen“, sagt Damm. Eine wichtige Rolle kommt dabei den beiden neuen Prüfständen zu, für die das Unternehmen je einen mittleren sechsstelligen Betrag investiert hat. Hier werden die entwickelten Bauteile auf Herz und Nieren geprüft. Modernste Kühltechnik macht es auf der einen Anlage beispielsweise möglich, das Schaltverhalten bei Temperaturen von minus 30 Grad zu beobachten. Prüfläufe von bis zu drei Wochen Dauer zeigen, ob die Komponenten selbst nach mehreren hunderttausend Schaltvorgängen noch einwandfrei funktionieren. „Wir simulieren damit ein ganzes Fahrzeugleben.“

Diese Tests seien zudem wichtig, um die potenziellen Kunden von der Leistungsfähigkeit der neu entwickelten Produkte zu überzeugen und sicherzugehen, dass sie sich im täglichen Einsatz bewähren. Erste Interessenten für die neue Technologie gebe es bereits, verrät Damm, dem vor der Zukunft deshalb nicht bang ist. „Für unser Unternehmen sehe ich unglaubliche Chancen.“

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