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Flohmarktfan Rainer Herlitze präsentiert in seinem Wohnzimmer vier Masken aus seiner großartigen Sammlung. Rechts unten die Maske, mit der vor 49 Jahren alles begann. Darüber das „Selbstbildnis“, das er selbst schnitzte. In seiner rechten Hand die naturbelassene Maske mi t dem filigran geschnitzten Bart, und ganz außen die „Habergoaß“. 

Holzmasken sind seine Leidenschaft

Die vielen Gesichter des Rainer Herlitze

Das Sammeln von Gegenständen unterschiedlichster Art hat die Menschen schon immer begeistert. Sammeln kann beruhigen, inspirieren, oder einen auch unwahrscheinlich faszinieren und geradezu fesseln. Und es infiziert einen buchstäblich, wenn man auf der Suche nach dem bestimmten Einzelstück ist, das in der Sammlung fehlt. Rainer Herlitze aus Peiting ist so ein Sammler. Ihn haben es besondere Holzmasken angetan.

Peiting – Es ist ein ganz besonderer Moment, wenn man das große Wohnzimmer von Rainer Herlitze betritt. Es ist ein kleines Museum von ausgewählten Dingen, in dem man sich sofort wohl fühlt. Die Stücke sind nicht irgendwie lieblos nach einer Werteskala von teuer bis weniger teuer aufgereiht. Hier begegnet man einer Leidenschaft der besonderen Art.

Die Unikate an den Wänden oder auf den Schränken sind zu einem homogenen Ganzen zusammengeführt. In diesem Haus muss ein ganz großes Sammlerherz schlagen, das all die ergatterten Dinge liebevoll und mit viel Gefühl zusammengestellt hat.

Rainer Herlitze war Volksschullehrer. Einer vom alten Schlag, der lieber in kleinen verstaubten Werkstätten stöberte und dort nach alter Volkskunst suchte, als mit dem Finger über ein Tablet zu streichen. Gut, in den Anfängen seiner Sammlerzeit hat es diese modernen Dinger noch nicht gegeben, aber eine gewisse Technik schon.

Doch Herlitzes Wegweiser zeigte eben in Richtung Volkskunst. Vor allem Unikate hatten es ihm angetan. Ausgefallene Krüge, besondere Teller oder auch Kreuze. Diese Dinge hat Herlitze nicht einfach nur gesammelt und in Schachteln irgendwo deponiert. Er hat diesen Dingen an besonderen Stellen in seiner Wohnung einen Platz gegeben.

Dann kam der September 1969: Der sollte für den Sammler ein besonderes Datum werden. In doppelter Hinsicht. Herlitze heiratete und begab sich mit seiner Frau auf Hochzeitsreise Richtung Südtirol. Beim Auftanken in Benediktbeuern entdeckte er in einer Tankstelle zufällig eine holzgeschnitzte Maske: „Die hing einfach als Einzelstück zwischen Zigaretten- und Benzinwerbeschildern an der Wand“, erinnert sich Herlitze. „Ein unwürdiger Platz für so ein tolles handwerkliches Stück“, war sein erster Gedanke.

Dann der zweite: „Dieses Stück möchte ich haben.“ Er vereinbarte mit dem Tankwart, dass er auf der Rückfahrt das Stück mitnehmen würde. Vorausgesetzt, es hängt noch da. Gute 60 D-Mark wollte der Tankwart dafür. „Das war für mich als junger Student eine Menge Geld“, gibt Herlitze zu.

Die Maske blieb an der Wand hängen. Und so kam es, dass das frisch-getraute Ehepaar nach den Flitterwochen diese Maske erwerben konnte. Darüber hinaus noch mehr. Quasi ein Glücksgriff. Der Schnitzer der Maske, ein gewisser Benedikt Werkmeister, erfuhr von dem Verkauf seiner Maske und lud Herlitze zu sich in seine Wohnung ein. „Das war wie in einem Masken-Schlaraffenland. Bis hin zum Treppenhaus war alles voller von Werkmeister geschnitzter Masken“, erinnert sich Herlitze voller Begeisterung.

Dieses Erlebnis war der Auslöser am Interesse von Holzmasken. „Gott sei Dank ist meine Frau den Weg voll mitgegangen“, sagt der Peitinger mit einem verschmitzten Lächeln. Sonst wäre Schluss mit lustig gewesen. Darüber hinaus inspirierte das Maskenmuseum in Diedorf bei Augsburg den damaligen Studenten. Herlitze hatte ein neues Sammelgebiet: Handgeschnitzte Holzmasken zum aufsetzten.

Herlitze war infiziert. Doch das neue Sammelgebiet war auf Flohmärkten rar. Außerordentlich rar. Da kam der Zufall zum Zuge: Herlitze hat in seiner Zulassungsarbeit für die Lehramtsprüfung über „Das Tölzer Marionettentheater“ geschrieben. So lernte er den Leiter des Theaters kennen. Dieser schnitzte all seine Figuren selbst, bemalte sie und kleidete sie an. Das imponierte Herlitze, vor allem das Schnitzen. Jetzt wollte er sich selbst an so eine Maske heranwagen. Und tat es.

Mittlerweile hatte er sich von dem Schnitzer aus Benediktbeuern eine kleine Sammlung zugelegt. Die beiden Männer betrieben einen gewissen Tauschhandel: Holzschnitzer Werkmeister sammelte von Schulkindern gemalte Bilder, ebenfalls ein ausgefallenes Sammelgebiet. Die besorgte Herlitze nach Rückfragen der Eltern der Kinder. Dafür kam ihm Werkmeister in Sachen Masken entgegen. Die hat er auf Bestellung von Herlitze dann von seinen Originalen nachgeschnitzt. Einfach aus Liebhaberei, denn Werkmeister betrieb keinen Handel damit.

Dann der große Moment für Herlitze: Er wagte sich an seine erste und einzige Maske, die er selbst fertigte. Aus einem Klotz aus Lindenholz. Das Experiment gelang, Herlitze bemerkt lachend, dass weder Nase, Augen, Bart und Frisur stimmten, deshalb nannte er sein Werk „Selbstbildnis“.

Nur eine Maske erwirbt Herlitze unbemalt, also naturbelassen. Von einem Ohlstädter Schnitzer. Der hat ihm einen Schwung Masken zur Auswahl mit nach Peiting gebracht. Herlitze entschied sich für ein Männergesicht mit einem fein herausgearbeiteten Bart. Doch das Bemalen unterlässt Herlitze nach gründlicher Überlegung. „Der Schnitzer hat so filigran gearbeitet, dass ich seine Handwerkskunst nicht durch mein Anmalen zerstören wollte“, gibt er zu.

Und hat es bis heute nicht bereut. Die letzte Maske, die Herlitze von dem Benedikbeurer Schnitzer Werkmeister erwarb, war eine „Habergoaß“. Ein Gesicht mit langen Hörnern aus einem Stück. Danach hat sich der Kontakt von Schnitzer und Sammler verloren. Doch die Hoffnung auf ein Maskenschnäppchen bleibt bei Rainer Herlitze immer bestehen.

Von Hans-Helmut Herold

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