Nahaufnahme von einem Richterhammer als Symbolbild für ein Gerichtsurteil
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Der Angriff auf eine Nachtschwester in Peiting wird derzeit vor Gericht verhandelt.

„Ich hatte Todesangst“

„Er war über ihr und hat zugestochen“: Patient attackiert Nachtschwester - Kollegin rettet ihr das Leben

  • Angela Walser
    VonAngela Walser
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Im Prozess um die Attacke auf eine Nachtschwester einer Peitinger Pflegeeinrichtung hat die zweite Dienst habende Altenpflegerin ausgesagt. Sie rettete ihrer Kollegin das Leben.

Peiting – Wie berichtet, hatte der Peitinger im Wahn mit einer Nagelschere auf die Nachtschwester eingestochen. Die 58-jährige Zeugin schilderte am Dienstag vor dem Landgericht München II, wie sie den Patienten (31) von der Kollegin wegriss und ihr somit das Leben rettete. Sie wirkte immer noch mitgenommen. Was in den frühen Morgenstunden eines Novembertages 2020 passiert war, konnte sie nicht vergessen.

Peiting: Mann attackiert im Wahn Nachtschwester mit Nagelschere

Als sie aus der geschlossenen Station Schreie hörte, glaubte sie zunächst, dass wieder einmal bis tief in die Nacht der Fernseher laut lief. Den nächsten Schrei verband sie mit einem Patienten, der oft einen vergleichbaren Schrei ließ. Doch schon im nächsten Moment wurde sie unruhig. „Dann bin ich den Flur entlang und schon gerannt“, erinnerte sich die 58-Jährige.

Nachtschwester attackiert: „Er hat ein Messer“, riefen Bewohner

Als sie die Treppe hoch zur geschlossenen Station stürmte, standen dort schon einige Bewohner. „Er hat ein Messer“, raunten sie ihr zu. Die Schwester rannte ins Büro, dort lag ihre Kollegin, unglücklich in eine Ecke gepresst. „Er war über ihr und hat zugestochen“, sagte die Zeugin. Ihrem Bericht zufolge lag die Kollegin auf dem Rücken und versuchte, mit den Armen und nach oben gestreckten Beinen die Stiche abzuwehren. „Was er in der Hand hatte, habe ich nicht gesehen. Er hat nur gestochen, nicht abgelassen, als ich reinkam.“

Sie packte ihn und warf ihn zur Seite. Dann schob sie ihn vor die Bürotür und knallte selbige zu. Anschließend betätigte sie den Notruf und half ihrer Kollegin, die Blutungen notdürftig zu stillen. Als der Rettungsdienst eintraf, warf sie den Schlüssel aus dem Fenster. Sie hatte kurzfristig in Erwägung gezogen, die Haustür aufzusperren, doch der 31-Jährige stand immer noch vor dem Büro und starrte sie mit einem furchteinflößenden Blick an. „Ich muss sagen, ich hatte Todesangst“, erinnerte sie sich.

Bluttat in Peiting: Angeklagter schon in früheren Jahren aufgefallen

Die Bluttat hatte der Beschuldigte zu Prozessauftakt mit seinem Wunsch begründet, besser im Gefängnis zu landen, als in der Psychiatrie zu sein. „Der wollte unbedingt von uns weg“, bestätigte die Pflegekraft. Schon zwei Wochen vor der Attacke war er aus der Einrichtung entwichen. Er fuhr nach Linz und mit dem Zug nach Passau, wo er schließlich von der örtlichen Polizei aufgegriffen wurde.

Eine frühere Betreuerin des 31-Jährigen berichtete von wechselnden Krankheitszuständen. Sie vermutete Drogen- und Alkoholmissbrauch als Auslöser für die schwere paranoide Schizophrenie. Schon in jüngeren Jahren sei der Mann durch wildes Verhalten aufgefallen.

Angeklagter ist überzeugt, dass er nicht krank ist

So wurde er einmal im Winter nackt mitten im Wald aufgegriffen, als er mit einem Messer imaginäre Gegner in der Luft bekämpfte. Er drohte im Bus einen kleinen Jungen, ihn umzubringen, und hatte im Eingangsbereich einer Wohnung stets mehrere Messer griffbereit liegen. Einmal brachte er auch die Betreuerin in eine unangenehme Lage, als er sich mit ihr in seiner Wohnung einsperrte.

„Er hat keine Krankheitseinsicht, er hat immer gesagt, er ist nicht krank, er braucht keine Medikamente, das bilden wir uns alle nur ein“, berichtete sie. Im Verfahren selber geht es nicht um die Bestrafung des Beschuldigten, sondern um seine gesetzmäßige Unterbringung in der Psychiatrie. Zum Tatzeitpunkt war er schuldunfähig. Der Prozess dauert an.

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