Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder ist nicht nur glücklich über seinen neuen Job, sondern auch über seinen neuen Dienstwagen.
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Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder ist nicht nur glücklich über seinen neuen Job, sondern auch über seinen neuen Dienstwagen. Als erster Rathauschef der Gemeinde ist er mit einem Audi e-tron vollelektrisch unterwegs.

Interview mit Peitings Rathauschef Peter Ostenrieder

Seit 100 Tagen Peitings Bürgermeister: „Ich kann es nicht jedem recht machen“

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Seit 100 Tagen heißt der Peitinger Bürgermeister Peter Ostenrieder. Im Interview mit den Schongauer Nachrichten spricht der Birkländer über die ersten Wochen seiner Amtszeit, was ihn von seinem Vorgänger unterscheidet und wie er mit Kritik an seiner Person umgeht.

Herr Ostenrieder, Sie sind jetzt 100 Tage im Amt. Haben Sie sich schon daran gewöhnt, dass jetzt alle Herr Bürgermeister zu Ihnen sagen?

Um ehrlich zu sein, ja. Es ist ein schönes Gefühl, man hat ja einen völlig neuen Status im Ort. Aber man kommt manchmal schon auch ins Nachdenken. Die Leute haben Erwartungen an den Bürgermeister, dessen muss man sich bewusst sein.

Sie waren Chef einer eigenen Firma, jetzt sind Sie Chef der Verwaltung. Wie schwer war die Umstellung?

Sehr. In der Firma schafft der Chef an, egal, ob die Entscheidung richtig oder falsch ist. In der Verwaltung und im demokratischen Gremium kann man sich schon was in den Kopf setzen. Aber am Ende braucht es in den meisten Fällen die Zustimmung des Gemeinderats und auch die Verwaltung mit ihren Vorschriften muss mitspielen.

Ihr Vorgänger Michael Asam war 24 Jahre Bürgermeister. Was haben Sie im Vergleich zu ihm im Rathaus geändert?

Nur Kleinigkeiten. Für mich ist die Umstellung mindestens ebenso groß wie für die Mitarbeiter. Ich habe ihnen deshalb gesagt, dass ich im ersten halben Jahr viel beobachten und nichts übers Knie brechen will.

Apropos Mitarbeiter: Wie ist Ihr Eindruck vom neuen Team?

Jeder ist in seinem Fachthema wahnsinnig drin, was man als Gemeinderat so gar nicht mitkriegt. Das zieht sich durch vom Sozialamt bis zum Bauamt. Es ist ein sehr junges Team, da kann man auch mal ungewöhnliche Dinge anstoßen.

Was Sie anders machen als Ihr Vorgänger: Sie sind deutlich stärker in den sozialen Medien vertreten.

Das stimmt, ist aber auch nicht so schwer. Mir ist das sehr wichtig, denn wenn man mit den Leuten über die Hintergründe spricht, können sie Entscheidungen besser nachvollziehen. Ich nutzte das auch, um Zugang zu Menschen zu finden, die nicht in die Sitzungen gehen und keine Zeitung lesen, die aber auf Instagram und Facebook unterwegs sind.

Wie fällt Ihre Bilanz nach den ersten 100 Tagen aus?

Innerhalb von acht Wochen zwei Bürgerentscheide und eine Klage am Hals zu haben, das ist schon fast rekordverdächtig (lacht). Mir war wichtig, wenn ich Bürgermeister werde, dass ich abliefere. Es soll auch für die Peitinger spürbar sein, dass es einen neuen Rathauschef gibt. Ich denke, man spürt, dass ich es gerne mache. Ich fühl’ mich sehr angekommen in meinem neuen Beruf und habe viel Freude daran.

Gibt es ein Ereignis in den ersten Wochen Ihrer Amtszeit, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Das war der Tod von Altbürgermeister Klement Sesar. Der Klement hat mich über Jahrzehnte begleitet und gefördert, politisch und als Freund der Familie. Dass er in der zweiten Woche meiner Amtszeit stirbt, hat mich sehr getroffen. Ich sehe es auch als Aufgabe der nächsten Jahre, Peiting in seinem Sinne weiterzubringen. Das war ihm immer wichtig.

Nicht nur der Bürgermeister ist neu, sondern auch viele Gemeinderäte. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit?

Ich glaube, der Gemeinderat muss sich erst finden. Das erklärt auch manche kurios wirkende Entscheidung wie die Lockerungen der Bauvorgaben am Hochweg. Die Kollegen werden schnell merken, dass man nicht jedem Ruf nachgeben kann. Das müssen sie lernen und deshalb gehe ich davon aus, dass im ersten halben Jahr manchmal Entscheidungen fallen werden, die ein erfahrenes Gremium so nicht treffen würde. Was die Zusammenarbeit angeht, denke ich, dass ich mit allen Kollegen gut klarkomme. Natürlich war ich für einige als Bürgermeisterkandidat ein Jahr lang Ihr Feindbild. Sie müssen jetzt erst sehen, dass man mit dem doch arbeiten kann.

Was war für Sie die größte Herausforderung der ersten 100 Tage?

Ganz klar die Sitzung mit der Zulässigkeitserklärung der beiden Bürgerentscheide. Da wusste ich, dass es richtig Ärger geben wird, auch wenn alles rechtlich abgesichert war. Sie relativ neutral zu moderieren, war die bislang größte Herausforderung.

Welches Ziel haben Sie sich für die ersten Monate gesteckt?

Mein Ziel ist es, dass die Peitinger bis Ende des Jahres sagen, der Ostenrieder ist unser Bürgermeister. Dafür ist es wichtig, selber Zeichen und Duftmarken zu setzen und die Menschen mitzunehmen.

Es hat in den ersten Wochen nicht nur positive Rückmeldungen gegeben. Wegen der geplanten Ansiedlung des Baumarkts beispielsweise mussten Sie sich auch viel Kritik anhören. Wie gehen Sie damit um?

Ich sag’s mal so: Mich trifft es persönlich stärker, als ich es mir nach außen anmerken lasse. Andererseits bin ich so lange im Geschäft, dass ich weiß, es ist nicht persönlich gemeint. Man muss auch mal was wegschlucken. Schwierig wird es, wenn einem Hetze vorgeworfen wird, bloß weil ich meine Meinung vertrete. Das gehört aber zum demokratischen Prozess dazu, wer sich in das Haifischbecken begibt, der muss auch damit rechnen, dass er entsprechende Bisse abbekommt. Der Bürgermeister kann es nicht jedem recht machen.

Sie hatten viele Themen im Wahlkampf auf der Agenda, etwa die Verbesserung des innerörtlichen Verkehrs. Wie sieht es mit der Umsetzung aus?

Beim innerörtlichen Verkehr werden wir kleine Schritte gehen müssen, die Regelung in der Ortsmitte behalten wir erst mal bei. Angehen werde ich, dass in 30er-Zonen Wartelinien bei Rechts vor links markiert werden. Das ist ein Schritt Richtung mehr Sicherheit. Generell bin ich dafür, die Verkehrsüberwachung auszubauen. Denn das trägt viel dazu bei, wie Regelungen im Ort wahrgenommen werden.

Bei so viel Themen: Bleibt da noch Zeit für das Private?

Meine Arbeitszeit hat tatsächlich zugenommen. Mein Partner steht aber hinter mir, er hat den Wahlkampf kräftig mitgestaltet. Aber natürlich darf das Privatleben nicht zu kurz kommen, man muss den Akku auch mal aufladen.

Das heißt, auch der neue Peitinger Bürgermeister geht mal in Urlaub?

Ja, momentan sind allerdings nur ein paar verlängerte Wochenenden geplant. Für heuer sehe ich es als Aufgabe, viel Präsenz zu zeigen, im Rathaus, aber auch bei den Vereinen, den Firmen und im Ort.

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