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Blumen für die Bienen zwischen Maisfeld und Forstweg nahe Lamprecht in Peiting.

Interview mit Imker Wolfgang Turansky

„Unser Problem ist der Mais“

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Peiting - Bienen produzieren in Städten oft doppelt so viel Honig wie auf dem Land, wurde diese Woche bekannt. Wie kann das sein? Wolfgang Turansky (64), Imker und Bienenexperte aus Peiting, hat mit unserer Zeitung über die Ursachen und einen einfachen Lösungsansatz gesprochen, um das Imkern auf dem Land wieder auf Vordermann zu bringen.

Herr Turansky, wie viel Honig wird alljährlich im Altlandkreis produziert?

Das ist bei acht Ortsvereinen mit 180 aktiven Mitgliedern, die im Durchschnitt sieben bis acht Bienenvölker haben, schwierig zu sagen. Da keine Meldepflicht über den Honigertrag besteht und viele ohnehin nur für den Eigenbedarf imkern. Ein Richtwert des Deutschen Imkerbundes besagt: 15 bis 20 Kilogramm pro Bienenvolk pro Jahr.

Wie viele Völker haben Sie?

Um die 25. Das macht im Jahr, je nach Ertragsreichtum, einige 100 Gläser Honig.

Waren es schon mehr?

2016 war eine erfreuliche Ausnahme, da haben wir vor allem den beliebten Waldhonig gehabt. Den gibt es von Haus aus nur alle paar Jahre, wenn wetterbedingt, nicht zu nass, nicht zu trocken, die Lauspopulation sehr stark ist. Die Läuse scheiden nämlich am Fichtenstamm sogenannten Siebröhrensaft aus, das ist für die Biene der Grundstoff des Waldhonigs. Generell nimmt der Honigertrag seit Jahren aber ab.

Experten haben herausgefunden, dass Bienen in Städten doppelt so viel Honig produzieren wie auf dem Land.

Das stimmt. Hamburg, Bremen, Berlin und München hat mehr Honig als wir. Dank blühender Linden-Alleen, botanischen Gärten und großen Friedhöfen. Und es gibt keine große Landwirtschaft wie bei uns. Das heißt: Es wird auch weniger gespritzt.

Monokultur, das Spritzen von Pestiziden: Sind das die größten Probleme auch im Schongauer Altlandkreis?

Speziell in unserem Landkreis spielt der Ackerbau keine ganz so große Rolle, deshalb wird auch nicht ganz so viel gespritzt. Was wir aber haben, ist der Mais, der für die vielen Biogasanlagen in der Region gepflanzt wird. Und auf diesen Flächen kann die Biene überhaupt nichts holen. Das ist für sie Totland.

Wie sehr nervt Sie das?

Wolfgang Turansky, Imker und Bienenexperte aus Peiting. 

Was heißt nerven. Imker haben ja auch die Aufgabe, ihr Hobby dort zu betreiben, wo die Landwirtschaft nicht so intensiv betrieben wird. Schließlich müssen die Bauern auch ihre Erträge erzielen. Und dafür habe ich vollstes Verständnis. Generell wäre aber wünschenswert, dass Imker und Landwirte in Zukunft noch enger zusammenarbeiten.

Wie meinen Sie das?

Zum Beispiel durch das zur Verfügung stellen von Blühstreifen, die zwischen oder am Rande eines Maisackers angelegt werden. Ich habe einige Völker beim Lamprecht in Peiting stehen, der mir da sehr entgegenkommt und zwei Blühstreifen zur Verfügung stellt. Einer ist 20 auf drei Meter groß und direkt neben dem Feld angebracht. Der andere ist um die 50 Meter lang, zwischen Wald und Feld platziert.

Was blüht auf diesen Blühstreifen?

Dafür gibt es spezielle Bienenweidemischungen, die im Grunde aus dem bestehen, was früher auf den Feldern gewachsen ist. Das sind bis zu 40 verschiedene Sorten. Zum Beispiel verschiedene Kleearten, die Kornblume, Luzerne oder Schafgarbe.

Zurück zur urbanen Bienenzucht: Worin unterscheiden sich die Stadt- von der Landimkerei?

In der Stadt ist es für viele ein kleines, aber immer beliebter werdendes Hobby, weil es ruhiges Arbeiten erfordert und optimal zum Stressabbau hilft. Die meisten stellen ein, zwei Völker auf ihren Balkon. Es gibt aber auch größere Bienenbestände auf zum Beispiel Dachterrassen öffentlicher Gebäude, von wo aus die Bienen direkt die Alleen anfliegen können. Das hat was.

Gibt es auch Bienenstöcke in der Schongauer Altstadt?

So weit ich weiß gibt es welche in der Nähe des Sonnengrabens, aber direkt in der Stadt ist mir nichts bekannt.

In China oder den USA werden Bienen zu Obstbäumen gefahren und diese von Hand bestäubt – ist das auf lange Sicht auch die Zukunft im Altlandkreis?

Hoffentlich nicht. Wenn man sieht, wie die mit der Kreatur Biene umgehen, bleibt dir als Imker echt das Herz stehen. Sogenannte Bestäubungsimker karren dort tausende von Völkern von Obstplantage zu Obstplantage. Das beginnt im Frühjahr in Kalifornien und endet im Herbst am anderen Ende des Landes. Die nehmen auch in Kauf, dass beim Spritzen der Blüten tausende Bienen, mit Verlaub, verrecken. Und es gibt auch welche, die auf den Verkauf von Bienenvölkern aus sind.

Existiert dieser Industriezweig auch in Deutschland?

Vor den Toren Hamburgs gibt es auch größere Plantagen. Die werden über einen Berufsimker bestäubt, der auch Bestäubungsprämien in Höhe von 60 Euro pro Bienenvolk bekommt. Er muss die Völker zu einer bestimmten Zeit anliefern und in die Blüte von Kirschbäumen einsetzen. Dann aber zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Völker wieder abziehen, weil sonst zu viele Blüten bestäubt würden und die Kirschen zu groß werden.

Und in China?

Da gibt es viele Regionen, in denen die Bienen gar nicht mehr leben können. Deshalb rücken die Chinesen tatsächlich mit Pinseln aus, sammeln Pollen von Obstbäumen ein, um andere damit zu bestäuben. All das findet bei uns hoffentlich keinen Einzug.

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