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In Peiting gibt’s jetzt Kunst aus dem Automaten

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Von: Theresa Kuchler

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Vor dem ersten Kunstautomaten in der Peitinger Bahnhofstraße haben sich (v.l.) Sylvia Hirschvogel, Peter Mayr und Hartwin Neumann aufgestellt.
Vor dem ersten Kunstautomaten in der Peitinger Bahnhofstraße haben sich (v.l.) Sylvia Hirschvogel, Peter Mayr und Hartwin Neumann aufgestellt. © Kuchler

Ein Kunstwerk aus dem Zigarettenautomaten ziehen? In Peiting ist das an zwei Stationen möglich. Profitieren sollen vor allem regionale Künstler.

Peiting – Um echte Kunst zu kaufen, muss man nicht zwingend in eine Galerie gehen – oder tief in die Tasche greifen. So sieht es zumindest das Konzept eines Kunstautomaten vor, der den direkten und niederschwelligen Austausch zwischen Künstler und Käufer ermöglichen soll. Auch Peiting hat nun zwei umfunktionierte Zigarettenautomaten, an denen sich jeder ein Unikat im Hosentaschen-Format ziehen kann. Kostenfaktor: vier Euro.

Der erste Peitinger Kunstautomat ist vor Kurzem in der Bahnhofstraße aufgehängt worden, an der Fassade von Sylvia Hirschvogels Apotheke. „Als ich überlegt habe, wo ein Automat hin könnte, bin ich schnell auf diesen Platz gekommen“, erzählt Künstler Peter Mayr, der die Gestaltung der ausgedienten Zigarettenautomaten übernommen hat. Sylvia Hirschvogel unterstütze ihn schon lange bei Projekten. „Sie ist eine echte Kunstförderin“, stellt Mayr die Apothekerin vor. So hatte Hirschvogel auch nichts dagegen, ihre Hauswand als Kunst-Umschlagplatz zur Verfügung zu stellen.

Darum gibt es in Peiting jetzt Kunstautomaten

Auch in der Lorystraße soll ein Kunstautomat angebracht werden, direkt bei Peter Mayrs Atelier. „Er hängt noch nicht, weil er einen technischen Defekt hat“, sagt Hartwin Neumann, der das Aufstellen der Kunstautomaten in Peiting überhaupt erst ins Rollen gebracht hat.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass der gebürtige Hesse eine solche Aktion voranbringt: Vor einigen Jahren habe er bereits einen Kunstautomaten in Kassel initiiert, erzählt er. Als Neumann vor drei Jahren zu seinem Sohn nach Peiting gezogen ist, wollte er sich schließlich auch hier für die Entwicklung von Kunst und Kultur einsetzen.

Die Kunstautomaten würden sich für diesen Zweck hervorragend eignen – „gerade in Corona-Zeiten“, findet Neumann. Schließlich ist der Kunst-Kauf an einem Automaten immer kontaktlos möglich und nicht davon abhängig, ob etwa eine Galerie geöffnet ist oder nicht.

Ein weiterer Aspekt, der Neumann und Mayr davon überzeugt hat, die Apparate nach Peiting zu holen: Regionale Künstler können sich auf diesem Weg einfach selbst vermarkten und erhalten die gebührende Anerkennung für ihre Arbeit. „Das ist wie eine bessere Visitenkarte“, fasst es Mayr zusammen.

So funktionieren die Kunstautomaten

Die beiden gebrauchten Geräte kommen direkt von der norddeutschen Firma „Kunstautomaten“, die vor 20 Jahren mit dem Vertrieb von Kunst in Zigarettenschachteln begonnen hat und über die auch die Peitinger Aktion läuft. Mayr hat die Geräte im Rohzustand bekommen. „Ich musste die Automaten erst abschleifen und polieren“, beschreibt der Künstler den Bearbeitungsprozess. Anschließend habe er sie gestalten können: Mit bunten Kinderbildern, zu denen noch weitere hinzukommen sollen. „Das Konzept ist ständig erweiterbar.“

Und was muss passieren, bis man ein Unikat aus dem Automaten ziehen kann? Hartwin Neumann erklärt es so: Die Künstler schicken ihre Kunstwerke – ob Zeichnungen, Malereien oder kleine Objekte – mit einer kurzen Vita direkt an die Firma „Kunstautomaten“. Die Mindestanzahl der eingereichten Kunstwerke, die maximal die Größe einer Zigarettenschachtel haben dürfen, beträgt 50 Stück.

Pro Unikat erhalten die Künstler einen Euro – es gehe also weniger um den Profit, als darum, die Kunst zu fördern. Sobald die Werke das Unternehmen erreicht haben, werden sie verpackt und zu den Automaten gebracht. „Der Vertrieb verteilt sich auf Nord- und Süddeutschland“, erklärt es Neumann. So kommen die Kunstwerke auch tatsächlich in der Region an, wo sie geschaffen wurden.

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