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Präsentierten schon einmal die passenden T-Shirts fürs große Jubiläum im nächsten Jahr: Direktor Wilfried Knorr und Pressesprecherin Sabine Keyser.

Jahresgespräch in Herzogsägmühle

Riesiger Batteriespeicher, großes Jubiläum

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„2017 war ein gutes Jahr“: Diese Bilanz zog Herzogsägmühle-Direktor Wilfried Knorr jetzt beim Jahresgespräch. Auch 2018 hat man im Diakoniedorf viel vor. Und ein großes Jubiläum wirft bereits seine Schatten voraus.

Herzogsägmühle – Den wohl größten Meilenstein im abgelaufenen Jahr hatte Herzogsägmühle im vergangenen Sommer erreicht. Seit damals verfügt das Diakoniedorf als bundesweit erste Diakonie-Einrichtung über eine zertifizierte Gemeinwohlbilanz. Das alternative Wirtschaftsmodell ist das Herzensprojekt von Wilfried Knorr, der 2017 zu einem von zehn Sprechern der Gemeinwohlökonomie-Initiative ernannt wurde. „Jetzt stehen wir vor der spannenden Frage, was macht Herzogsägmühle damit?“

Gleich drei Schwerpunkte hat man im Diakoniedorf im Blick, an denen sich mittelfristig spürbare Verbesserungen zeigen sollen. Der erste betrifft den Bereich Energie. Aktuell sei man gemeinsam mit einem Kemptener Fachbüro dabei, ein Konzept für die Energieversorgung der Zukunft zu erarbeiten, so Knorr. Das erste ehrgeizige Projekt betrifft die Blockheizkraftwerke. Aktuell wird der dort erzeugte Strom vor allem ins Netz eingespeist. Was sich früher wegen der hohen Förderung lohnte, ist heute kaum mehr rentabel. Warum also nicht die erzeugte Energie selbst nutzen? Knorrs Idee: ein unterirdischer Batteriespeicher so groß wie ein Fußballfeld, wo der Strom in verbrauchsarmen Zeiten gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden kann. 500 000 Euro kostet eine derartige Anlage, hinzu komme der Einbau. Eine stolze Summe, doch eine Investition, die sich laut Knorr lohnt. Denn so ließen sich gut ein Drittel der derzeitigen Stromkosten von einer Dreiviertel Million Euro im Jahr sparen. Nach drei Jahren hätte sich die Anlage amortisiert, rechnete der Direktor vor. Schon heuer soll das Projekt auf einer Wiese am Roten Berg vorangetrieben werden, läuft alles nach Plan, könnte es bereits 2020 in Betrieb gehen.

Verbesserungen plant man im Diakoniedorf auch in Sachen Mobilität. Gemeinsam mit dem ADAC sollen Fahrten mit den Dienstfahrzeugen künftig per App abrufbar sein. Mitarbeiter und Hilfeberechtigte könnten dann ihre Mitfahrt buchen. „Wir wollen so die Auslastung erhöhen“, erklärt der Direktor. Immerhin legen die Herzogsägmühl-Fahrzeuge 21 Millionen Kilometer pro Jahr zurück. Positiv sind die Erfahrungen mit den sieben Elektroautos im Fuhrpark. Gerade für Kurzstrecken hätten sich diese bewährt, so der Direktor. Weiter vorantreiben will Knorr auch die im letzten Jahr begonnene Mitarbeiterbeteiligung. Diese können in Intranetforen ihre Meinung zu Zukunftsfragen abgeben.

Auch baulich hat sich in Herzogsägmühle im vergangenen Jahr einiges getan. Der Lindenhof ist fast fertig, der letzte Bauabschnitt wird heuer begonnen. Das Casa Verde mit Appartements für anerkannte Flüchtlinge ist vollendet und bereits vor der offiziellen Einweihung am vergangenen Mittwoch voll belegt. „Da ist der Bedarf groß“, so Knorr. und die nächsten großen Projekte sind bereits in der Planung. Am Roten Berg sollen gemeinsam mit der Gemeinde 60 Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau verwirklicht werden. Baustart ist voraussichtlich im kommenden Jahr. Noch heuer soll in der Schönriedlstraße in Peiting mit der mechanischen Werkstatt der erste Ausbildungsbetrieb außerhalb des Diakoniedorfs entstehen.

125 Jahre Herzogsägmühle

Ebenfalls angegangen wird die Aufwertung des Dorfplatzes mit Brotbackhaus und Wasserspiel. Vollendet sein soll dies pünktlich zum großen Jubiläum, welches das Diakoniedorf 2019 feiert: 125 Jahre Herzogsägmühle. Dafür haben schon jetzt die Planungen begonnen. „Wir wollen das große Jubiläum in der ganzen Region feiern“, blickt Knorr voraus. So sollen etwa symbolisch insgesamt 125 Bäume gepflanzt werden, und zwar überall dort, wo Herzogsägmühle Dienststellen unterhält. Geplant ist außerdem ein Staffellauf mit Sportfest und ein sozialpolitisches Streitgespräch mit prominenten Vertretern aus Politik und Kirche. Dabei wolle man aber auch einen kritischen Blick auf die eigeneVergangenheit werfen, kündigt Knorr an. Insbesondere auf die NS-Zeit und die Zeit der Heimfürsorge bis in die 70er Jahre, wo es Fälle von Misshandlungen und Missbrauch gegeben habe.

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