Der Bebauungsplan Drosselstraße Peiting
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Die Doppelhaushälften rechts bilden den Lärmschutz-Riegel, der das Baugebiet vom Bahndamm (rechts davon gelegen) abschirmt. Erst dann kann mit dem Bau der Mehrfamilienhäuser (unten) beginnen.

Baugebiet am Starenweg

Käufer für „Holz-Ausbauhäuser“ gesucht: Peiting geht neue Wege bei Baugrundstücks-Vergabe

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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In Sachen Vergabe von Baugrundstücken geht die Gemeinde Peiting jetzt komplett neue Wege: Im Neubaugebiet am Starenweg werden Doppelhaus-Grundstücke jetzt gekoppelt an den Kauf eines erschwinglichen „Holz-Ausbauhauses“ durch einen privaten Bauträger veräußert – und zwar unter Berücksichtigung des Einheimischen-Modells.

Peiting – Weil die gemeindliche Vergabe von Doppelhausgrundstücken meist in Unwägbarkeiten und Diskussionen endet, gibt es jetzt für die Veräußerung dieser Grundstücke im Neubaugebiet am Starenweg einen komplett neuen Ansatz. So hat es der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

Zehn Baugrundstücke von Doppelhaushälften werden zwar gemäß Einheimischen-Modell an die Bauwerber mit den meisten Punkten vergeben. Vergeben ist allerdings auch schon die Bebauung: Mit dem Grundstück erwirbt der Käufer auch gleich ein „Holz-Ausbauhaus“. Das kann – je nach Wunsch – selbst sparsam ausgebaut oder aber auch vom privaten Bauträger schlüsselfertig an den Käufer übergeben werden.

Einheitliche Planung und Optik

Alle Häuser werden einheitlich mit Wärmepumpen-Technologie ausgestattet. Auch die Unterkellerung ist in dem Paket für den Käufer nicht nur enthalten, sondern ein Muss. Die Vereinheitlichung der Doppelhaushälften und der Bau aller zehn Einheiten: Sie soll auch dem Bauträger helfen, „attraktive Preise“ anzubieten. Da sind sich Bürgermeister Peter Ostenrieder und Hauptamtsleiter Stefan Kort einig.

Ein neuer Weg für ein denkbar altes Problem: Vergibt die Gemeinde selbst zwei Grundstücke für benachbarte Doppelhaushälften, so passiert in der Regel Folgendes: Einer baut noch im selben Jahr, der Nachbar zeitversetzt. Der eine will mit, der andere ohne Keller. Und auch rein optisch gibt es berechtigte Bedenken: Die Gemeinde hat bis auch Dachausrichtung und Raumhöhen wenig Einfluss auf die Gestaltung. „Kein Detail“ sei hier vorgegeben, so Kort.

Gemeinde fehlt baurechtliche Handhabe

Er hat diese leidliche Erfahrung in den vergangenen Jahren oft gemacht: „Wenn der Nachbar irgendwann dran baut, dann hat man das Gefühl: Das passt irgendwie nicht.“ Tatsächlich sollen zwei Doppelhaushälften jedoch „relativ gleichseitig aussehen“. Der Gemeinde jedoch fehlt hier die baurechtliche Handhabe.

Ein weiterer Fakt spricht vor allem am Starenweg für diesen neuen gemeindlichen Weg, Baugrundstücke gleich mit Doppelhaushälften über den Bauträger zu vermarkten: So ist der Startschuss für den Bau von zwei Mehrfamilienhäusern nebenan von der Fertigstellung der Doppelhaushälften abhängig. Zusammen mit den Garagen fungieren die als Schallschutz-Riegel zum benachbarten Bahndamm.

Bewusst Grundstücke für junge Familien

Vor allem geht es deshalb darum, die Doppelhaus-Bebauung möglichst schnell umzusetzen. Dies wiederum, so die Hoffnung der Gemeinde, dürfte deutlich einfacher verwirklicht werden können, wenn ein Bauträger sich des gesamten Objekts annimmt. Wie die Veräußerung der Grundstücke juristisch korrekt stattfinden soll, über die Gemeinde oder den Bauträger: Das soll noch geklärt werden.

Peter Ostenrieder versprach indes: „Wir wollen bewusst Grundstücke anbieten für junge Familien – vernünftiger Baugrund zu einem vernünftigen Preis.“ Der soll, so versprechen es Kort und Ostenrieder, verbindlich mit dem Bauträger festgelegt werden. So will man vermeiden, dass der Bauträger den günstigen Grundstückspreis unter Umständen am Schluss nicht an die Käufer weitergibt.

330 Familien auf der Warteliste

Übrigens: Angst, dass man die Holz-Ausbauhäuser nicht los wird, hat man bei der Gemeinde trotz angespannter Corona-Lage nicht. Aktuell, so zählte Kort auf, gäbe es 330 Familien, die als Interessenten für ein Baugrundstück auf der gemeindlichen Warteliste stehen.

Das ist im Übrigen auch einer der Gründe, warum die Marktgemeinde Peiting jetzt auch noch das einzige Baugrundstück, das in der ein Jahr alten Planung für ein Einfamilienhaus in dem Baugebiet vorgesehen war, zu einem Baugrundstück für zwei Doppelhaushälften macht: Erschwinglicher Baugrund in Peiting ist mehr gefragt denn je. Die Preise im Privat-Sektor, daran lässt Bürgermeister Ostenrieder keinen Zweifel: Sie sind längst explodiert.

Vergabe beider Bauvorhaben erfolgt in zwei verschiedenen Ausschreibungen

Ja, wie ist denn das jetzt mit der Ausschreibung für den Bau der Mehrfamilienhäuser und der Reihenhäuser? Gemeinderat Christian Lory hat in der ersten „Coronaausschuss“-Sitzung der Gemeinde Peiting nochmal kritisch nachgehakt. Dabei bezog er sich auf die Beschlussvorlage, die dem Gremium vorlag.

„Für die Umsetzung dieser Bauprojekte (Geschosswohnungsbau sowie Errichtung von Doppelhaushälften) ist mit einem noch vom Marktgemeinderat auszuwählenden privaten Unternehmen (Bauträger) zusammenzuarbeiten. Der auszuwählende Bauträger hat hierzu neben dem Geschosswohnungsbau, auch die entsprechenden Doppelhaushälften zeitnah zu errichten“, heißt es hier.

Natürlich würde die Gemeinde für die zwei Bauvorhaben zwei voneinander unabhängige Ausschreibungen machen, versicherte Bürgermeister Peter Ostenrieder darauf.

Also, wie ist das jetzt genau? Wir haben beim Gemeindechef nachgefragt. Tatsächlich hatte die Gemeinde vor zirka einem halben Jahr alle denkbaren Bauträger angeschrieben und um ein Angebot für den Geschosswohnungs-Bau gebeten. „Es hat sich nur ein Bauträger gemeldet, der Interesse hat“, so Ostenrieder. Damit sei das Thema in der Angelegenheit dann ja eigentlich durch. Gebaut werden sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit je zwölf Wohneinheiten.

Auch für den Bau der Doppelhaushälften würden jetzt alle Bauträger angeschrieben. „Das Ganze ist ein offenes Verfahren.“ Was die Vergabe anbelangt, so kommt das Thema also nochmal im Gemeinderat auf den Tisch.

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