Erst vor kurzem präsentierte die Rhythmusgruppe der Peitinger Musikschüler beim musikalischen Infovormittag ihr Können. Dieser könnte künftig von der Schongauer Musikschule veranstaltet werden, wenn es zu einer Zusammenlegung kommt.
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Erst vor kurzem präsentierte die Rhythmusgruppe der Peitinger Musikschüler beim musikalischen Infovormittag ihr Können. Dieser könnte künftig von der Schongauer Musikschule veranstaltet werden, wenn es zu einer Zusammenlegung kommt.

Überlegung im Gemeinderat

Kehrt Peiting zurück zur Schongauer Musikschule?

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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  • Christoph Peters
    Christoph Peters
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Seit 2004 gehen Schongau und Peiting in Sachen Musikförderung getrennte Wege. Doch das könnte sich nun überraschend ändern.

Peiting – Ende 2003 war es, als Erwin Krauthauf dem damaligen Peitinger Gemeinderat das Konzept vorstellte, mit dem das Fortbestehen der bis dato städtischen Schongauer Musikschule gesichert werden sollte. Doch wenige Wochen später gab das Peitinger Gremium Krauthauf einen Korb. Statt dem neuen Schongauer Trägerverein für die Musikschule beizutreten, entschied man sich in der Marktgemeinde, einen eigenen Weg zu gehen.

Angeregt hatte diesen der damalige Dirigent der Peitinger Knappschaftskapelle, Wilhelm Binder. Sein Konzept sah zwar auch einen Förderverein vor, unterschied sich aber von dem einer staatlichen Musikschule. Statt die Musiklehrer anzustellen, sollten diese freiberuflich arbeiten und sich selbstständig um ihre Schüler kümmern. Dem Förderverein kam im Gegenzug die Aufgabe zu, neue Lehrer zu suchen sowie Veranstaltungen, den Instrumentenverleih und den Ensembleunterricht zu organisieren. Der Vorteil für die Gemeinde: Statt 40 000 Euro Zuschuss zur Schongauer Musikschule zu leisten, kam Binders „Musik in Peiting“ mit 8000 Euro aus.

Darum soll Kooperation neu angegangen werden

Über viele Jahre habe das Modell gut funktioniert, sagt Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder, der selbst zu Beginn Vorsitzender des Fördervereins war. Allerdings habe es immer wieder Gespräche mit Schongau gegeben, bei denen es um eine Kooperation mit der Musikschule Pfaffenwinkel ging – auch angesichts steigender Kosten. Denn die sind in den vergangenen Jahren deutlich nach oben gegangen. Aktuell unterstützt die Gemeinde mit 29 000 Euro im Jahr die Arbeit des Vereins, der seit 2015 Andreas Fuchs als Koordinator beschäftigt, um den administrativen Aufwand bewältigen zu können.

Dies und die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben Ostenrieder bewogen, einen neuen Anlauf zu nehmen. Es gehe ihm darum, das Angebot des Musikunterrichts in Peiting nachhaltig zu sichern, betont er. Ostenrieder verweist auf die unsichere Lage nach Monaten ohne Ensemble-Unterricht. Manche Musiklehrer würden vor dem Abschied stehen, niemand wisse, wie viele der 150 Musikschüler im kommenden Jahr noch da seien.

Bürgermeister aus Peiting und Schongau befürworten Kooperation

Eine Rückkehr unter das Dach der Musikschule hätte aus Sicht des Rathauschefs zudem eine Reihe von Vorteilen. So verfüge die Einrichtung etwa über ein eigenes Sekretariat mit festen Bürozeiten, es gebe ein breiter gefächertes Angebot für die Schüler und mehr Möglichkeiten, in Ensembles zusammenzuspielen.

Anders als in den vergangenen Jahren zeigten sich diesmal alle Beteiligten laut Ostenrieder durchaus angetan, er berichtet von positiven Gesprächen mit den Verantwortlichen. Auch ein Szenario für den Übergang gibt es bereits. Sollte der Marktgemeinderat grünes Licht geben, würde die Kooperation bereits ab dem Herbst mit einem Übergangsjahr beginnen und die Musikschule ab 2022/2023 alle Angebote des Peitinger Vereins übernehmen. Unterricht, Vorspiele und Veranstaltungen soll es auch weiterhin in Peiting geben. 50 000 Euro müsste der Markt dafür jährlich als Zuschuss nach Schongau überweisen, im ersten Jahr die Hälfte. Das ist deutlich mehr als bisher, doch Ostenrieder sieht den Mehraufwand durch das größere Angebot gerechtfertigt.

Freuen über die interkommunale Zusammenarbeit würde sich Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman. „Das habe ich schon vor sieben Jahren angeregt, aber bisher gab es dazu keine Bereitschaft, und ich habe es irgendwann aufgegeben“, so der Schongauer Rathauschef.

Zweifel und Kritik an Zusammenlegung

Eher zurückhaltend bewertet Erwin Krauthauf, 1. Vorstand im Verein Musikschule Pfaffenwinkel, die mögliche Entscheidung. Musikschul-Leiter Marcus Graf habe viele Gemeinden in der Musikschule Pfaffenwinkel vereint, „und wenn die Peitinger dazukommen wollen, werden wir nicht Nein sagen“, so Krauthauf. Eine Sonderstellung könne Peiting aber nicht bekommen.

Auch der Vorsitzende des Peitinger Fördervereins begrüßt grundsätzlich eine Zusammenarbeit. Coronabedingt sei jetzt der richtige Zeitpunkt, sagt Alexander Schnackenberg. „Der Wasserstand ist jetzt so niedrig, dass man durch dieses Meer durchlaufen kann.“ Auch er sehe wie Ostenrieder die organisatorischen Vorteile. Offen sei allerdings die Frage, wie viele der 17 Peitinger Musiklehrer an die Musikschule wechseln würden. Schließlich hätten sich die meisten bewusst für die Selbständigkeit entschieden. Am Ende könnte so eine Konkurrenzsituation entstehen, fürchtet Schnackenberg.

Genau diese Gefahr sieht auch Koordinator Andreas Fuchs. Für die Schüler, die bei ihren Lehrern in Peiting blieben, würde sich die Situation massiv verschlechtern, warnt er. Sie müssten künftig auf den Ensemble-Unterricht verzichten. Überhaupt hält Fuchs die Argumente des Peitinger Bürgermeisters für eine Zusammenlegung vorgeschoben. Es habe durch Corona weder einen Aderlass bei Schülern noch bei Lehrern gegeben, sagt Fuchs, der von einer „normalen Fluktuation“ spricht. Er wirft dem Rathauschef vor, die Musiklehrer bewusst nicht einbezogen, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben. Mit der Axt alles einzureißen, was über Jahre gut funktioniert habe, sei „nicht die richtige Lösung.“

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