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Kein 2G plus in der Gastronomie: Wirte atmen auf - „Die Erleichterung ist riesengroß“

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Von: Christoph Peters

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Monika Pummer vom „Dragoner“ in Peiting ist froh, dass es bei der 2G-Regelung in der Gastronomie bleibt.
Monika Pummer vom „Dragoner“ in Peiting ist froh, dass es bei der 2G-Regelung in der Gastronomie bleibt. © Archiv

2G plus in der Gastronomie ist in Bayern erst einmal vom Tisch. Das lässt die Wirte in Peiting aufatmen. Aber Omikron steht schon vor der Tür.

Peiting - Am Montag setzten die Peitinger Gastronomen ein Zeichen und schalteten wegen der drohenden 2G-plus-Regelung symbolisch das Licht aus. Tags darauf entschied die Staatsregierung, es bei 2G zu belassen. Wir sprachen mit Dragoner-Wirtin Monika Pummer über die Entscheidung, mutmachende Anrufe und die Angst vor dem nächsten Lockdown.

Frau Pummer, die 2G-plus-Regel für die Gastronomie ist vom Tisch. Wie erleichtert sind Sie darüber?

Pummer: Ein Mount Everest ist nichts gegen die Steine, die mir und meinen Mitarbeitern vom Herzen gefallen sind. Auch bei den Kollegen der anderen Gaststätten ist die Erleichterung riesengroß. Alles andere wäre eine Katastrophe gewesen.

Mit Ihrer Aktion haben Sie bayernweit viel Aufmerksamkeit bekommen, Zeitungen und Radiosender, selbst das Fernsehen berichteten darüber. Glauben Sie, dass das Einfluss auf die Entscheidung der Staatsregierung hatte?

Pummer: Wir wollten mit dem Lichtausschalten den Leuten deutlich machen, was passiert, wenn die 2G-plus-Regel in der Gastronomie kommt. Natürlich habe ich sämtliche Regierungsstellen angeschrieben und darauf aufmerksam gemacht. Ob wir dann das Zünglein an der Waage gewesen sind, kann ich nicht sagen. Für uns persönlich als Wirte war die Aktion auf jeden Fall sehr wichtig.

Wie war die Reaktion in Ihrem Lokal, als am Montag um 20 Uhr das Licht ausging?

Pummer: Wir waren für die aktuelle Situation relativ gut besucht und haben natürlich die Gäste im Vorfeld informiert und Kerzen auf den Tischen aufgestellt. Als es dann dunkel wurde, wurde spontan applaudiert, viele fanden es eine tolle Geschichte. Ein paar Leute sind sogar extra gekommen, um dabei zu sein. Auch im Nachgang habe ich viele Anrufe und Nachrichten bekommen von Menschen, die die Aktion gut fanden.

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Licht aus in Peiting: Kampf gegen 2G plus wurde auch in Netz diskutiert

Viel Unterstützung bekamen Sie auch im Internet, doch es gab ebenso negative Stimmen, die die Aktion für sinnlos erachteten.

Pummer: Dass Menschen zum Teil mit Lachsmileys und blöden Kommentaren auf die Berichte im Netz reagierten, hat mich schon sehr verletzt. Ich bin da am Abend richtig fertig gewesen, so was nimmt einen schon mit. Viele reden sich da auch leicht, wenn sie vorschlagen, wir sollen lieber klagen oder ganz zusperren aus Protest. Man klagt nicht gegen den Staat, wenn man nichts in der Tasche hat, Anwälte arbeiten nicht umsonst. Und einfach dichtmachen, da würden sich meine Angestellten bedanken, die ja auf ihr Geld angewiesen sind.

Kritik gibt es auch daran, dass die Gastronomie im Vergleich zur Kulturbranche, wo deutlich strengere Regeln gelten, bevorzugt würde. Was sagen Sie dazu?

Pummer: Dass das für Ärger sorgt, kann ich total nachvollziehen. Wäre ich Kulturschaffender, würde ich mich ebenfalls massiv aufregen. Warum sollen im Theater 2G plus, Maskenpflicht und Abstandsregeln gelten, wenn man im Restaurant bei 2G und ohne Maske Essen und Ratschen darf? Das ist einfach nicht logisch und macht keinen Sinn.

Kein 2G plus in der Gastronomie: Angst vor Omikron in Peiting?

Aktuell steigen die Infektionszahlen im Landkreis wegen der Omikron-Variante wieder massiv an. Haben Sie Angst, dass es schon bald den nächsten Lockdown geben könnte?

Pummer: Nach der derzeit gültigen Regelung müssten wir bei einer Inzidenz von über 1000 wieder schließen (Nach dem Interview wurde die Hotspot-Regelung ausgesetzt. Anm. d. Red.). Am Dienstag hat die Regierung aber schon gesagt, dass man die Hotspot-Regelung wahrscheinlich überarbeiten werde.

Darauf hoffen Sie?

Pummer: Definitiv. Omikron ist wesentlich ansteckender, aber wohl nicht mehr so gefährlich. Entsprechend weniger aussagekräftig ist die Inzidenz. Es macht für mich keinen Sinn, bei 1000 alles dichtzumachen, wenn gleichzeitig die Hospitalisierungsrate nicht rapide ansteigt.

Diskutiert wird gerade über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht. In der Gastronomie klagen viele Betriebe schon jetzt über fehlendes Personal. Würde dies die Situation weiter verschärfen?

Pummer: Ich kann nur für mich sprechen. Wir zahlen faire Löhne, mancher Mitarbeiter ist seit über 15 Jahren für unseren Betrieb tätig. Im Moment haben wir keine freie Stelle zu besetzen. Daran wird auch die Impfpflicht nichts ändern. Aktuell sind nur zwei Mitarbeiter ungeimpft, die sich aber impfen lassen werden, wenn die Impfpflicht kommt. Dennoch bin ich zwiegespalten, was eine Pflicht betrifft. Zwar bin ich felsenfest davon überzeugt, dass die Impfung schützt. Auf der anderen Seite respektiere ich, wenn jemand sich aus persönlichen Gründen nicht impfen lassen will. Egal, ob Impfbefürworter oder -gegner: Ich würde mir ein bisschen mehr Respekt auf beiden Seiten wünschen. Denn Druck erzeugt immer nur Gegendruck.

Das Interview führte Christoph Peters.

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