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Der Bürgermeisterkandidat der Peitinger Grünen, Thomas Elste (hellblaues Hemd), stand seinen Gästen beim Wählergespräch in seinem privaten Wohnzimmer Rede und Antwort. 

Kommunalwahl 2020 in Peiting

Grünen-Bürgermeisterkandidat Thomas Elste: Kritische Wählerfragen im Wohnzimmer

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Wer wird neuer Bürgermeister in Peiting? Diese Frage bewegt die Marktgemeinde seit Monaten. Fünf Bewerber haben ihren Hut für die Nachfolge des scheidenden Rathauschefs Michael Asam in den Ring geworfen. Wir haben die Kandidaten bei einem Wahlkampftermin begleitet. Heute: Thomas Elste (Grüne).

Peiting – Es ist ein Freitagabend kurz vor 19 Uhr. Der Wind pfeift winterlich kalt durch den Hubertusweg. Wer kann, sitzt längst vor dem wärmenden Holzofen. Das Feuer knistert im Hause Elste zwar nicht, behaglich warm ist es aber dennoch in der guten Stube, wo Thomas Elste und seine Frau Ute gespannt auf die Gäste warten. Der 52-Jährige wirkt nicht sonderlich aufgeregt, auch wenn der Abend für ihn im Wahlkampf eine Premiere ist. Erstmals hat der Peitinger, der bei der Kommunalwahl im März der erste grüne Bürgermeister der Marktgemeinde werden will, Peitinger Bürger zu sich nach Hause eingeladen. Ein Wohnzimmergespräch in entspannter Atmosphäre soll es werden, bei dem die Gäste dem Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn fühlen können.

Nach und nach trudeln die Teilnehmer ein, es ist eine bunte Mischung, die sich im improvisierten Rund auf der roten Couch und den bunt zusammengestellten Stühlen niederlässt. Drei Frauen und fünf Männer, Angestellte, Rentner, Selbstständige. Grüne Gemeinderatskandidaten sind nicht dabei, wie Elste auf Nachfrage versichert. Die dürften dem Physiker ohnehin gewogen sein.

Dann sind alle Augen erwartungsvoll auf den 52-Jährigen gerichtet. Doch Elste hält seine Begrüßung kurz, gibt das Wort sofort an seine Gäste weiter. Keine große Vorstellung, kein Wahlprogrammvortrag, Elste will wissen, wo die Bürger der Schuh drückt und spielt den aufmerksamen Zuhörer und Moderator. Das passt zu seinem ruhigen norddeutschen Wesen, temperamentvolle und leidenschaftliche Ausbrüche sind Elstes Sache nicht. Die Worte wählt er mit Bedacht.

Aufreger-Themen gibt es genug

Diskussionsbedarf gibt es genug. Marienheim, Jugendzentrum, Meierstraße: Die Aufreger-Themen der vergangenen Monate, sie dürfen an diesem Abend nicht fehlen. Vor allem eine Sache stört die Gäste. „Was mich wahnsinnig nervt, ist die fehlende Transparenz“, sagt Max Mayr und erntet dafür zustimmendes Nicken in der Runde.

Die Kritik, dass der Gemeinderat zu viele Entscheidungen nichtöffentlich trifft, ist in den nächsten zweieinhalb Stunden immer wieder zu hören. Es wird von „Hauruck-Verfahren“ gesprochen, davon, dass den Bürgern Informationen vorenthalten werden, wenn hinter verschlossenen Türen beraten werde.

Elste weiß, dass er als amtierender Gemeinderat mit in diesem Boot sitzt. Transparenz sei ihm wichtig, betont er deshalb. Doch ohne Mehrheit im Gremium sei es schwierig, diese umzusetzen, sagt er und klingt entschuldigend. Denn was öffentlich und was nicht öffentlich besprochen werde, lege in erster Linie der Bürgermeister mit der Tagesordnung fest.

Es ist deshalb keine Überraschung, dass Elste auf die Frage, was er als Rathauschef anders machen würde, diesbezüglich eine klare Antwort hat. Themen wolle er wenn möglich öffentlich in der Sitzung diskutieren, die Bürger, sie sollen mehr als bisher mitgenommen werden, verspricht der 52-Jährige. Die Proteste bei den Projekten Marienheim und Juze hätten ihm gezeigt, „wie wichtig es ist für den Gemeinderat, tiefer einzusteigen und mehr zu hinterfragen“. Doch Kurt Pelzl reicht das nicht. Welche Visionen Elste für Peiting hat, was er konkret ändern wolle, will der Peitinger wissen. „Sie haben doch ein Wahlprogramm, oder?“ Elste ist kurz irritiert, wirft ein, dass ein Bürgermeister ja kein Diktator sei, ehe er dann doch ein paar seiner Ziele formuliert.

Diese Ziel will Elste angehen

Zu starkes Wachstum der Gemeinde sehe er kritisch, der dörfliche Charakter müsse bewahrt werden. Um die Verkehrsbelastung in den Griff zu kriegen, wolle er das Radfahren attraktiver machen. Auch das Thema Ortsbus, den die Runde aufs Tapet bringt, greift der Grüne sofort auf. Ein attraktives Angebot zu schaffen, sei ein wichtiger Part der Verkehrspolitik. „Das will ich als Bürgermeister angehen.“ Von Thilo Gransow, dem Peitinger VdK-Vorsitzenden, bekommt der 52-Jährige dafür ein zustimmendes Nicken.

Nicht immer freilich fällt Elste die Antwort an diesem Abend leicht. Etwa, als ihm Mayr die Pistole auf die Brust setzt und wissen will, ob Elste das Wellenfreibad zugunsten eines notwendigen AWO-Altenheim-Neubau aufgeben würde. Der 52-Jährige überlegt, spricht von einem „Abwiegeprozess“, und davon, dass es für die Gemeinde schwierig sei, an neue Flächen in dieser Größe zu kommen. Am liebsten wäre ihm, das bestehende Heim an Ort und Stelle zu sanieren. Mayr gibt sich fürs Erste zufrieden.

Ob Elste seine Gäste überzeugt hat, ihm ihre Stimme zu geben? Das bleibt am Ende des Abends offen. Immerhin stecken sich alle einen Flyer des Peitingers ein, ehe sie in die kalte Winternacht hinaustreten.

Asam-Nachfolger gesucht: Wer wird neuer Bürgermeister in Peiting? Alle Kandidaten im Überblick

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