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Stehen beim Bauernverband Rede und Antwort: Die Bürgermeisterkandidaten (von links) Peter Ostenrieder (CSU), Christian Lory (Unabhängige Peitinger), Thomas Elste (Grüne), Annette Luckner (SPD) und Andreas Schmid (BVP).

130 Besucher in der Zechenschenke

BBV-Stammtisch: Peitinger Bürgermeisterkandidaten beackern Zukunftsfragen

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Den Nerv der Zeit hat der Bayerische Bauernverband (BBV) Peiting mit einem besonderen Stammtisch getroffen: Die fünf Peitinger Bürgermeisterkandidaten haben sich auf dem Podium landwirtschaftlichen Fragen gestellt, aber auch andere politische Themen beackert. 130 Bürger waren dabei.

Peiting –Gekommen sind zu der Veranstaltung im Stadl der Zechenschenke an diesem Abend nicht nur Landwirte. Auch viele interessierte Bürger sind da. Tatsächlich bietet der BBV-Abend mit Josef Berchtold als eloquentem Moderator nicht nur fachliche Hintergründe, sondern gibt auch persönliche Einblicke in das Leben der Kandidaten. Über Peter Ostenrieder (CSU) etwa, der schon als kleiner Bub gerne am Schreibtisch im „Gemeindezimmer“ seines Elternhauses saß und Bürgermeister spielte, weil sein Vater Birkländer Ortssprecher war.

Der will doch nur spielen? Von wegen, ihm und seinen vier Kontrahenten ist es ernst. Es geht ans Eingemachte. Elste bringt einmal mehr das Thema Flächenfraß auf den Tisch. „Im Gremium habe ich da nicht viel Rückendeckung“, schießt er in Richtung amtierender Gemeinderat. Land würde immer knapper. „Wir müssen mit unseren Ressourcen schonender umgehen, als das bisher der Fall war“, spielt er einmal mehr auf die 28 000 Quadratmeter für den V-Markt-Baumarkt und die Vergabe zu großer Baugrundstücke an.

Auch Christian Lory kommt aufs Thema Flächenfraß zu sprechen. Er sieht eine immense Verdichtung im Ort. „Wir wollen auch in 20 bis 30 Jahren noch einen Ort haben, den man entwickeln kann.“

Hinter die Landwirte stellen möchte sich Annette Luckner, sie verspricht: „Wir müssen schauen, dass wir uns die kleinteilige Landwirtschaft in Bayern erhalten.“

Landwirte und Gewerbetreibende mehr in Entscheidungen einbinden und mitnehmen: Das will Peter Ostenrieder. Er will einen Ortsentwicklungsausschuss einführen. In dem sollen auch viel mehr die Landwirte Gehör finden. „Ich merke auch an den Diskussionen im Gemeinderat, wie wichtig das ist. Die Landwirte fühlen sich vernachlässigt.“

Christian Lory (Unabhängige Peitinger) spricht alle Bürger an, wenn er von einer „Gemeinde als Dienstleistungszentrum für alle Peitinger“ spricht. „Ich kann ins Rathaus gehen und mir wird geholfen“, so sein Plan.

Dass jeder Bauernhof auch Arbeitsplätze schafft, das betont Andreas Schmid (Bürgervereinigung Peiting). Schmid ist, wie Lory, selbst auf einem Hof aufgewachsen. Schmid betont: „Die Flächen liegen in der Landwirtschaft.“ Die große Frage, die er stellen möchte, wenn er gewählt wird: „Wo hat man Chancen, brachliegende Flächen weiterzuentwickeln?“ Weiter betont er, dass Peiting ohne eine Weiterentwicklung an den Ortsrändern nicht mehr auskomme, wenn man junge Familien mit Bauplätzen am Ort halten möchte.

Der Stadel in der Peitinger Zechenschenke ist voll bei diesem ganz besonderen BBV-Stammtisch.

Überhaupt gibt es an diesem Abend Einigkeit der Kandidaten bei vielen Themen. Unter anderem auch darüber, wie es nach der Wahl weitergehen soll. Wegen der Einschränkungen, die Bauern bei der Bewirtschaftung im Wasserschutzgebiet hinnehmen müssen, soll es weiter Ausgleichszahlungen geben. Auch die Befreiung von der Konzessionsabgabe, weil Stromtrassen über landwirtschaftliche Flächen gehen, soll bleiben. Kommunale Flächen nur an Bio-Bauern verpachten: Nein, keine Option. Denn schließlich, auch hier sind sich alle Fünf einig, machten alle konventionellen Landwirte gute Arbeit.

Uneinig sind sich die Kandidaten beim Anschluss des Bachfelds an die Ammergauer Straße. Thomas Elste befindet diesen für unnötig. Geht es nach ihm, brauchen die Bürger ohnehin nicht zum Einkaufen zum V-Markt fahren, da es im Ort einen Feneberg und einen Bio-Laden gibt.

Gefragt nach ihren Visionen für den Ort, wünscht sich Annette Luckner ein Gemeinschaftshaus für Peiting, „wo sich auch Ältere treffen können, die es sich nicht leisten können, auf Feste zu gehen“. Das sieht Lory anders; „Wir haben viele örtliche Wirtschaften am Ort, die sollten wir stärken.“

Andreas Schmid möchte einen Unternehmer-Stammtisch einführen und sich außerdem verstärkt um Sport- und Freizeiteinrichtungen in der Gemeinde kümmern, die in die Jahre gekommen sind.

Neues Jugendzentrum am Wellenfreibad?

Einen völlig neuen Aspekt bringt er an diesem Abend erstmals bei einer öffentlichen Diskussion in Sachen Peitinger Jugendzentrum ins Spiel. Den geplanten Standort am Bolzplatz in Birkenried findet Schmid alles andere als ideal. Das hat er bereits bekundet. Nun seine Idee: Eingangsbereich und Umkleiden des stark sanierungsbedürftigen Freibads abreißen, neu bauen und oben für ein Jugendzentrum aufstocken – und damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Nicht nur während der acht Monate im Jahr, in denen das Bad geschlossen ist, könnten Jugendlichen auch die Außenanlagen nutzen. „Es ist ja alles da, Parkplätze, Außenanlagen, Beachvolleyballplatz, Bolzplatz, Tischtennisplatten.“ Schmid sieht auch den kürzeren Weg von der Schule zum Juze, den günstigeren Unterhalt und eine Kosteneinsparung beim Bau für die Gemeinde als großen Vorteil seiner Vision.

Mit diesem Stammtisch hat der BBV nicht nur seinen eigenen Besucherrekord geknackt, sondern auch wieder neue Aspekte in diesem Wahlkampf aufs Tapet gebracht. Es bleibt spannend.

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