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Angestrengte und ernste Mienen gibt es bei den Kandidaten bei der ein oder anderen kritischen Frage, die die Moderatoren Boris Forstner (links) und Christoph Peters (rechts) stellen.

Kommunalwahl 2020

Podiumsdiskussion in Peiting: Ebenbürtige Bürgermeisterkandidaten im Bühnen-Fünfkampf

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Es war ein Duell der Extraklasse: Bei der Podiumsdiskussion der Schongauer Nachrichten in der Peitinger Schloßberghalle standen die fünf Bürgermeister-Kandidaten Rede und Antwort.  Das Fazit des Abends: Peter Ostenrieder (CSU), Annette Luckner (SPD), Andreas Schmid (BVP), Christian Lory (Unabhängige Peitinger) und Thomas Elste (Grüne) sind absolut ebenbürtige Kandidaten.

Update, 27. März: Am 29. März gibt es Stichwahlen in mehreren Kommunen und für den Landrat im Kreis Weilheim-Schongau. Alle Ergebnisse, News und Reaktionen lesen Sie hier live im Ticker.

Peiting– Punkt halb sieben. Die Flügeltür der Schloßberghalle öffnet sich. Wie bei einem Rockkonzert stürmen Menschenmassen die Halle. Nach fünf Minuten ist die Bude rammelvoll. 450 Peitinger sind gekommen, um das Duell der fünf Bürgermeisterkandidaten zu verfolgen. Wegen Überfüllung muss die Halle geschlossen werden. Draußen stehen noch viele fassungslos vor der Tür und hoffen bis zuletzt auf Einlass – vergeblich. Anspannung und Spannung im Endspurt dieses Wahlkampfs sind an diesem Abend kaum zu überbieten.

Viele im Saal, wissen noch nicht, wem sie nach 24 Jahren Ära Asam ihre Stimme für das Bürgermeisteramt geben sollen: Andreas Schmid (BVP), Christian Lory (Unabhängige Peitinger), Annette Luckner (SPD), Peter Ostenrieder (CSU) oder Thomas Elste (Die Grünen)? „Wer weiß schon, wen er wählen wird?“, fragt SN-Redaktionsleiter Boris Forstner ins Publikum. Vielleicht 50 Leute haben schließlich die Hand oben.

Sichtlich nervös sind sie, die Kandidaten. Schmid sieht abgeschlagen aus. Lory perlt der Schweiß von der Stirn. Ostenrieders Kopf ist so rot wie Luckners Parteibuch.

Bei vier Grad minus warten viele Peitinger Bürger auf den Einlass. Wegen Platzmangels müssen an diesem Abend viele draußen bleiben.

Ein SN-Leser lässt fragen, ob Ostenrieder für den Bürgermeister-Job seine Werbe-Agentur im Stich lassen würde. „Jetzt kommt gleich ,mit Haut und Haar’“, flüstert einer im Publikum seinem Sitznachbarn zu. Und tatsächlich: Seine neun Mitarbeiter würden gerade üben, die Agentur ohne ihn zu führen und ja: „Ich will Bürgermeister werden – mit Haut und Haar.“

„Frau Luckner, was machen Sie eigentlich, wenn Sie nicht als Bürgermeisterin gewählt werden, ziehen Sie dann trotzdem in den Gemeinderat ein?“ Luckner bleibt, wie oft an diesem Abend, inhaltlich vage, ist dabei aber charmant-schlagfertig: „Ich denke, Sie werden mir das ersparen und werden mich einfach wählen“, wendet sie sich direkt ans Publikum.

Und was ist eigentlich mit Lory und der SPD, für die er einst als Kandidat vorgesehen war? Lory spricht von eigenen Stärken und Schwächen, bleibt anständig – den Bruch mit der SPD schlachtet er an dieser Stelle nicht aus. Verhaltener Applaus. „Da hätte man jetzt schon ein wenig mehr applaudieren können“, sagt er trocken und grinst. Lachen im Publikum. Sympathie-Treffer versenkt.

Marienheim: Entscheidung „war vielleicht übereilt“

Unter Druck und um so mehr in Fahrt ist Ostenrieder beim umstrittenen Thema Neubau Marienheim, nachdem er nach der Standort-Entscheidung viel Prügel von Anwohnern am Bühlach einstecken musste. An diesem Abend ist er bestens vorbereitet. Er spricht von Zeitdruck, verweist auf Versäumnisse des Betreibers. Und darauf, dass keine Zeit gewesen sei, um zu diskutieren. Ostenrieder ist kaum zu bremsen, wenn er erst mal losgelegt hat. Aber er räumt – nicht ohne auf nur zwei Gegenstimmen im Gemeinderat zu verweisen – ein: Die Schnell-Entscheidung „war vielleicht übereilt“.

Brechend voll ist die Peitinger Schloßberghalle, die immerhin 450 Besucher bei der Podiumsdiskussion gestürmt haben.

Elste und Lory, die zwei Gegenstimmen, haben an dieser Stelle leichtes Spiel. Elste stellt sich gegen das Konzept, das „nicht mehr zeitgemäß“ sei. Lory rollt an einem Zeitstrahl die Versäumnisse des Heim-Betreibers auf und wird konkret: „Ich kann mir da draußen ein Gebäude dieser Kubatur nicht vorstellen.“ Annette Luckner spricht von „häppchenweise Informationen“ und Andreas Schmid sieht sich in dieser Angelegenheit gar im „Berg der Ahnungslosen“.

Auch der Dauerbrenner Tranparenz bei Gemeinderats-Entscheidungen findet seinen Platz – alle wollen für mehr Bürger-Mitbestimmung sorgen. Es geht um mehr Bauland für junge Leute in Peiting. Und um zu vielVerkehr innerorts. In einer Sache sind sich Ostenrieder und Schmid, die Noch-CSU-Parteikollegen, die sich jetzt als Kontrahenten gegenüberstehen – erstaunlich einig: Es muss eine Verbindung vom Bachfeld zur Ammergauer Straße geschaffen werden.

Uneinigkeit herrscht wiederum darüber, ob die Gemeinde Peiting ein Parkdeck an der ehemaligen Mädchenschule braucht oder nicht. Während Lory auf ein Verkehrsgutachen warten will, ist das Deck für Ostenrieder offenbar ein solch großes Anliegen, dass er dafür sogar gerne mal auf den Fakten-Check verzichten möchte. „Manchmal schadet es nix, wenn man mit dem Bauch entscheidet.“

Bei der geplanten Baumarkt-Ansiedlung fallen deutliche Worte

Und dann geht es um ein Thema, das den Bürgermeister-Kandidaten tatsächlich so richtig emotional aus dem Bauch heraus auf die Zunge fliegt: Die Ansiedlung eines V-Markt-Heimwerkermarktes im Gewerbegebiet an der Ammergauer Straße. Deutliche Worte hierzu findet Thomas Elste: „Wir verschenken kostbaren Gewerbegrund“, kritisiert er den Beschluss des Gemeinderats. Kleinere ortsansässige Betriebe, die Baugrund benötigten, seien erstmal außen vor. Wenn für diese Bauland geschaffen wird, müssten dafür wieder „hektarweise landwirtschaftliche Flächen hergenommen werden“. Und auch über das „arrogante Auftreten“ des Bauherren – die V-Markt-Firmenzentrale Mauerstetten – ärgert sich Thomas Elste erstaunlich offen. Dass sich andere Firmen nebenan ansiedeln, hätte die Firmenzentrale kategorisch abgelehnt.

Kein Blatt vor den Mund nimmt Christian Lory: „Der hat uns beschissen.“ Hatte doch der Gemeinderat erst der bestehenden V-Markt-Erweiterung – angeblich für ein Baumarkt-Sortiment des bestehenden Marktes – zugestimmt. Nur: Das Sortiment wurde nie in diese Richtung erweitert. „Und jetzt kriegt derjenige, der uns beschissen hat, als Dankeschön 28 000 Quadratmeter.“ Für ihn ein Affront „gegenüber Handwerkern und Gewerbetreibenden am Ort“. Schmid, Ostenrieder und Luckner haben mit der Baumarkt-Erweiterung hingegen kein Problem.

Und dann ist Schluss. Und eine junge Frau sagt beim Rausgehen: „Schade, dass die gegeneinander antreten. Eigentlich wollen die fast alle das Gleiche. Zusammen wären die echt stark.“ Genau das ist die Krux für den Wähler: Stark ist jeder der fünf Kandidaten – alleine: Im Fünfer-Pack gibt es sie nicht.

Alle Infos zu den Peitinger Bürgermeisterkandidaten finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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