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Heimatfreunde haben immer wieder dafür gesorgt, dass das Erbärmdikreuz nicht der Verwitterung zum Opfer fiel.

Zum Karfreitag

Kreuz ist Peitingern ein Herzensanliegen

Das Schauen auf den Gekreuzigten, dessen verhülltes Antlitz der Priester in der gottesdienstlichen Feier des Karfreitags den Augen der Kirche und der Welt enthüllt, ist noch immer tief verankert in der Bevölkerung. Gerade das Erbärmdikreuz an der Freistraße, bei dem die Leidenswerkzeuge der Passion mit zu sehen sind, ist ein Beispiel dafür.

Peiting – Seit der Errichtung des einstigen Hofkreuzes durch den Kasparbäckbauern Mathäus Neuner um 1880 bis zur jüngsten Neugestaltung 2002 war es den Peitingern stets ein Herzensanliegen. Erfreulich auch, dass das alte Kreuz mit Korpus in abgewandelter Form in der Glückaufstraße dieser Tage neu aufgestellt wurde.

Vorbild für das Kreuz war das von Anton Köpf 1860 errichtete Passionskreuz am Ölberg 29 in Rottenbuch. Mathäus Neuner aus Nesselwang kaufte dieses Anwesen und übergab es 1878 seiner Tochter. Neuner war von 1878 bis 1884 Besitzer des Kasparbäck-Anwesens in Peiting und errichtete in dieser Zeit das Erbärmdikreuz. Er stellte es an der westlichen Giebelseite auf, damit es Segen bringe für Haus und Hof und den Vorübergehenden eine Mahnung sei. Nach den Forschungen von Albrecht Bögle war Mathäus Neuner vermögend und kaufte Höfe auf, die er herrichtete und an seine Kinder übergab, jeweils versehen mit einem Kreuz. Ständig Wind und Regen ausgesetzt war es um die Jahrhundertwende stark verwittert, und so kümmerte sich Georg Eberle („Freistraßweber“) um den Fortbestand.

Das neue 1912 von Schreinermeister Michael Lang gefertigte Kreuz stellte man gegenüber dem Kasparbäckanwesen zwischen den Häusern „Bischellerschmied“ (Kaiser) und „Duxner“ (heute Glückaufapotheke) auf. 1951 wurde es – wiederum dem vollkommenen Verfall nahe – auf Initiative von Ortsheimatpfleger und Malermeister Karl Fliegauf, der auch die Figuren fasste, erneuert. „Freistraßschäffler“ Hans Fischer stiftete dazu eine Eiche, und der Verschönerungsverein legte die fehlenden Mittel drauf. Bildhauer Lorenz Buchner schnitzte den Christus und die Leidenswerkzeuge, und Schreinermeister Hans Panzer erstellte das Kreuz.

Das im Jahre 1978 gefertigte Erbärmdikreuz fand einen würdigen neuen Aufstellungsort im Garten von Christian Gindhart in der Glückaufstraße.

Lange Jahre kümmerte sich der unvergessene Benedikt Deibler als Anlieger und Kirchenpfleger um das Kleinod, vor dem auch bei der alljährlichen Fronleichnamsprozession ein Altar aufgebaut wird. Auf seine Initiative fanden die Renovierungen 1978 und 1992 statt, jeweils gefördert durch großherzige Spenden der Anwohner der Frei- und Bachstraße sowie Entgegenkommen der Handwerker. So war es für Bernhard Huber 1978 Ehrensache, den neuen Christus zu schnitzen. Sein Vater Heinrich restaurierte die Leidenwerkzeuge und fasste die Figuren. Damals erstellte die Zimmerei Lück wiederum ein neues Kreuz. Für dieses brachte Hermann Deibler 1992 die Kupferblechabdeckung kostenlos an, und Bernhard Huber schnitze und fasste die meisten zerfallenen Leidenswerkzeuge neu, ohne die Arbeiten in Rechnung zu stellen. Ebenfalls zum Nulltarif stellte Malermeister Ulrich Mühlegger seine Werkstatt zur Verfügung und übernahm die Holzschutzarbeiten. Herbert Lück jun. brachte den Eichenstamm wieder in Ordnung, und Bernhard Schneider sorgte für den Blumenschmuck.

Im Zuge des Straßenausbaus durch die Ortskernsanierung war 2002 ein neuer Sockel und Standplatz erforderlich. Das Apothekerehepaar Siegfried und Claudia Baab erklärte sich zur Freude von Ludwig Kirchbichler spontan bereit, den notwendigen Grund zur Verfügung zu stellen. Damit das Kreuz künftig vom Wetter besser geschützt ist, erhielt es – wie bereits bis zu den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – eine Rückwand. Schreinermeister Martin Rössle fertigte das Kreuz an, Rainer Deibler das Kupferblech, Bernhard Huber schnitzte wiederum einen neuen Christus, Martin Buchner besorgte den Granitsockel, und die Firma Stich und Schäller lieferte den Beton für das Fundament. Mit wachsamen Auge sorgt sich Walter Strauß um das Kreuz und ergänzt bei mutwilligen Beschädigungen wie zuletzt Anfang Januar 2016 die Leidenswerkzeuge. 

In einer Betrachtung des Kreuzes zur Fasten- und Osterzeit schreibt Joseph Ratzinger: „Über dem Kreuz Jesu Christi leuchtet immer schon der sieghafte Glanz des Ostermorgens. Mit ihm vom Kreuz her leben heißt daher auch immer, unter der Verheißung der österlichen Freude leben.“

Nach Überlieferung von Karl Fliegauf befand sich einst am Kreuz eine Tafel mit folgendem Wortlaut: Erwache o Tochter Sions aus deinem Schlafe sieh der gute Hirt stirbt selbst für seine Schafe. Er hängt für dich am Kreuze ausgestreckt, haben denn die Hammerschläge dich nicht aufgeweckt? Steh auf o träges Kind und wein über deine Sünd!

Gerhard Heiß

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