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Präventionsarbeit in Peiting: Die Kriminalkommissare Simon Bräutigam (vorne) und Walter Ehrlich mit den interessierten Senioren.

Senioren verlieren Millionen

Kripo warnt in Peiting vor skrupellosen Trick-Betrügern

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Es sind skrupellose Tricks, mit denen Verbrecherbanden Senioren oft um ihr gesamtes Vermögen bringen. Auch die Region Weilheim-Schongau steht zurzeit im Mittelpunkt des Telefon-Terrors aus dem Ausland. Polizei und Sparkasse setzen auf eine umfangreiche Aufklärungskampagne. Am Dienstag war die Kripo zu Gast in Peiting.

Peiting – Die Kriminalkommissare Simon Bräutigam und Walter Ehrlich stehen an ihrem Infostand in der Peitinger Sparkassenfiliale und berichten von der Masche der Betrüger. 13 Senioren hören aufmerksam zu, wie sie sich vor den Verbrechern schützen können, die in Call-Centern in der Türkei sitzen und potenzielle Opfer anrufen. Haben sie einen Fisch an der Angel, schlagen ihre Komplizen vor Ort zu.

Die Polizisten berichten von schier unglaublichen Fällen, in denen Senioren ihr gesamtes Vermögen verloren haben und jetzt Sozialfälle sind. Die meisten Angerufenen fallen zwar nicht auf die Tricks herein und legen sofort wieder auf. Nicht wenige Frauen und Männer höheren Alters haben sich aber schon überrumpeln lassen, weil die Täter clever sind.

Auf dem Telefon-Display erscheint die Nummer 110

Auf dem Telefon-Display erscheint die Notrufnummer 110, und es meldet sich ein „Kommissar“. Er berichtet, dass die Polizei zwei Einbrecher festgenommen hat. Einer sei noch auf der Flucht und auf weitere Beute aus. Den Senioren wird erklärt, dass ein verdächtiges Auto bei ihnen gesichtet wurde. Der Kommissar kündigt an, einen Ermittler in zivil vorbeizuschicken, der die Wertsachen der Senioren in Sicherheit bringt. Wird der Angerufene misstrauisch, fordert der Betrüger ihn auf, die 110 zu wählen. In seiner Aufregung legt das Opfer nicht erst auf, sondern wählt die 110 sofort. Über die Vermittlung landet das Opfer erneut beim Betrüger und wiegt sich in Sicherheit. „Zählen Sie schon mal das Geld, wir sind gleich bei Ihnen.“ Kurz darauf steht ein wildfremder Mensch vor der Tür und nimmt alles mit.

Frau übergibt Betrügern ihren gesamten Schmuck

Es passiert fast täglich: Am gestrigen Dienstag meldete die Polizei genau so einen Fall aus Gauting bei München: Eine 81-jährige Frau übergab dem „verdeckten Ermittler“ ihren gesamten Schmuck im Wert von mehreren tausend Euro. Sie wird ihn nie wiedersehen.

Kripo: Nicht in einem Fall hat ein Opfer sein Geld zurückbekommen

„Ich kenne nicht einen Fall, in dem ein Opfer das Geld zurückbekommen hat“, sagt Simon Bräutigam. Der Weilheimer Kripobeamte warnt die Senioren in Peiting eindringlich vor den Betrügern, die zurzeit vor allem im Oberland ihr Unwesen treiben. „Wir sind im Zentrum des Geschehens, wir müssen unbedingt etwas machen“, sagt er. Erst vor einigen Wochen hatte das Polizeipräsidium beschlossen, die Aufklärungskampagne zu starten. Jetzt sind die Beamten schon voll dabei. Mehrere Bankvorstände hatte das Präsidium angeschrieben, die Sparkasse Oberland war die erste, die auf den Zug aufsprang.

Auch die Banken rücken die Täter in ein schlechtes Licht

Die Zusammenarbeit ist laut Bräutigam extrem wichtig. Denn nicht nur der gute Ruf der Polizei wird von den Tätern durch den Dreck gezogen, auch das Vertrauen in die Geldinstitute leidet enorm. Die Verbrecher haben es nämlich auch auf die Konten und Bankdepots ihrer Opfer abgesehen. Sie machen den Senioren weis, dass die Bankmitarbeiter korrupt sind und mit den angeblichen Einbrechern unter einer Decke stecken. Die Angerufenen sollen ihr gesamtes Vermögen von der Bank nach Hause holen und dem vermeintlichen Polizisten übergeben.

Goldbarren im Wert von 400.000 Euro sind wohl für immer weg

Und einige machen das tatsächlich: Erst vor wenigen Wochen übergab zum Beispiel eine 75-Jährige aus dem Landkreis Altötting Wertgegenstände und Goldbarren im Wert von 200 000 Euro aus einem Bankschließfach an Betrüger, nachdem die sich als Polizeibeamte ausgegeben hatten. Mitte November holte eine 78-Jährige aus dem Landkreis Bad-Tölz Wolfratshausen 30 000 Euro von der Bank und übergab sie der „Polizei“. Und Anfang November leerte ein 75-Jähriger im Landkreis Miesbach sein Schließfach. Goldbarren im Wert von 400.000 Euro seien wohl für immer weg, schätzt die Polizei.

Allein 2018 erbeuten Täter zehn Millionen Euro mit fiesen Tricks

Über zehn Millionen Euro erbeuteten Kriminelle allein im Jahr 2018 in Bayern durch Trickbetrügereien wie „Falsche Polizeibeamte“, „Enkeltrick“ und dergleichen, berichtet die Kripo, die nicht nur die Senioren warnt, sondern auch die Bankmitarbeiter sensibilisiert: „Bitte seien Sie aufmerksam, wenn ältere Personen höhere Beträge abheben oder wenn der Verwendungszweck des Geldes unklar oder widersprüchlich ist.“

Wichtigster Tipp: Sofort wieder auflegen!

Der wichtigste Tipp an die Senioren lautet: „Legen Sie den Telefonhörer auf, wenn Sie nicht sicher sind, wer anruft.“ Und wenn jemand vor der Tür steht? „Wir schicken immer Beamte mit blauen Uniformen“, erklärt Bräutigams Kollege Walter Ehrlich den Senioren in Peiting. „Und auch wenn wir tatsächlich anrufen, bleiben sie skeptisch“, rät der Kriminalkommissar. In dem Fall sollen die Betroffenen ebenfalls auflegen und anschließend die 110 wählen. „Die Kollegen wissen, dass wir das sind.“

Weitere Termine:

Am heutigen Donnerstag, 13. Februar, sind die Beamten von 10 bis 12 Uhr zu Gast in der Sparkassenfiliale in Weilheim sowie von 14 bis 16 Uhr in Peißenberg.

Auch interessant:

Eine chinesische Reisegruppe landete am Dienstag bei Böbing im Graben. Nächster Feuerwehreinsatz: Am Mittwoch wurde in Böbing ein Telefonmast umgefahren. 

Er muss nicht, aber er will noch einmal Bürgermeister in Bernbeuren werden, betonte Rathauschef Martin Hinterbrandner am Montagbei seiner mit Spannung erwarteten Infoveranstaltung in der Auerberghalle.

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