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Kuh Romy feiert besonderes Jubiläum - „Findet man sonst nur auf Gnadenhöfen“

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Von: Christoph Peters

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Der Kreuter Landwirt Volker Zahn mit seiner Murnau-Werdenfelser Kuh Romy, die im Dezember 20 Jahre alt geworden ist und sich nach wie vor bester Gesundheit erfreut.
Der Kreuter Landwirt Volker Zahn mit seiner Murnau-Werdenfelser Kuh Romy, die im Dezember 20 Jahre alt geworden ist und sich nach wie vor bester Gesundheit erfreut. © Peters

Romy ist ein besonderes Rindvieh, findet ihr Besitzer Dr. Volker Zahn. Die Kuh auf seinem Hof in Peiting-Kreut ist 20 Jahre geworden. Ein Alter, das heute kaum eine ihrer Artgenossinnen erreicht.

Peiting – Dr. Volker Zahn wartet schon, als wir an der Tür klopfen. Der Landwirt trägt eine blumenverzierte Stoffmaske, die er auch nicht abnimmt, als er ins Freie tritt. Sicher ist sicher in diesen Pandemiezeiten, als gelernter Arzt sei ihm das wichtig, sagt Zahn, der bis zu seiner Pensionierung eine Frauenklinik in Straubing leitete, ehe er sich 2005 mit dem Kauf des Schalhammerhof im Peitinger Ortsteil Kreut den Traum vom zweiten Leben als Landwirt erfüllte. Freilich mit einer besonderen Intention, denn Zahn machte es sich auf seinem Arche-Noah-Hof zur Aufgabe, alte Haustier-Rassen vor dem Aussterben zu bewahren. Eine davon ist das Murnau-Werdenfelser Rind.

Landwirt bewahrt alte Haustier-Rassen vor Aussterben - Kuh Romy feiert 20. Geburtstag

Der 81-Jährige zieht seinen Hut auf, packt seinen Stab, dann geht er mit bedächtigen Schritten über den schneebedeckten Hof in Richtung Weide. Dort, in einem Unterstand, wartet schon Romy, die den Besuch neugierig beäugt. Als Zahn das Tor öffnet und den eingezäunten Bereich betritt, kommt die Kuh sofort auf ihn zu. Der 81-Jährige tätschelt liebevoll ihren Kopf, dann greift er in die Tasche und befördert ein Stück altes Brot zutage, das Romy sofort genüsslich verspeist.

Auf Leinwand verewigt: Als Bild hängt Romy fast in Lebensgröße im Haus der Familie Zahn. 
Auf Leinwand verewigt: Als Bild hängt Romy fast in Lebensgröße im Haus der Familie Zahn.  © Peters

Als Zahn 2005 mit der Zucht der Murnau-Werdenfelser Rinder begann, war Romy eine der ersten vier Kühe gewesen. Sie kam von einem Milchviehbetrieb in Seehausen nach Kreut. „Da war sie vier Jahre alt.“ Sofort zog das Tier seinen neuen Besitzer in den Bann. „Sie war von Anfang an freundlich, hat so ein ruhiges Gemüt. Ich habe sie gleich ins Herz geschlossen“, sagt Zahn, während er Romy liebevoll durch das dichte Fell streichelt.

Kuh Romy feiert Jubiläum - Sie brachte bereits 14 Kälber auf die Welt

Aus damals vier Kühen und einem Stier ist mittlerweile eine stattliche Herde mit 35 Tieren geworden. In ihrem Leben hat Romy 14 Kälber zur Welt gebracht, das letzte 2017. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters von 20 Jahren sei nicht auszuschließen, dass sie noch einmal trächtig werde, sagt Zahn.

Für ihn ist Romy der lebende Beweis dafür, dass es auch einen anderen Weg gibt abseits der auf Hochleistung getrimmten Milchviehhaltung, wo Tiere mit solch einem hohen Alter Seltenheitswert haben. „So etwas findet man sonst nur auf Gnadenhöfen.“

Tatsächlich lässt es sich aushalten als Kuh auf dem Arche-Noah-Hof. 15 Hektar Weidefläche, die bis zum Lech reicht, bieten ausreichend Nahrung, nur im Winter, wenn die Wiesen schneebedeckt sind, gibt es Heu zu fressen. Kraftfutter braucht es nicht. „Die Tiere stehen das ganze Jahr draußen, haben eine Rangordnung und sind kerngesund“, sagt Zahn.

Dabei spielt freilich auch die Rasse eine wichtige Rolle. Murnau-Werdenfelser Kühe gelten von Haus aus als sehr genügsam und widerstandsfähig. Gezüchtet als „Dreinutzungsrind“, das gleichzeitig als Arbeitstier sowie als Milch- und Fleischlieferant diente, erfreute sich die Rasse zu Beginn des 20. Jahrhunderts deshalb großer Beliebtheit.

Mit den auf Milch- und Fleischproduktion gezüchteten heutigen Hochleistungskühen kann die Rasse freilich nicht mithalten, was fast zu ihrem Aussterben führte. Heute unterstütze der Freistaat Halter dieser Tiere mit einer Jahresprämie, sagt Zahn – eine wichtige Maßnahme, um den Bestand zu fördern und den Genpool zu erhalten.

Klimawandel zwingt Landwirtschaft zum Umdenken: Kühe kein „Klima-Killer“

Dieser werde in Zukunft wichtig sein für Rückkreuzungen, glaubt der 81-Jährige, wenn es darum gehe, von immer mehr Leistung hin zu längeren Lebenszeiten der Tiere zu kommen. Das und mehr Weidehaltung würde sich Zahn wünschen – nicht nur mit Blick auf das Wohl der Kühe, sondern auch auf den Umweltschutz. Denn bei vernünftiger Haltung seien Kühe keine „Klima-Killer“, betont er und verweist auf neue Untersuchungen. Wegen des Klimawandels müsse auch in der Landwirtschaft ein Umdenken stattfinden, fordert Zahn, denn dieser komme dabei eine große Bedeutung zu.

Skeptisch zeigt sich hingegen Manfred Kinzelmann, was die Vorstellungen des 81-Jährigen angeht. Dass die Hochleistungszucht zurückgehen werde, sei ein Wunschdenken, sagt der Fachberater für Rinderzucht beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Entsprechend werde das Halten von Murnau-Werdenfelser eine „Liebhaber-Sache“ bleiben. Die Zukunft sehe er hier in der Mutterkuh-Haltung, wie sie auch Zahn betreibt. Beziehungsweise dessen Sohn Hans.

Vor zwei Jahren hat der 32-Jährige den Hof seines Vaters übernommen, führt das Lebenswerk im Nebenerwerb weiter. Ein Glück sei das, sagt der 81-Jährige. Romy, so viel ist sicher, dürfte das genauso sehen.

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