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„Alles Haiku“ im Grünen Salon in Peiting mit Karl Michael Ranftl, Autor Hans Schütz und Illustratorin Lore Kienzl (von links).

Lechpoet Hans Schütz

Tierisch: „Haiku“ mit Hai-Kuh

Die traditionelle japanische Gedichtform „Haiku“ hat der Lechpoet Hans Schütz zum Thema seines neuen Buchs „Alles Haiku“, illustriert von Lore Kienzl, gemacht. Zur Lesung mit Musik von Karl Michael Ranftl hatte er in den Grünen Salon nach Peiting geladen.

PeitingMit „Alles Haiku“ hat Hans Schütz eine echte Fleißarbeit vorgelegt. Nach seiner Pensionierung im Februar 2016 hatte er sich vorgenommen, jeden Tag ein Gedicht zu schreiben. „Wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt, muss man aufpassen, dass man nicht einrostet“, meinte er und dichtete in den Sparten Politik, Landschaft, Tiere munter drauf los bis zum bitteren Ende: „Wortmüde sitze ich – selbst Haikus sind mir zu viel – vor dem leeren Blatt“.

Haikus sind in der Regel Dreizeiler mit einer festen Form. So soll die erste Zeile 5 Silben enthalten, die Zweite sieben und die Dritte wieder fünf. Mit Haikus hat sich Schütz nach eigener Aussage aber schon vor seiner Pensionierung beschäftigt. So gab es schon seit vielen Jahren in der Zeitung „Oha“ Haikus zur Lage der Nation. Die Bildhauerin und Lyrikerin Lore Kienzl kennt er schon seit rund zehn Jahren aus dem Landsberger Autorenkreis. Bei der Lesung in Peiting interviewen sie sich gegenseitig und fördern Erstaunliches zutage. So habe Hans Schütz ihr bei der Illustration des Buches völlig freie Hand gelassen, erinnerte sich Lore Kienzl. Mit Feuereifer habe sie sich skurrile, surrealistische Zeichnungen einfallen lassen. Daraufhin erwies sich die freie Hand als nicht ganz so frei. „Mach mer’s ein bissel naturalistischer“, war das Ergebnis der ersten Besprechung. Jetzt ziert eine niedliche Kuh begleitet von einem Haifisch das Buchcover. „Haiku“ mal ganz tierisch umgesetzt.

Auch zur Art und Weise, wie man seine Haikus lesen soll, hat Hans Schütz ganz feste Vorstellungen: „Bei guter Musik und einem guten Glas Rotwein einfach in den Gedichtband reinblättern und schauen, wo man hängen bleibt!“ Entschleunigen nennt Hans Schütz das. Und vielleicht bleibt der Blick ja daran hängen: „Die Zeitung am Tisch – meine Brille liegt drauf – liest ganz ohne mich“.

Lore Kienzl ist eigentlich studierte Mathematikerin und hat die schönen Künste auch erst mit dem Ruhestand für sich entdeckt. Ihre Spezialität ist es, komplizierte Vorgänge auf eine einfache Form zu bringen. In diesem Fall den poetischen Output der Schütz’schen Hirnwindungen in schlichte Bilder zu fassen. Auf die Frage von Hans Schütz „Tät’st jetzt du nomal mit mir a Buch machen?“, antwortet sie spontan „Sehr gern!“ Was den Zwischenruf aus dem Publikum „Aber nur, wenn sie wirklich freie Hand hat“, provoziert.

Freiere Hand hatte offenbar der Musiker Karl Michael Ranftl an diesem Abend. Zum lyrischen Crossover von Schütz lieferte er ein gelungenes musikalisches Crossover. Mit Gitarre und Gesang, mit Maultrommel, Steinen und Bambus-Glockenspiel schaffte er eindrucksvolle, zum Teil archaische Töne, die ganz ohne Rotwein entschleunigten und dem Abend eine gewisse, locker-leichte Beschwingtheit verliehen. Mit Hans Schütz verbindet ihn sein Lieblingsthema „Der Lech“. Und der kann sein Umwelt-Engagement auch beim Dichten nicht leugnen: „Wenn der Schnee wegtaut – kommen die Sünden heraus – Wegwerfgesellschaft!“ Heißt es bei ihm in sorgfältig abgezähltem Silbenmaß.

URSULA FRÖHLICH

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