Wolfgang Weißenbach (li.) und sein Sohn Johannes betreiben den neuen Unverpackt-Laden in der Peitinger Ortsmitte am Hauptplatz.
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Familien-Gespann: Wolfgang Weißenbach (li.) und sein Sohn Johannes betreiben den neuen Unverpackt-Laden in der Peitinger Ortsmitte am Hauptplatz. Die Eröffnung ist für September geplant.

Geschäftseröffnung

Kampf dem Verpackungsmüll: Unverpackt-Laden „Liaba ohne“ startet im September in Peiting

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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In den Großstädten erfreuen sie sich bereits großer Beliebtheit, jetzt schwappt die Welle auch ins Schongauer Land: Mitten in Peiting entsteht am Hauptplatz ein Unverpackt-Laden. „Liaba ohne“ heißt das Familiengeschäft, mit dem sich die Betreiber einen länger gehegten Traum erfüllen.

  • In Großstädten sind sie schon beliebt
  • Jetzt ist die Welle auch ins Schongauer Land geschwappt
  • In Peiting entsteht der Unverpackt-Laden „Liaba ohne“

Peiting – „Neueröffnung nach Umbau“ steht in großen Lettern auf dem braunen Papier, mit dem die Fenster beklebt sind, um den Blick ins Innere zu verwehren. So mancher versucht dennoch sein Glück. „Die Neugier ist groß“, sagt Wolfgang Weißenbach und lacht. Der 52-Jährige steht mit seiner Frau Michaela in den sorgsam von der Außenwelt abgeschotteten Räumen, die bis vor kurzem noch das Fotogeschäft Nicoletti am Peitinger Hauptplatz 7 beherbergten. Hier wollen die Weißenbachs etwas verwirklichen, das es so im Schongauer Land noch nicht gibt: einen Unverpackt-Laden.

Wolfgang Weißenbach hatte die Idee schon länger mit sich herumgetragen

Die Idee dazu habe man schon länger mit sich herumgetragen, sagt Wolfgang Weißenbach. Der ganze Verpackungswahn, der einem beim Einkaufen tagtäglich begegne, sei der Auslöser gewesen. „Da haben wir uns gesagt, das muss doch auch anders gehen.“ Aufmerksam verfolgten die Weißenbachs, wie in den Großstädten immer mehr Geschäfte entstanden, die nur noch unverpackte Produkte anboten und so dem zunehmenden Wunsch der Menschen nach einem plastikfreien Einkauf Rechnung trugen. Auch in Weilheim und Kaufbeuren gibt es solche Läden bereits. Warum sollte das Konzept nicht auch auf dem Land in einer kleinen Gemeinde wie Peiting funktionieren, fragte sich die Familie. Einzig, es fehlte an einem geeigneten Laden. Doch dann kam die Corona-Krise, die auch das Fotogeschäft Nicoletti hart traf. Als dessen Besitzer bei den Weißenbachs, denen das Gebäude am Hauptplatz 7 gehört, um Auflösung des Pachtvertrags bat, war die Chance da. Wolfgang Weißenbach beschloss, seinen Job als Fernfahrer an den Nagel zu hängen, um mit Sohn Johannes (27) den Traum vom eigenen Unverpackt-Laden in die Tat umzusetzen.

Fernfahrer-Job an den Nagel gehängt

Anfang Juli begann die Familie mit dem Umbau, krempelte das ehemalige Fotogeschäft komplett um. Neue Böden, neue Elektrik, neue Wasserleitungen, Wände neu verputzen und neu fließen – eine Herkules-Aufgabe. Mittlerweile stehen die ersten Regale. Noch sind die darin untergebrachten Gefäße und Spender leer, bis zur geplanten Eröffnung im September wird sich das freilich ändern.

Kunden bringen Gefäße mit oder erwerben sie im Laden

Das Prinzip ist einfach: Wer einkauft, bringt entweder seine eigenen Behältnisse mit oder erwirbt ein Gefäß im Laden. Auch leihen sei möglich, erklärt Wolfgang Weißenbach. Die Gefäße werden dann als erstes gewogen, anschließend können sich die Kunden selbst im Sortiment bedienen. Das soll alle Dinge des täglichen Bedarfs umfassen, von Nudeln über Gemüse und Gewürze bis hin zu Waschpulver und Zahnpasta. Auch eine Frische-Theke mit Käse und Stückwurst sowie Antipasti werde es geben, kündigt Michaela Weißenbach an. Glutenfreie und vegane Produkte zählen ebenfalls zum Angebot, das ist der 50-Jährigen wichtig, die gerade ihre Ausbildung zur Heilpraktikerin abgeschlossen hat und sich selbst seit einem Jahr vegan ernährt. Neben dem Vermeiden von Verpackungsmüll hat das Konzept noch einen weiteren Vorteil. „Jeder kann von einem Produkt so viel kaufen, wie er braucht“, sagt Wolfgang Weißenbach. Dadurch verhindere man, dass Lebensmittel im Abfall landen. Und auch vor Corona ist den Weißenbachs nicht bang. „Die Hygienevorgaben für solche Läden sind ohnehin sehr streng“, weiß die 50-Jährige. Nudeln und Co. würden nicht mit bloßen Händen von den Kunden angelangt, es gebe Schaufeln und Baumwollhandschuhe, die regelmäßig gereinigt würden.

Großteil des Sortiments kommt aus dem Bio-Großhandel

Den Großteil der Ware bezieht die Familie von einem Bio-Großhandel aus Fürstenfeldbruck. Die Großgebinde gehen leer an die Hersteller zurück, die sie wiederverwerten. Neben Bio-Qualität ist den Weißenbachs wichtig, dass die Produkte möglichst keinen weiten Transportweg hinter sich haben. Das Gemüse stamme aus Bayern, das Brot vom Peitinger Bäcker Schwarzmaier, sagt Wolfgang Weißenbach. „Wir wollen so weit wie möglich regional bleiben.“ Da passen auch die Nähsachen, die Tochter Stefanie (30) unter dem Namen „Herzmadl mit Nadel“ im Laden vertreiben will, gut ins Konzept. Von allem etwas eben, wie einst bei Tante Emma. Da gehöre auch der gemütliche Ratsch mit den Kunden dazu, so der Chef.

Noch sind die Schaufenster des neuen Unverpackt-Ladens in der Peitinger Ortsmitte abgeklebt.

Einen passenden Namen für ihr neues Geschäft hat die Familie schon gefunden. „Liaba ohne“ steht im Fenster zu lesen. Gelungen findet den Wolfgang Weißenbach. Auch wenn sich manch neugieriger Passant mit dem Bairisch ein wenig schwer tue, wie der 52-Jährige schon schmunzelnd festgestellt hat. „Aber das Bairisch ist halt meins.“

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