Unter Wasser stand die Peitinger Bühlachstraße nach den unwetterartigen Regenfällen in der vergangenen Woche.
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Unter Wasser stand die Peitinger Bühlachstraße nach den unwetterartigen Regenfällen in der vergangenen Woche. Eine Befahrung des Regenwasserkanals soll nun klären, wo das Problem liegt.

Problem unterschätzt

Marienheim-Neubau: Gemeinde Peiting stoppt Bauleitplanverfahren - das ist der Grund

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
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Immer wieder hatten die Anlieger am Bühlach in ihrem Protest gegen den Marienheim-Neubau davor gewarnt. Nach dem jüngsten Starkregenereignis muss die Marktgemeinde Peiting nun einräumen, das Problem mit dem Niederschlagswasser unterschätzt zu haben. Das hat Konsequenzen.

Peiting – Als sich in der vergangenen Woche eine Gewitterzelle über Peiting entlud, ergossen sich binnen kurzer Zeit solche Wassermassen über die Marktgemeinde, dass Keller vollliefen und sich auf Feldern und Wiesen kleine Seen bildeten (wir berichteten). Besonders betroffen war auch die Bühlachstraße, die teils komplett überflutet wurde. Für die dortigen Anlieger dürfte das freilich wenig überraschend gekommen sein. Immer wieder hatten sie in ihrem Protest gegen den geplanten Neubau des Marienheims auf dem Hanggelände am Bühlach auf die problematische Situation hingewiesen, zuletzt im Rahmen des Flächennutzungs- und Bebauungsplanverfahrens.

Gemeidne sah bislang keinen handlungsbedarf

In mehreren Bürgereinwänden äußerten sie die Sorge, dass der vorhandene Regenwasserkanal bei einer zusätzlichen Flächenversiegelung durch den Neubau nicht ausreiche. Anders als im Entwurf des Flächennutzungsplans dargestellt, führe der Entwässerungsgraben zudem immer Wasser und könne bei Starkregen über die Ufer treten und das umliegende Gelände fluten. Auch das Wasserwirtschaftsamt hatte in seiner Stellungnahme zum Bebauungsplan das Fehlen eines einheitlichen Konzepts zur Niederschlagswasserbeseitigung bemängelt.

Die Gemeinde blieb allerdings in ihrer Abwägung dabei, dass der vorhandene Tagwasserkanal, der das Regenwasser in Richtung des Hauser Bachs ableitet, ausreichend sei. Einen Handlungsbedarf sah man nicht.

Das hat sich durch das jüngste Starkregenereignis nun allerdings geändert. Am Dienstag gab Bürgermeister Peter Ostenrieder bekannt, dass man wegen der neuen Entwicklung umgehend die öffentliche Auslegung im Bebauungs- und Flächennutzungsplanverfahren abbrechen werde. Der Rathauschef räumte ein, dass man die Regenwassergefahr offenbar unterschätzt habe. „Im Bauamt waren diesbezüglich aber bisher auch keine solchen Probleme bekannt.“ Er wolle da auch nichts schönreden. „Wir haben uns das vor Ort angeschaut, so kann es nicht bleiben.“

Suche nach einer Lösung hat begonnen

Die Frage ist nun, wie eine Lösung ausschauen könnte. Bei der Gemeinde bleibt man dabei, dass der Tagwasserkanal ausreichend dimensioniert ist. „Die Vermutung, die wir haben, ist, dass der Kanal möglicherweise an einigen Stellen zugewachsen ist“, sagte Ostenrieder. Ein ähnliches Problem kennt man bereits aus der Jägerstraße, wo die defekte Leitung gerade ersetzt wird (wir berichteten). Eine Kanalbefahrung soll nun klären, ob man auf der richtigen Fährte ist. Weitere Erkenntnisse erhofft man sich auch von der vom Wasserwirtschaftsamt geforderten Fließweganalyse, die laut Ostenrieder nun zeitnah erstellt werden soll. „Ein extremes Starkregenereignis wird vermutlich kein Kanal rückstandslos aufnehmen können, aber wir wollen das Risiko so minimal halten wie möglich.“

Auch mit dem Bauherren des neuen Marienheims, der AWO Oberbayern, hat die Gemeinde bereits Kontakt aufgenommen. Gemeinsam habe man sich darauf verständigt, die Auslegung zu stoppen, um etwaige nötige Maßnahmen einzuarbeiten. Diese könnten auch das Bauvorhaben selbst betreffen, sagte Ostenrieder. Denkbar wäre beispielsweise eine Zisterne, die als Puffer verhindere, dass das Regenwasser auf einen Rutsch in den Kanal fließe. „Das ist zwar jetzt ärgerlich, aber wir sind froh, dass wir hier nun rechtzeitig reagieren können, bevor das Bauvorhaben in Angriff genommen wird.“

Den Zeitplan für den Marienheim-Neubau sieht der Bürgermeister durch die neue Entwicklung nicht gefährdet. Schon im Juli soll die geänderte Planung im Gemeinderat vorgestellt werden, damit die zweite Auslegung im August erfolgen kann. Planmäßig nach den Sommerferien könne dann der Satzungsbeschluss gefasst werden, blickte Ostenrieder voraus.

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