Bilden 14 Tagel lang ein „Team“: Bildhauerin Michaela Gräper (l.) und die Inhaberin der Bäckerei-Chefin Mariles Sesar.
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Bilden 14 Tagel lang ein „Team“: Bildhauerin Michaela Gräper (l.) und die Inhaberin der Bäckerei-Chefin Mariles Sesar.

Die Holzbildhauerin Michaela Gräper zeigt einige ihrer Werke in den Fenstern der Bäckerei Sesar

Fensterschau in Peiting: Meeresstille der Seele

  • vonRafael Sala
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Von Aristoteles stammt der geniale Ausspruch: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Eine Sichtweise wie geschaffen für den seit Monaten andauernden Lockdown, der viele Menschen in die offene See einer ungewissen Zukunft treibt und ihnen berufliche Perspektiven raubt. Die Segel anders ausrichten – nämlich sie nicht straffen, ihnen keine Angriffsfläche bieten, sondern sie behutsam einsetzen, wenn nötig einziehen, damit das Boot nicht so wild hin- und herschaukelt:

Peiting - Das tun derzeit mehrere Künstler im Rahmen der Aktion „Fensterschau“, die noch bis zum 14. März im Peitinger Ortszentrum läuft.

Unaufdringlich und unaufgeregt, in der Flaute des hiesigen Geschäftslebens, auf ein kleines, aber feines Publikum hin zugeschnitten – so präsentieren sich gerade die vielen Gemälde, Zeichnungen und anderen künstlerischen Objekte, die in den Schaufenstern stehen. So auch die Skulpturen der Holzbildhauerin Michaela Gräper, die ihr Handwerk in der weit über die Grenzen hinaus bekannten Berufsfachschule in Oberammergau und in der Akademie der Bildenden Künste in München gelernt hat.

Zu sehen sind einige von ihren Werken in der Bäckerei Sesar an der Bahnhofstraße in Peiting – sehr zur Freude von Inhaberin Marlies Sesar: „Wir sind persönlich ganz begeistert über unsere Schaufenster, die Michaela Gräper mit ihren äußerst kreativen und ansprechenden Skulpturen ausgestattet hat“, schwärmt sie. Denn sie erzählen Geschichten, erwecken Neugierde, entführen in andere Länder und machen mit anderen Kulturen, vor allem der afrikanischen, vertraut. „Eine anregende Aktion, die noch lange nachklingen wird“, findet Sesar.

Gräpers Wurzeln liegen zu einem großen Teil in der traditionellen Oberammergauer Schnitzerei. Ihre Skulpturen mit dem Titel „Weiber“ sind aus Linde geschnitzt, meist kaschiert und gefasst. Die leuchtend farbigen Fassungen verweisen auf die bunten Oberammergauer Kleinskulpturen des frühen 19. Jahrhunderts, in ihnen sind die traditionellen handwerklichen Techniken virtuos mit der eigenen persönlichen Bildsprache verknüpft.

Faszinierend ist vor allem die Einfachheit der Motivik: Muskulöse Männerleiber in bedrohlichem Schwarz sind oft zu sehen, wie sie unter der sengenden Sonnen Afrikas tanzen, oder Frauenkörper in kräftigem Rot, wie sie jubeln und sich strecken. Man spürt mit jedem Pinselstrich die elementare Kraft, die von den Kulturen Afrikas ausgeht. Die Menschen sind ganz bei sich. Kein Wind bläst, kein Sturm tobt. Es herrscht Meeresstille. Die Meeresstille der Seele. Und die ist laut Epikur, einem anderen berühmten griechischen Philosophen, unbedingt anzustreben.

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