Milchprinzessin Miriam Weiß (Mitte), Steffi Wörnzhofer (li., Peitings stellvertretende Ortsbäuerin) und Christine Sulzenbacher (Kreisbäuerin).
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Schlendern über den Bauernmarkt: Milchprinzessin Miriam Weiß (Mitte), Steffi Wörnzhofer (li., Peitings stellvertretende Ortsbäuerin) und Christine Sulzenbacher (Kreisbäuerin). Für das Foto haben sie kurz die Maske abgenommen.

Diskussionsrunde

Milchprinzessin besucht Peitinger Bauernmarkt: Beim Thema Landwirtschaft wird‘s ernst

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Eine Hoheit besuchte am Freitag den Bauernmarkt in Peiting: Miriam Weiß, Bayerische Milchprinzessin, nutzte den Bummel, um gleich ein bisschen einzukaufen. Doch auch ernste Themen kamen auf den Tisch bei einer Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft.

Peiting – Vor einigen Ständen bilden sich kleine Schlangen, Kartoffelsäcke werden über den Peitinger Hauptplatz geschleppt, Livemusik schallt über den Markt, vereinzelt stehen Besucher zusammen, ratschen und beißen in frische Apfelkiachla. Der Peitinger Bauernmarkt, schon zuvor beliebt, hat in Coronazeiten noch einmal einen Aufschwung erlebt, so die Beobachtung des Mitorganisators Herwig Skalitza. Weil man sich dort trifft, erklärt er. Und, weil die Menschen gerade vermehrt auf die Qualität ihrer Lebensmittel achten.

Mittendrin diesmal die Milchprinzessin Miriam Weiß, die mit ihrer Krone gleich auffällt. Zusammen mit der stellvertretenden Ortsbäuerin Steffi Wörnzhofer stellt sie sich bei Fieranten vor, bei manchem kauft sie gleich ein oder probiert und plaudert mit Besuchern.

Zum zweiten Mal in ihrer Amtszeit ist Weiss nach Peiting gekommen. Wörnzhofer hat zu diesem Anlass eine Gesprächsrunde in kleinstem Kreis organisiert. Im Biergarten des Gasthauses Keppeler, gleich neben dem Bauernmarkt, tauschen sich Kreisbäurin Christine Sulzenbacher, die Ortsbäuerinnen Steffi Wörnzhofer und Martina Prielmeier, Ortsobmann Andreas Barnsteiner, Bürgermeister Peter Ostenrieder, Marktorganisator Herwig Skalitza und freilich die Milchprinzessin aus – vor allem über aktuelle Bedingungen in der Landwirtschaft und deren Zukunft.

Barnsteiner erklärt, dass alle seine Kinder einen handwerklichen Beruf erlernt haben, um zur Not ein anderes Standbein zu haben. Zu oft habe er schon Aufgaben von Höfen miterlebt. Vor allem drei Gründe gebe es dafür: Junggesellen ohne Nachfolger, Kinder, die sich für einen anderen Beruf entscheiden oder Personen, die die Landwirtschaft seit Langem nur im Nebenerwerb betreiben und keine Doppelbelastung mehr wollen.

Diese Erfahrung teilt auch die Milchprinzessin. Sie berichtet von Freunden, die überlegen, einen Stall zu vergrößern. Der müsste auch in der nächsten Generation noch abgezahlt werden. Dabei sei ungewiss, ob die Kinder den Hof überhaupt übernehmen wollen. Die Arbeit werde immer mehr, große Betriebe profitierten, kleine gingen kaputt.

Im Gespräch mit Marktbesuchern: Der Peitinger Bauernmarkt ist gefragter denn je. Die Kunden kaufen kräftig Lebensmittel ein, wie die Milchprinzessin bei ihrem Besuch erfuhr.

Subventionen bzw. Ausgleichszahlungen, wie Kreisbäuerin Christine Sulzenbacher sie nennt, bräuchte es gar nicht, wenn ein fairer Milchpreis bezahlt werden würde. Seit 40 Jahren sei der nahezu gleich. Bei Molkereien und in der Politik fehle der nötige Rückhalt.

Verbot der Anbindehaltung könnte Probleme verstärken

Das bekräftigt auch Martina Prielmeier. Vieles habe man in der Vergangenheit auch selbst falschgemacht. Genossenschaften wurden kaputtgemacht, stattdessen habe jeder Bauer einen Einzelvertrag mit den Molkereien geschlossen. Auch die Unterteilung in mehrere Verbände sei nicht ideal, so das Echo der Diskutierenden.

Die Probleme für die Landwirtschaft könnten mit dem künftigen Verbot der Anbindehaltung verstärkt werden, so die Befürchtung. Ab Januar soll zum Teil ein niedrigerer Milchpreis bei dieser Tierhaltung gezahlt werden – drei bis sechs Cent weniger.

Viele hätten ein falsches Bild von der Anbindehaltung. „Die Tiere können gleichzeitig liegen, stehen, fressen. Es gibt keine Machtkämpfe und Hierarchien, und man hat einen Bezug zu jedem Tier“, erklärt Sulzenbacher. Ein Laufstall sei nicht unbedingt eine Verbesserung. Auf die reine Form der Anbindehaltung würden eh die wenigsten setzen, es komme eher eine Kombiform vor: Im Winter habe jede Kuh ihren Platz im Anbindestall, im Sommer seien sie draußen auf der Weide.

Schul-Projekt soll Verständnis für die Landwirtschaft fördern

Am Verständnis für die Landwirtschaft fehle es vielen. Man wolle daran arbeiten, wieder mehr Bezug zur Bevölkerung zu haben. Viele Bauern würden sich wegen zu viel Arbeit zurückziehen, dabei sei es wichtig, dass Kinder wissen, wo Lebensmittel herkommen.

In Peiting ist beispielsweise ein Projekt mit Schulen geplant, bei dem Klassen auf die Höfe schauen, und Landwirte ihre Arbeit in der Schule erklären, so Sulzenbacher. Das sei wichtig, findet auch die Milchprinzessin. Und Herwig Skalitza. Denn ohne kleine Landwirtschaften gäbe es keinen Bauernmarkt.

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