Auf den ursprünglichen Besitzernamen aus dem Jahre 1696 geht der Hausname „Noderkarl“ zurück.
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Auf den ursprünglichen Besitzernamen aus dem Jahre 1696 geht der Hausname „Noderkarl“ zurück.

Traditionelle Hausnamen erfreuen sich in der Marktgemeinde Peiting wachsender Beliebtheit

Mit dem „Noderkarl“ zurück ins Jahr 1696

Stark gestiegen ist das Interesse an der Häusergeschichte mit dem Anbringen von Hausnamensschildern an über 55 Bauernhöfen und Gebäuden in Peiting (wir haben berichtet). Plötzlich herrscht eine stärkere Nachfrage an den 38 mal 26 Zentimetern großen Emaille-Schildern. Franz Bleichner, Sprecher der Peitinger Heimatfreunde, zeigt sich hoch erfreut darüber, dass durch die Initiative des Bauernverbandes die Forschungsarbeit Früchte trägt.

Peiting - Sein Dank gilt in diesem Zusammenhang vor allem Ernst Merk, der die Familiengeschichten in den Pfarrmatrikeln weit zurückverfolgt hat. Ebenso gilt sein Dank Irmgard Gruber von der Firma Ostenrieder Design & Marketing für den Entwurf der Schilder. Andreas Barnsteiner hat sich bereit erklärt, Nachbestellungen entgegenzunehmen und gesammelt weiterzuleiten.

„Der Hausname ist oft jahrhundertealt und damit ehrwürdig,“ stellte der frühere Bezirksheimatpfleger Sigfrid Hofmann einst fest. Erfreulich zu wissen, dass der Bauer neben dem Vor- und Familiennamen noch einen dritten Namen führt, den sogenannten Hausnamen. So kann man noch heute, wenn man jemanden nach seinem Namen fragt, oft zur Antwort bekommen: „Andreas hoaß i, da Enebächler bin i und Barnsteiner schreib i mi“.

Nicht nur die Bauern sind stolz auf ihre Hausnamen. So brachten jetzt Gabi und Alois Eggersdorfer an ihrem 2019 erstellten Neubau an der Oberen Straße 14 – dem Elternhaus von Gabi – den Hausnamen „Noderkarl“ an. Dieser geht zurück auf den ursprünglichen Besitzernamen aus dem Jahre 1696.

Interessant sind vor allem Namen, die auf Handwerksberufe zurückführen wie Brunnenbauer, Nudlerbäck, Freistraßschäffler, Ludwigschuster, Guggakistler, Schwarzschneider, Buchbinder, Sattler, Bockweber oder Wegmacher. Selbst die frühere Bedeutung Peitings geht aus ihnen hervor. Bis in die Zeit der Staufer, den Nachfolgern auf der Welfenburg, führt der Hausname „Retscher“ in der Retscherstraße 3 zurück.

Die Retscher waren die Ministerialen der Staufer und stammten aus Speyer, wie Fritz Mäuerle erforschte. Der Hausname „Kramer“ (Hauptplatz 12) erinnert an die angesehene Kaufmannsfamilie Gast, Bierling und Häffner, die auch das örtliche Leben mitprägte. So war beispielsweise Heinrich Häffner unter anderem Vorstand der Feuerwehr und Gründungsmitglied des Verschönerungsvereins.

Weit bekannt war das „Komödihaus“ (heute Azamstraße 8), wo früher Theater gespielt wurde. Joseph Friedrich Lentner berichtete darüber in seiner Landesbeschreibung: „Eine der bessern und besuchten Bühnen stund in Peuting. Das Theater befand sich in einem eigenen hölzernen Gebäude, die Komödienhütte genannt, und war hinreichend mit Decorationen, glänzender Garderobe und allem Zubehör ausgestattet.“

Den alten Hausnamen im „Heimatfreund Nr. 12“, von Karl Fliegauf im Juni 1965 herausgegeben, nachzuspüren, ist recht unterhaltsam. Wer selbst an einem Hausnamensschild interessiert ist, kann sich mit Andreas Barnsteiner unter der Telefonnummer 08861/67034 in Verbindung setzen.

GERHARD HEISS

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