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Michael Adler in seinem Revier: Der 52-jährige Peitinger hat den Flugplatz bei Kurzenried in Eigenregie aufgebaut. Im Hintergrund das neu gebaute Flieger-Stüberl.

Flugplatz Kurzenried

Peitings Sprungbrett in die Alpen

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Vom Fliegen träumen viele, der Peitinger Michael Adler hat sich diesen Traum erfüllt. Seit zehn Jahren betreibt der Pilot den Ultraleicht-Flugplatz hinter Kurzenried. Im Oktober soll das Jubiläum groß gefeiert werden.

Von Christoph Peters

Peiting – Das Fliegen, es hat Michael Adler schon immer fasziniert. Als kleiner Bub kletterte er oft aufs Dach seines Elternhauses bei Berchtesgaden und blickte ehrfürchtig nach oben, wenn die Gebirgsjäger mit ihrem Bell-Hubschrauber im Anflug auf den nahen Stützpunkt dicht über ihn hinweg flogen. „Schon damals war mir klar, ich will auch mal fliegen“, erzählt der Peitinger schmunzelnd. Während Kindheitsträume meist bleiben, was sie sind, ging für Adler der Berufswunsch Pilot tatsächlich in Erfüllung.

Der 52-Jährige sitzt im Flieger-Stüberl am Ultraleicht-Flugplatz nahe Kurzenried. Hinter ihm an der Wand hängen Luftaufnahmen, die das Gelände von oben zeigen. Am Tresen vor dem kleinen Bürobereich steht ein Funkgerät, der Raum ist gemütlich eingerichtet. Von der Terrasse hat man einen perfekten Blick auf die Wiese, die als Lande- und Startbahn dient. Es ist ruhig an diesem sonnigen Tag, nur ein anderer Pilot werkelt an seiner Maschine. Das Flieger-Stüberl, es ist Adlers ganzer Stolz. Drei Jahre hat der Vater von vier Kindern jede freie Minute in den Bau investiert. Überhaupt hat sich viel verändert, seit der Peitinger vor zehn Jahren das Sportfluggelände eröffnete.

Der weite Weg zum eigenen Flugplatz

Schon bis dahin war es freilich ein weiter Weg gewesen. Mit 20 Jahren begann Adlers Flugkarriere wie bei vielen mit Drachen- und Gleitschirmflug. Doch die große Anzahl Gleichgesinnter, die an den Bergen den Himmel bevölkerten, trübten Adlers Freude am Flugsport. „Das hat so geboomt, das war mir irgendwann zu viel.“ Weg von den Massen, das ging nur mit Motorkraft. In Tannheim lernte Adler das Fliegen mit dem Tragschrauber – seine Leidenschaft für Ultraleichtfluggeräte war entfacht. Bald erwarb er sein eigenes Gerät und machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Flugplatz in der Nähe seines damaligen Wohnorts Weilheim. „120 Kilometer nach Tannheim, das war einfach zu weit.“ In Altenstadt durfte Adler zwar starten, doch der Militärbetrieb schränkte die Nutzung stark ein. Schließlich fand der Hobbypilot Unterschlupf in Hausen, wo ihn ein Landwirt seine Wiese für die Fliegerei nutzen ließ. „Das war zehn Jahre Fliegerromantik pur“, erinnert sich der 52-Jährige. Natürlich sprachen sich Adlers Flüge herum und weckten Begehrlichkeiten. „Andere Piloten haben öfter angefragt, ob sie auch starten dürften. Aber ich hatte nur eine Einzelzulassung.“ So sei die Idee für einen eigenen Flugplatz entstanden.

Adler machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Gelände und wurde schließlich hinter Kurzenried fündig. Es folgte ein wahrer Behörden-Marathon, nicht alle sahen das Vorhaben positiv. Der Peitinger Marktgemeinderat sprach sich erst einstimmig dafür aus, revidierte seine Entscheidung allerdings, als Anlieger, Jäger und Landwirte Bedenken äußerten. Die Gemeinde klagte sogar gegen die Genehmigung der Regierung von Oberbayern für den Flugplatzbetrieb, scheiterte aber vor dem Verwaltungsgericht. Der Ärger von damals ist nicht nur bei Adler längst verraucht. Die Angst vor dem großen Fluglärm, sie hat sich nicht bewahrheitet. „Es gibt immer noch viele Leute, die wissen gar nicht, dass da ein Flugplatz ist.“

Blick ins Flieger-Stüberl: Von hier aus leitet Adler alle Flugbewegungen auf seinem Flugplatz.

Unter den Fliegern hat sich das Peitinger Fluggelände allerdings längst herumgesprochen. Am Wochenende kann es schon mal vorkommen, dass 20 Fluggeräte vom Tragschrauber bis zum Ultraleichtflugzeug in Kurzenried starten und landen. Dann ist der Flieger-Treff gut gefüllt. Die Lage mache den Flugplatz zum perfekten Sprungbrett in die Alpen, erklärt Adler. Das zeigt sich auch bei den Rundflügen, die der Peitinger anbietet. Am gefragtesten sei der Ausflug zur Zugspitze, sagt er lachend. Ein paar hundert Mal hat Adler Deutschlands höchsten Berg bereits angesteuert.

Auf dem Weg zur Zugspitze - das gefragteste Ausflugsziel bei Adlers Rundflügen.

Doch der Wahlpeitinger zeigt nicht nur Passagieren die Welt von oben, er bildet seit acht Jahren als Fluglehrer auch neue Piloten aus. Über 7000 Flugstunden kann der 52-Jährige mittlerweile vorweisen. Mehrere Fluggeräte unterschiedlichen Typs parken in dem alten Stadel, den der Peitinger in Eigenleistung hergerichtet hat. Dort steht auch jener Typ Motordrache, mit dem Adler den schwärzesten Moment seines Fliegerlebens verbindet. 2010 stürzte der damals 44-Jährige mit einer Flugschülerin an Bord ab, landet schwer verletzt im Krankenhaus. Höhere Gewalt sei das gewesen, sagt Adler heute. Als bleibende Erinnerung an das Unglück trägt er seitdem eine Titanplatte im Fuß. Ans Aufhören hat er aber nie gedacht. Das Fliegen, es ist seine Passion. Und mittlerweile sein Beruf. Denn für seine Leidenschaft hat der 52-Jährige nach 30 Jahren seinen Job als Disponent der Integrierten Leitstelle Oberland an den Nagel gehängt. „Ich habe keine großen Ansprüche, meine Welt ist der Flugplatz.“

Im Oktober wird das 10-jährige Jubiläum gefeiert: Mit einem Benefiz-Flugtag

Diese will Adler im Oktober mit der Öffentlichkeit teilen. Zum zehnjährigen Jubiläum plant der 52-Jährige am 3. Oktober wieder einen Benefiz-Flugtag, wie es ihn in den ersten Jahren bereits gegeben hatte. Interessierte können dann mit erfahrenen Piloten an Bord verschiedener Fluggeräte Höhenluft schnuppern. Der Traum vom Fliegen, er wird so für Jedermann zumindest für kurze Zeit wahr.

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