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Warben für die Hochmoorrenaturierung (v.l.): Tobias Ehnes (Planungsbüro NRT), Achim Rücker (Landratsamt) und Cornelia Siuda (Klimabeauftragte).

Klimaschutz 

Moor-Renaturierung macht auch Sorgen

Hochmoore zu renaturieren, macht Sinn. Dennoch gab es kritische Stimmen von Seiten der Grundbesitzer bei der Informationsveranstaltung zur Moorkette Peiting-Wessobrunn im Sparkassensaal.

Peiting Rund 2,25 Millionen Euro hat Bayern laut Cornelia Siuda, Klimabeauftragte der Regierung von Oberbayern, bislang im Rahmen des Klimaprogramms Moore (Klip 2050) in die Renaturierung von nicht staatlichen Moorflächen zur Verfügung gestellt. Und das aus gutem Grund. Moore entstehen da, wo ein Wasserüberschuss ist. Durch die Feuchtigkeit werden dort Pflanzen nicht richtig abgebaut, es entsteht Torf. Werden Torfflächen trockengelegt, zersetzt sich dieser an der Luft und gibt den vorher gespeicherten Kohlenstoff ab. „Trockene Torfe gasen erheblich aus und liegen in ihrer CO2-Bilanz gleich hinter der Industrie“, erklärte Cornelia Siuda.

Das war auch der Grund für das 2009 beschlossene Klimaschutzprogramm, das die Renaturierung der Bayerischen Moore bis zum Jahr 2050 vorsieht. Damit kann zum einen die Treibhaus-Gas-Bilanz verbessert werden, zum anderen dienen Moorflächen auch dem Hochwasserschutz, indem sie die Regenwasser-Abflüsse verzögern. Um die Klip 2050-Ziele umzusetzen, betreiben die Klip-Manager der Landratsämter zum einen Flächenaquise und -sicherung am Ankauf. Parallel dazu wird eine moorökologische Planung als staatliche Maßnahme mit Kostenübernahme durchgeführt. Davon können Grundstückseigner profitieren, die bereit sind, ihre Moorflächen zu renaturieren.

„Trockengelegte Moorgebiete sind meist Flächen, die man heutzutage sowieso kaum nutzt“, so Cornelia Siuda. Zudem könnten renaturierte Flächen nach Baurecht als Ausgleichsflächen angerechnet werden, um Ökopunkte zu machen. Probleme machen laut Grundstückseigentümer Heinrich Gruber, der sich zu Wort meldete, vor allem die Randbereiche. Diesbezüglich haben viele Grundstückseigentümer Angst, dass durch die Renaturierung angrenzende Flächen „absaufen“ könnten. Er erinnerte zudem an Notzeiten im 18. und 19. Jahrhundert sowie nach dem Ersten Weltkrieg, die dazu geführt hätten, dass die Gebiete trockengelegt wurden und Torf abgestochen wurde.

Die Sorge eines anderen Besuchers ging in Richtung Nutzung der renaturierten Gebiete. Er wollte wissen, ob weiterhin Wegebau möglich sei. „Der Weg wird nutzbar bleiben“, beschied ihn Achim Rücker, Fachkraft Moore beim Landratsamt. Auch bestehende Gräben dürften wieder ausgebaggert werden. Wenn ein Grundstückseigentümer seinen Wald erhalten wolle, müsse man notfalls Gräben wiederherrichten, damit nichts passiert. Zum Thema Springkraut meinte Rücker: „In einem richtig nassen Moor wird es nicht wachsen!“

Auch das Birklander Filz soll in den Renaturierungsplan aufgenommen werden. Hier stehen 9 Hektar anrechenbare Flächen zugunsten des Öko-Kontos der Gemeinde zur Verfügung. Der Vorteil: Die Maßnahmen werden mit viel Erfahrung und Fördermitteln schonend ausgeführt, wie Tobias Ehnes vom Planungsbüro NRT ausführte.

Was das Schwarzlaichmoor betrifft, kam Widerstand aus dem Publikum. „Das sind sechs Grundstücke. Da werdens Eahna hart tun!“, meinte einer. Cornelia Siuda dazu abschließend: „Wir würden uns freuen, wenn sich der eine oder andere Gedanken macht. Es ist eine gute Möglichkeit, Naturschutz zu betreiben auf Flächen, die niemand weh tun. Und wir müssen nicht alles kaufen. Manche sagen einfach: Macht’s nur!“

Ursula Fröhlich

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