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Feuerwehr und Polizei stehen vor einem Rätsel: Niemand weiß, wie das Bodenfeuer am Sonntag im Filz in Peiting entstanden ist.

Mysteriöser Brand im Torf

Peiting - Unheimliche Geschichten ranken sich seit jeher um Moorgebiete. Ein unerklärbares Phänomen im Filz bei Peiting bietet jetzt Nährboden für eine Grusel-Geschichte mehr: Ein Brand im Torf, von dem sich keiner erklären kann, wo er herkommt.

„Spritzt’s nicht so fest rein – vielleicht kommt der Teufel raus“, hat der Peitinger Feuerwehrkommandant (Kreis Schongau) Rudolf Schropp seinen Männern beim ersten Einsatz zugerufen. 22 Mann haben am Sonntag ein Bodenfeuer mitten im Wald bekämpft. Ein Feuer, das am gestrigen Dienstagnachmittag erneut aufflammte. Es gibt keinen Hinweis auf Brandstiftung.

Als der Feuerwehr am Sonntag um 16.20 Uhr der Brand gemeldet wird, ahnt noch keiner, dass es sich um den mysteriösesten Einsatz handelt, der den Floriansjüngern je untergekommen ist. Als die Männer bei einer großen Fichte im ehemaligen Moorgebiet hinter dem Peitinger Bühlach ankommen, sehen sie, dass der Boden brennt. Untersuchungen mit der Wärmebildkamera ergeben: Das Feuer reicht fast einen halben Meter in den glühenden Boden hinein und ist beinahe 400 Grad heiß. Zehn Quadratmeter sind betroffen, gehandelt werden muss schnell – „das hätte jederzeit hochgehen können und dann hätte es sauber gebrannt“, ist sich der Peitinger Feuerwehrkommandant sicher.

Eine Ursache für den Brand können weder Feuerwehr noch Polizei ausmachen. Nicht eine Fußspur findet sich im Schnee. Und auch ein abgebranntes Lagerfeuer schließen die Ermittler aus. Wo also kam das Feuer an den eisigen Wintertagen mitten im Wald her? „Das ist mysteriös“, meint Rudolf Schropp achselzuckend. Eine Erklärung hat der Kommandant nicht. „Meinen Männern ist das unerklärlich, wo das Feuer hergekommen sein soll“, äußert sich der Schongauer Polizeichef Rudolf Fischer auf Anfrage. „So was haben wir noch nie gehabt.“

Am Dienstagmittag brannte der Boden trotz der Löscharbeiten der Peitinger Feuerwehr an der gleichen Stelle ein zweites Mal.

Entdeckt hatte das Feuer am Sonntag ein Holzbauer, der im Wald unterwegs war – ihm war der üble Brand-Gestank in die Nase gestiegen. Dass sich Torf – im Gegensatz zu Kohle – nicht selbst entzünden kann, da ist sich Experte Dr. Werner Häusler sicher. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bodenkunde der TU München/Weihenstephan kann sich den Moorbrand höchstens so erklären: „Es kann sein, dass das Feuer schon vor dem Schneefall im Boden war“, wo es langsam hätte vor sich hinglimmen können. „Wenn dann Sauerstoff dazukommt, kann sich so was schon mal entzünden.“ Hat ein Waldbauer übriggebliebene Äste an der Stelle verbrannt, wo sich später Glutnester in den Boden gefressen haben? „Die können durchaus im Boden weiterwandern“, so Häusler. Er vergleicht das Phänomen mit einem alten Bollerofen, der noch zehn Stunden nach dem Befüllen und Anheizen vor sich hinglüht. Doch: Von einer Feuerstelle war ja keine Spur. Selbstenzündung kann es aufgrund biochemischer Vorgänge bei Heu geben. Das Phänomen gibt es allerdings weder bei Moor noch bei Torf. „Das Torf liegt ja schon seit hunderten von Jahren da, warum sollte es sich genau jetzt und an dieser Stelle selbst entzünden?“ Bei allem Für und Wider kann auch er sich den Fall nicht erklären. „So etwas habe ich noch nie gehört.“ Trotzdem ist sich Dr. Werner Häusler sicher: „Es muss irgendeine Energiequelle da gewesen sein.“ Eine Energiequelle, die Feuerwehr und Polizei bislang verborgen ist. Die Lösung des Rätsels: Sie ist wohl bereits im Peitinger Moor versunken oder hat sich in Rauch aufgelöst.

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