Am Sonntag nimmt der Peitinger Kirchenmusiker Hermann Mergler Abschied von seinem aktiven Dienst.
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Am Sonntag nimmt der Peitinger Kirchenmusiker Hermann Mergler Abschied von seinem aktiven Dienst.

Am Sonntag Abschieds-Gottesdienst für den Peitinger Kirchenmusiker Hermann Mergler

Nach 33 Jahren das letzte Mal an der Orgel

Gerne hätte er sich mit einer großen Orchestermesse von seinen Peitingern verabschiedet. Doch Corona macht Hermann Mergler einen Strich durch die Rechnung. Verzichten muss der Peitinger Kirchenmusiker ebenso auf einen Stehempfang, wenn er an diesem Sonntag bei seinem Abschiedsgottesdienst um 8.45 Uhr nach genau 33 Jahren zum letzten Mal die Orgel spielt.

Peiting - Was bleibt sind die Erinnerungen an viele schöne gemeinsame Stunden. Inspiriert von der vielfältigen Musik und den Menschen in Peiting, hat Hermann Mergler an den Festtagen und in Konzerten Komponisten aus verschiedenen Epochen erklingen lassen. Erinnert sei dabei nur an den „Messias“ und das „Te Deum“ von Händel, die Theresien- und Mariazeller Messe von Hayden, die Cäcilienmesse von Charles Gounod, die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart, diverse Weihnachtsmessen, die „Misa Criolia“ von Ariel Ramirez, Bläsermessen von Jakob de Haan, Leo Delibes, W. Menschick, ein Magnificat von Francesco Durante und das Adventspiel „Ein Stern wird aufgehen“.

Unvergessen bleiben das Musical „Gilgamesch“ mit dem Kinder- und Jugendchor in der Schloßberghalle, die Melodienreigen „Feste im Jahreskreis“ und der Ballabend „Kauf dir einen bunten Luftballon“ zusammen mit dem Stadtorchester Schongau, das Mergler von 2005 bis 2009 leitete.

Gerne arbeitete er bei Konzerten auch mit den Kirchenchören von Altenstadt und Hohenpeißenberg zusammen. 16 Jahre schätzte man ihn als Dekanats-Kirchenmusiker, und besonders fruchtbar war das Zusammenwirken mit Ernst Schusser vom Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern. So entstand die CD „In Gottes Namen fahren wir ein“ mit geistlichen Volksliedern das Jahr hindurch.

Es wurde Mergler schon etwas wehmütig ums Herz, als er jetzt das Notenmaterial für die Übergabe ordnete. Die Gedanken gehen dabei zurück an den Dienstantritt am 1. März 1988. Damals konnten am Wochenende noch fünf Gottesdienste gefeiert werden. Es waren ja neben dem Pfarrer und Kaplan noch zwei rüstige Ruhestandspriester da. Allein vier Pfarrer und zwölf Kapläne durfte Mergler mit seinem Spiel feierlich begrüßen und wieder verabschieden.

Nicht missen möchte er sein Sabbatjahr in Paraguay, als er 2010 dort beim Projekt „Sonidos de la Tierra“ mit Kindern und Jugendlichen musizierte. Da damals seine Vertretung gut funktionierte, ist er voller Zuversicht, dass Andrea Köntges als Chorleiterin, unterstützt von den Organisten Josef Esterer und Alexandra Okon, die mit großer Freude singende und musizierende Gemeinschaft zusammenhält.

Auf dieses Kapital kann auch sein Nachfolger aufbauen. Da können wieder größere Werke angepackt werden, wenn Corona überwunden ist. Was Hermann Mergler in bester Erinnerung behalten wird, ist das begeisternde Mitsingen der Gottesdienstbesucher, da gestalte sich für ihn Gemeinschaft. Seine von ihm hoch verehrte Hildegard von Bingen brachte es auf den Punkt: „In der Musik hat Gott den Menschen die Erinnerung an das verlorene Paradies hinterlassen.“

„Winter ade, scheiden tut weh“ heißt es in einem Volkslied, und so verspürt Hermann Mergler auch etwas Wehmut, wenn er Abschied von seinem aktiven Dienst in Peiting nimmt. Musiker wird er indes ein Leben lang bleiben und die Freude beim Musizieren mit den vier Kindern und drei Enkeln teilen.

Als Familienmensch freut ihn besonders, dass er jetzt sonntags mehr Zeit für seine Frau Christine hat und seine 94-jährige Mutter in Gauting öfter besuchen kann. Auch will er Gottesdienste in der Michaelskirche in München besuchen, wo er in seiner Kindheit ministrierte. Besonders am Herzen liegt ihm die Familiengeschichte, seine Wurzeln. So hält er das Bild von der Doppelhochzeit seiner Mutter hoch in Ehren. Mit am Tisch saß damals der junge Kaplan Joseph Ratzinger. Die Mutter hatte auch Kontakte zu Jesuitenpater Alfred Delp, der viel Glaube in die Familie getragen hat.

Der Pfaffenwinkel hat es der jungen Familie besonders angetan, deshalb kam man 1988 gerne nach Peiting. Hier will sich Hermann Mergler künftig viel in der Natur aufhalten und eventuell dem Alpenverein beitreten.

GERHARD HEISS

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