Um mehr Artenvielfalt bemühen sich Oliver Born (l.), Michael Knoch (Mitte) und Annette Born in Peiting. Auch Revierleiter Peter Schöler (r.) ist beteiligt.
+
Um mehr Artenvielfalt bemühen sich Oliver Born (l.), Michael Knoch (Mitte) und Annette Born in Peiting. Auch Revierleiter Peter Schöler (r.) ist beteiligt.

Fischereiverein Peiting

Einsatz für bedrohte Arten: Bitterlinge und Teichmuscheln in die Ammer eingesetzt

  • VonTheresa Kuchler
    schließen

Es ist ein Pilotprojekt: Erstmals hat der Peitinger Fischereiverein „Die Fischergilde“das Altwasser der Ammer auch mit Bitterlingen und Teichmuscheln besetzt. Beide bedrohten Arten stehen auf der „Roten Liste“.

Peiting – Das Altwasser der Ammer reicht Michael Knoch bis zu den Knien, als er die Bitterlinge vorsichtig in das neue Gewässer schwimmen lässt. Die hohen Gummistiefel erfüllen an diesem verregneten Sommertag auch außerhalb des Flusses ihren Zweck, schließlich war schon die Anfahrt eine Rutschpartie durch den Schlamm. Kurz vor dem Ziel mussten tiefe Pfützen durchquert werden – ein Resultat der fleißigen Arbeit des ansässigen Bibers.

Knoch, zweiter Vorsitzende der Peitinger „Fischergilde“, hat etwa 200 der kleinen Fische in seinem Gefäß, das er vorsichtig in das Gewässer am Peitinger Wehr leert. Zur Seite steht ihm Jugendwartin Annette Born, die den handgroßen Teichmuscheln in ihr neues Zuhause verhilft. Auch Fischereisachverständiger Oliver Born und Revierleiter Peter Schöler sind dabei, als ihre Kollegen die Ammer mit den bedrohten Tieren besetzen.

Bitterlinge und Teichmuscheln leben in einer Art Symbiose

Dass Bitterling und Teichmuschel gemeinsam eingesetzt werden, ist kein Zufall. Beide Arten leben in einer Symbiose: Um sich fortzupflanzen, legt das Weibchen des Bitterlings mithilfe der sogenannten Legeröhre ihre Eier in dem Kiemenraum der Muschel ab. Vor der Außenwelt geschützt, kann der Fischnachwuchs darin bis zum Larvenstadium heranwachsen.

Dieses Zuhause auf Zeit, das den Bitterling-Eiern genehmigt wird, ist jedoch kein einseitiges Geschäft. Auch die Teichmuscheln profitieren davon, dass die Fische in ihnen heranwachsen. Kurz bevor die Bitterlinge die Atemöffnung verlassen, heftet die Muschel ihre eigenen Larven an sie an. Beim Herausschwimmen tragen die Fische also automatisch zur Verbreitung der seltenen Muschelart bei.

Die gegenseitige Abhängigkeit bedeutet aber auch, dass es bei einem geringen Muschelbestand zu einer Bedrohung der Bitterlinge kommt und umgekehrt. Wie die „Fischergilde“ weiß, sind Schutzmaßnahmen zur Erhaltung eines guten ökologischen Lebensraumes für beide Arten daher notwendiger denn je.

Aktion funktioniert nur durch gemeinschaftliches Handeln

Bitterling und Teichmuschel dürfen heuer zum ersten Mal in die Ammer umziehen. Für den Erhalt anderer gefährdeter Fischarten setzen sich die Peitinger hingegen schon seit vielen Jahren ein. Knoch erklärt: „Als Fischergilde gehen wir unserer Hegeverpflichtung nach. Dabei kümmern wir uns auch um Fische, die mit der Angelfischerei nichts zu tun haben.“ Denn weder Bitterling noch Teichmuschel sind aus Anglersicht rentabel – davon abgesehen stehen beide Arten ohnehin auf der „Roten Liste“ und dürfen nicht gefangen werden. Mit dem Besatz der Tiere in der Ammer hofft der Fischereiverein, einer weiteren Bedrohung entgegenzuwirken.

Möglich machten das Pilotprojekt die Unterstützer der „Fischergilde“, die schon zum Erfolg früherer Aktionen maßgeblich beigetragen haben. So stellte das Bayerische Landesamt für Umwelt, Dienststelle Wielenbach, die 200 Bitterlinge zur Verfügung. Die 40 Teichmuscheln sind eine Stiftung der Lech-Ammer-Gemeinschaft.

Bitterlinge und Teichmuscheln werden behutsam in ihr neues Zuhause gesetzt. Es ist ein Pilotprojekt, dass die Peitinger Fischer wagen.

Dass solche Aktionen nur durch gemeinschaftliches Handeln funktionieren, betont auch Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten, Peter Schöler. Er selbst schätzt die Arbeit mit der „Fischergilde“ und hofft, zukünftig noch weitere, hochwertige Projekte umzusetzen.

Alle Beteiligten sind gespannt, wie sich die beiden Arten in ihrem neuen Zuhause entwickeln werden. „Ob sich die Tiere vermehrt haben, können wir ungefähr im übernächsten Jahr feststellen. Am besten gelingt das im Winter, wenn das Wasser schön klar ist“, meint Knoch.

So ist also noch etwas Geduld gefragt, bis das Ergebnis der Aktion sichtbar wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Aktion der Peitinger „Fischergilde“ fruchtet und die Ammer bald einen üppigen Bestand an Bitterlingen und Teichmuscheln zu verzeichnen hat.

VON THERESA KUCHLER

Schongau-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Schongau – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare