Am 1. Januar 2018 tritt die neue Gebührensatzung für die Peitinger Friedhöfe in Kraft. Foto: Archiv

Neue Satzung beschlossen

Friedhofsgebühren in Peiting steigen kräftig

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Die letzte Ruhestätte auf den beiden Peitinger Friedhöfen wird deutlich teurer: Das geht aus der neuen Friedhofsgebührensatzung hervor, die der Marktgemeinderat am Dienstag beschlossen hat. Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig.

Peiting – Eigentlich hätte die neue Satzung bereits Anfang 2017 in Kraft treten sollen, denn die Friedhofs- und Bestattungsgebühren waren zuletzt 2014 für drei Jahre neu kalkuliert worden. Doch weil schon 2016 klar gewesen sei, dass man 2017 das neue Friedhofskonzept in Angriff nehmen wolle, habe man die Neuberechnung um ein Jahr verschoben, erklärte Kämmerei-Mitarbeiter Manfred Turner am Dienstag in der Gemeinderatssitzung. Schließlich macht die nur Sinn, wenn auch etwaige neue Bestattungsformen darin berücksichtigt sind.

Diese hat der Gemeinderat bekanntlich erst Anfang November beschlossen. Im neuen Friedhof sollen künftig auch Urnenbestattungen in einer Stelenwand, einer Urnengrabanlage und als Baumgrab möglich sein (wir berichteten). Diese Varianten wurden jetzt in die neue Satzung eingearbeitet und gleichzeitig die bestehenden Gebühren angepasst. Die gehen kräftig nach oben.

So kostet die durchschnittliche Erdbestattung eines Erwachsenen mit einem neu zu erwerbenden Einzelgrab ab 2018 1755 statt bislang 1332 Euro bei einer angenommenen Ruhefrist von zehn Jahren – ein Anstieg von 32 Prozent. In gleichem Maß steigen die Kosten bei einem Familiengrab von 1622 auf 2105 Euro. Besonders stark fällt die Anpassung bei den Urnen-Erdbestattungen aus. Sie schlagen künftig mit 1118 statt 638 Euro zu Buche – eine Steigerung von 75 Prozent.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen sei der Anstieg auf normale Kostensteigerungen zurückzuführen, erläuterte Turner. Dazu komme, dass die Gemeinde seit 2015 zahlreiche Aufgaben am Friedhof wieder selbst übernehme, etwa die Leichenwärter- und Beerdigungsdienste. Kosten, die nun zusätzlich in den Gebühren auftauchen, die die Hinterbliebenen aber auch davor schon gezahlt hätten, nur eben an die bis dahin beauftragte Bestattungsfirma, wies Turner hin. Ebenfalls berücksichtigt wurde, dass die Bauhofleistungen nicht mehr pauschal beglichen, sondern auf jede gemeindliche Einrichtung umgelegt werden, was sich ebenfalls auf die Gebühren auswirke.

Bei der Kalkulation spielten laut Turner zudem Aspekte wie Grabgröße und Belegbarkeit eine Rolle. Sie sind auch der Grund dafür, weshalb die Kosten für Urnenerdbestattungen vergleichsweise kräftig zulegen. „Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass wir die Nutzung zu niedrig angesetzt hatten.“ Trotz der deutlichen Anpassung nach oben bleibt diese Form mit 1118 Euro immer noch die zweitgünstigste Bestattungsart. Weniger kostet nur ein Einzel-Baumgrab, das mit 1018 Euro für zehn Jahre zu Buche schlägt. Die beiden anderen neuen Varianten sind teurer. Ein Platz in der Urnengrabanlage kostet 1168 Euro, in der Stelenwand sogar 1514 Euro. „Hier sind die Anschaffungskosten eingerechnet, ebenso wie die Kosten für eine Zweitbestattung der Urne“, erklärte Turner, der betonte, dass man mit den neuen Gebühren auf dem Niveau umliegender Gemeinden liege.

Nicht einverstanden mit der Satzung zeigte sich Gerhard Heiß. Der Friedhof sei eine Visitenkarte des Orts. „Wir müssen schauen, dass die Gräber auch für Leute mit niedrigem Einkommen bezahlbar bleiben“, forderte der CSU-Gemeinderat. Leider habe man die fatale Situation, dass die Friedhöfe als Pflichtaufgabe der Gemeinde kostendeckend zu betreiben seien, während bei freiwilligen Leistungen wie dem Freibad hohe Defizite einfach hingenommen werden könnten. Das allerdings wollte Bürgermeister Michael Asam nicht so stehen lassen. Der Vergleich mit dem Bad hinke. „Wenn wir hier kostendeckend arbeiten, hätten wir einen Eintritt von zwölf Euro, den keiner mehr zahlt.“ Überhaupt sei noch niemand bei ihm vorstellig geworden, weil er die Grabgebühr nicht zahlen könne, hielt er Heiß entgegen und warnte vor einer weiteren Subventionierung.

Immer noch nicht kostendeckend

Tatsächlich bleibt trotz der höheren Gebühren ein voraussichtliches Defizit von rund 4600 Euro, das die Gemeinde aus eigenen Mitteln zuschießt. Grund dafür ist, dass man die Gebühr für die Leichenhausnutzung nicht komplett umlegen will. Zehn Prozent der eigentlichen Kosten, rund 5200 Euro, trägt der Markt. Bei der letzten Gebührenanpassung betrug der in Kauf genommene Verlust noch rund 12 000 Euro pro Jahr, was zum jährlichen Defizit von 17 000 Euro beitrug.

Norbert Merk (CSU) hielt von dieser Praxis nichts. „Für mich ist das ein klarer Verstoß gegen das Kommunalabgabengesetz. Ich kann daher nicht zustimmen.“ Gegen sein Votum und das von Gerhard Heiß wurde die Satzung aber letztendlich mit breiter Mehrheit beschlossen.

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