Gemeinsam mit Regierungspräsidentin Brigitta Brunner (4. v. re.) wurde das rote Band im Innenhof zwischen dem neuen Ost- und Westflügel der Lindenhof-Anlage durchschnitten. Im Hintergrund der nördliche N eubau, welcher 2014 als erster verwirklicht wurde. Foto: Peters

Einweihung in Herzogsägmühle

Wohnanlage Lindenhof: Appartements für jede Lebenslage

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Es ist eines der größten Bauprojekte in Herzogsägmühle: Seit fünf Jahren läuft die millionenschwere Erneuerung des über 80 Jahre alten Wohnkomplex Lindenhof. Jetzt wurde die neue Appartement-Anlage, mit der das Diakoniedorf im Bereich der Wohnungslosenhilfe eine Vorreiterrolle einnimmt, offiziell eingeweiht.

Herzogsägmühle – Wer noch den alten Lindenhof-Komplex im Kopf hat, der dürfte das Areal kaum noch wiedererkennen. Das Salettl ist verschwunden, ebenso die alten Nebengebäude. An ihrer Stelle sind seit 2012 in drei Bauabschnitten drei neue Appartement-Anlagen für ehemals wohnungslose Menschen entstanden. Nur das Haupthaus mit seiner künstlerisch gestalteten Fassade erinnert an früher. Das wird auch so bleiben – zumindest äußerlich. „Wir werden es nicht ersetzen, sondern sanieren“, sagte Andreas Kurz, Leiter des Bereichs Wohnungslosenhilfe, bei der offiziellen Einweihung der neuen Wohnanlage Lindenhof. Bis auch dieser vierte Bauabschnitt fertig ist, wird es freilich noch eine Weile dauern. „Die Finanzierung ist noch eine große Herausforderung“, sagte Kurz.

Doch damit kennt man sich aus im Diakoniedorf. Um das Lindenhof-Projekt überhaupt verwirklichen zu können, galt es im Vorfeld, eine Vielzahl von Klippen zu umschiffen. Denn mit der Idee eines Wohnkonzepts, das sich den Bedürfnissen der immer älter werdenden Bewohner anpasst und nicht umgekehrt, beschritt man völliges Neuland. „Wir brauchten als erstes einen Architekten, der diese Wandelbarkeit des Versatilen Wohnens mitgeht“, blickte Kurz zurück. Den fand man im Schongauer Thomas Baldauf, der mit seinem Team die baulichen Anforderungen in Pläne goss. Ziel sei es gewesen, flexible Grundrisse zu schaffen, die es ermöglichten, die Wohnungen vielfältig zu nutzen, erklärte Baldauf. Der Gedanke: Wird ein Bewohner pflegebedürftig, soll er weiter in seinen vier Wänden versorgt werden können, statt wie bisher in eine entsprechende andere Einrichtung umziehen zu müssen. „Von stationär bis frei vermietbar ist alles möglich“, sagte Kurz mit Blick auf die geschaffenen, barrierefreien Appartements.

Blick in eines der neuen Appartements: Jedes verfügt entweder über einen Balkon oder eine Terrasse. Foto: Peters

Der erste Neubau im Norden mit zwölf Wohnungen ging bereits 2014 in Betrieb. 2015 wurde der Westteil des alten Lindenhof-Gevierts zurückgebaut und durch den neuen Westflügel mit 20 Appartements, einem Speisesaal und weiteren Gemeinschaftsräumen ersetzt. Als letztes folgte der neue Ostflügel mit zwölf Wohnungen, der direkt an das alte Haupthaus angrenzt und im Oktober fertig wurde.

Neben der besonderen Architektur war auch die Finanzierung des 6,8 Millionen Euro teuren Projekts eine Herausforderung. „Sozialrechtlich sind wir da an Grenzen gestoßen, die wir erst einmal überwinden mussten“, sagte Kurz. Hilfe kam in Form eines Pilotprojekts des Bezirks Oberbayern. Zudem gelang es, Mittel aus dem Förderprogramm für den sozialen Wohnungsbau zu akquirieren. Über fünf Millionen Euro flossen aus diesem Topf in das Vorhaben. Geld, das gut investiert sei, betonte Regierungspräsidentin Brigitta Brunner bei der Einweihung. „Ich freue mich, dass wir dieses tolle Projekt unterstützen konnten.“ Nicht nur die Bewohner würden von den neuen Unterkünften profitieren. Auch für die Mitarbeiter biete sich nun ein deutlich besseres Arbeitsumfeld.

Lob gab es auch von Michael Asam, der sein Grußwort nicht nur als Peitinger Bürgermeister, sondern auch in seiner Funktion als Bezirkstagsvizepräsident überbrachte. „So wie Sie die Themen hier angehen, haben Sie meinen größten Respekt.“ Wenn er in München die Leute auf der Straße leben sehe, sei dies ein „grauenhafter Anblick“. Umso wichtiger sei es, solchen Menschen zu helfen, betonte er. „Dafür brauchen wir solche Einrichtungen, wie Sie sie hier schaffen. Davon profitieren wir alle.“

Einer, der dies aus erster Hand bestätigen konnte, war Klaus Henning. „Ich bin letztes Jahr hier eingezogen“, berichtete der 73-Jährige, der selbst noch die alten Vier-Bettzimmer kennen gelernt hatte. Sein Urteil: „Schöner und besser geht’s nicht.“

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