Die beiden Podcaster in ihrem eigens eingerichteten Studio
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Die beiden Podcaster in ihrem eigens eingerichteten Studio: Hier treffen sich Christian Lory (li.) und Patrick Grothmann wöchentlich, um eine neue Folge „Rot oder Rosé“ aufzunehmen. Am gleichen Ort entstehen auch die Episoden zum neuen Gesprächspodcast „Am Ruder“, in dem Lory regelmäßig Persönlichkeiten aus der Region interviewt.

Christian Lory und Patrick Grothmann im Interview

Neuer Podcast „Rot oder Rosé“: Von Peiting quer durchs Universum

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
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Im Peitinger Gemeinderat ist Christian Lory Wortführer der Unabhängigen Peitinger, doch auch privat gibt es vom 34-Jährigen seit kurzem regelmäßig etwas auf die Ohren. Gemeinsam mit seinem Kumpel Patrick Grothmann plaudert der Kaminkehrermeister im Podcast „Rot oder Rosé“ launig munter über Gott, die Welt und regionale Befindlichkeiten.

In der Beschreibung der ersten Folge wird eigentlich schon die entscheidende Frage gestellt: Warum dieser Podcast?

Lory: Ich bin schon länger Podcast-Hörer. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass die Themen, worüber Patrick und ich privat sprechen, oft mit Zeitverzug in den großen Podcasts auch behandelt werden. Da kam die Idee, das selber mal zu versuchen. Zumal wir beide ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die Dinge haben, Patrick der Innovative, ich eher der Rückständige (lacht). Das deckt eine Breite ab, die es nicht in jedem Podcast gibt.

Der Titel lautet „Rot oder Rosé“. Wie kam es dazu?

Grothmann: Wir haben ein Wohnmobil und wollten im Juli an den Gardasee fahren. Meine Frau hat sich dann aber am Fuß so verletzt, dass sie nicht mitkonnte.
Lory: Ich bin dann quasi als Ersatz eingesprungen.
Grothmann: Genau. Am Gardasee haben wir dann unsere erste offizielle Folge aufgenommen, waren uns aber über den Titel noch nicht ganz einig. Bei mir stand während unseres Gesprächs ein Glas Rosé auf dem Tisch, beim Christian ein Rotwein.
Lory: Bei der Bestellung haben wir uns nie einigen können, was wir gemeinsam trinken wollen. Das haben zwei Mädels am Nebentisch mitbekommen und gesagt, dann ist ja klar, wie der Podcast heißen muss: rot oder rosé. Was im Nachhinein ziemlich witzig ist, denn beim Aufnehmen der Folgen trinken wir eigentlich immer nur Bier.

Die Messlatte für Ihren Podcast haben Sie selbst ziemlich hoch gelegt, wenn Sie sagen, dass es einer ist, den es so noch nicht gab.

Lory: Wir sind tatsächlich der erste und größte Podcast im Oberland, Lechrain und dem Pfaffenwinkel, ja bis ins Allgäu hinein. Das hat uns am Ende auch bewogen, dass wir mehr regionale Themen mit hineinnehmen, um einen Mehrwert für die Leute vor Ort zu schaffen.

Sie haben sich sogar extra ein Studio eingerichtet.

Grothmann: Wir waren zuerst im ausgebauten Hobbyraum bei mir im Keller, saßen uns dort in zwei Sesseln gegenüber mit einem Mikro in der Mitte. Das war so ein bisschen Wohnzimmerfeeling. Jetzt sind wir beim Christian in einem eigenen Raum, wo jeder sein eigenes Mikro hat. Es hat ein bisschen gebraucht, bis wir uns da heimisch gefühlt haben. Aber das Sounderlebnis ist jetzt viel besser.

Gleich in der ersten Folge geht es um Donald Trump, gleichzeitig philosophieren Sie übers Barfußgehen und über Kurzarmhemden. Wie denkt man sich so eine Kombination aus?

Grothmann: Mich regen einfach zum Beispiel Leute mit karierten Kurzarmhemden auf. Da habe ich an dem Tag der Aufnahme zwei gesehen, das musste ich einfach loswerden. Trump war zu dieser Zeit auch aktuell, eigentlich zieht sich der so bis zuletzt durch alle Folgen. Es ist aber nicht so, dass alles spontan geschieht.

Das heißt, es gibt einen Plan, dem Sie folgen?

Grothmann: Wir besprechen uns eine halbe Stunde vorher, sammeln die Themen, die wir behandeln wollen. Man muss aber aufpassen, dass man nicht zu viel vorbespricht, sonst ist die Gesprächsdynamik dahin und es ist nicht mehr authentisch. Da leidet auch unsere Freundschaft indirekt drunter, weil wir uns nicht mehr so oft treffen, um nicht zu viel vorwegzunehmen.
Lory: Der Zuhörer merkt, wenn man versucht, zwanghaft irgendwelche Themen abzuarbeiten. Oft kommt es vor, dass die Gespräche bei uns in eine ganz andere Richtung gehen, als wir sie uns vorher überlegt hatten. Aber das macht eine natürliche Unterhaltung auch aus. Es soll locker-flockig sein und nicht verkrampft.

Die Episoden tragen Titel wie „Sanfter Freitagsantrunk in Höschen“, „Eierstockverstärkung“ oder „Kreuzfahrt durchs Universum“. Klingt nach, ja, nach was denn eigentlich?

Grothmann: Wir setzen uns meist danach hin und überlegen, wie wir die Folge nennen sollen. Bei „Kreuzfahrt ins Universum“ haben wir uns zum Beispiel über das Weltall unterhalten. Ich komme ja aus der Luft- und Raumfahrtbranche.
Lory: Auf der anderen Seite waren Kreuzfahrten das Thema, dass man die eigentlich verbieten soll. So ergänzt sich das, der Titel soll ja den Inhalt irgendwie abbilden.

Gibt es eine persönliche Lieblingsfolge?

Lory: Schongau war gut. (lacht)

Da kommen wir gleich noch drauf.

Grothmann: Die Camping-Folge mag ich persönlich sehr gern, weil es unsere erste war und wir da völlig unbedarft reingegangen sind. Die Soundqualität ist aber leider unfassbar mies.

Eine Besonderheit, die Sie immer wieder betonen, ist, dass der Podcast nicht geschnitten ist.

Grothmann: Stimmt. Wir schalten ein und am Ende aus, da wird nichts rausgenommen. Das wäre auch viel zu aufwendig.

Muss man da nicht höllisch aufpassen, dass man nichts Falsches sagt?

Lory: Das ist die Krux, aber ich sehe einen Podcast nicht so todernst wie eine Gemeinderatssitzung. Es ist charmanter, lockerer, eher so stammtischmäßig. Da kann man die Worte nicht so auf die Goldwaage legen.

Gibt es Beiträge, wo Sie sich später gedacht haben, das hätte ich mir besser verkneifen sollen?

Grothmann: Ich vermeide es eigentlich, die Folgen nochmal anzuhören. Sonst überlegt man nur, was man anders hätte machen sollen, wo man besser etwas anderes zum Thema gesagt hat.
Lory: Ich höre mir das schon an.
Grothmann: Sieht man wieder, wir beide sind komplett unterschiedlich (lacht).

Sie haben die Folge schon angesprochen, in der es um die Wahlanfechtung in Schongau geht. Sie, Herr Lory, bezeichnen darin den CSU-Stadtrat Michael Eberle als „Depp“. Geht sowas nicht zu weit?

Lory: Ich habe mich im gleichen Augenblick korrigiert, mich entschuldigt und das Wort „Depp“ zurückgenommen.

Sie haben dann einen Unsympathen daraus gemacht.

Lory: Für mich ist Unsympath die politisch korrekte Bezeichnung. Wenn man die Trumpisierung anschaut, die um sich greift, wo die AFD ebenfalls damit beginnt, Briefwahlen anzufechten und all diese Dinge, da macht Eberle ja nichts anderes. Wenn sich jemand als Richter auf so ein Eis begibt, darf man schon die Frage stellen, ob er sich im Rechtsstaat nicht eigentlich besser auskennen sollte.
Grothmann: Grundsätzlich scheuen wir uns nicht, alles zu sagen. Es ist unser privater Podcast. Aber ich fand es gut, dass Christian sich hier korrigiert hat.

Für mich ist Unsympath die politisch korrekte Bezeichnung.

Christian Lory über den Schongauer Stadtrat Michael Eberle

Lokale Politik kommt im Podcast immer wieder zur Sprache. Sie hatten zum Beispiel die beiden Initiatorinnen des Peitinger Bürgerbegehrens gegen den Baumarkt zu Gast. Bricht da der Gemeinderat bei Ihnen durch, Herr Lory?

Lory: Natürlich gehört das ein Stück weit zu meiner Person. Wenn es ganz arg ist, dann kann ich es mir nicht verkneifen, meine Meinung zu sagen. Aber im Verhältnis unterhalten wir uns eher weniger über Themen aus dem Peitinger Gemeinderat. Es soll kein politischer Podcast sein, in dem man die Zuhörer von seiner Sache überzeugt.

Wie ist das Feedback der Zuhörer bzw. gibt es überhaupt welche, die Ihre Unterhaltungen verfolgen?

Grothmann: Am Anfang war es eher der Freundeskreis, mittlerweile kriegen wir vermehrt Zuschriften von Leuten, die sagen „Super gemacht“ oder sich wünschen, dass wir über ein bestimmtes Thema reden sollen.
Lory: Es kommen auch mal Korrekturen. Da sind wir uns aber auch nicht zu fein, dass wir das in der nächsten Folge richtigstellen.

Kann man sagen, wie viele Zuhörer Ihr Podcast regelmäßig hat?

Grothmann: Das ist ziemlich komplex, aber grob gesagt haben wir pro Folge um die 400 Zuhörer. Das ist ganz beachtlich, wir machen ja keine Werbung dafür. Bei uns steht der Spaß im Vordergrund.

Es gibt mittlerweile noch einen zweiten Podcast. „Am Ruder“ heißt er, darin interviewen Sie, Herr Lory, Persönlichkeiten aus der Region. Ist das jetzt der seriöse Bruder von „Rot oder Rosé“?

Lory: „Rot oder Rosé“ ist sicher der humorvollere und spaßigere Podcast. Bei „Am Ruder“ ist das Konzept auch ein völlig anderes. Hier geht es nicht um die wöchentlichen Entwicklungen, sondern es steht der Gast im Vordergrund. Mich interessiert die Geschichte der Leute, was sie zu sagen haben, was sie tun und warum. Ob das Künstler, Politiker oder Unternehmer sind, ist da erstmal egal.

Wie ist die Resonanz der potenziellen Gesprächspartner auf Ihre Anfrage? Ein paar Gespräche haben Sie ja bereits geführt, unter anderem mit Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman, dem Autor Hans Schütz und dem Künstler Bernd Zimmer.

Lory: Überraschend positiv. Der Großteil sagt zu, die Männer noch eher als die Frauen. Dabei ist für die meisten das Format völliges Neuland, kaum einer hat bislang einen Podcast gemacht. „Am Ruder“ ist auch der erste Gesprächspodcast in der Region.

Jede Woche erscheint eine neue 60-minütige Folge von „Rot oder Rosé“. Mittlerweile gibt es bereits 26 Episoden. Wie lange glauben Sie, dass Sie das Tempo durchhalten können?

Lory: Erstaunlicherweise gibt es bei uns noch keine Ermüdungserscheinungen. Die meisten Podcasts hören im Schnitt nach sieben Episoden auf, sei es, weil er sich nicht entwickelt hat, wie erwünscht oder die Ersteller den Aufwand unterschätzt haben.
Grothmann: Die Basis für einen guten Podcast ist, dass man reden will. Wir beide unterhalten uns gerne und viel. Ich sehe uns daher eher erst am Anfang als am Ende.

Alle Infos rund um die beiden Podcasts finden sich auf der Internetseite www.amruder.de. Dort lassen sich auch alle bislang erschienen Episoden anhören. Alternativ sind „Rot oder Rosé“ und „Am Ruder“ natürlich auch kostenlos über die großen Streaminganbieter wie Spotify, Amazon Music oder Apple abrufbar.

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