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Das neue Appartementhaus an der Münchener Straße: Erst von der Rückseite aus betrachtet wird die Größe und besondere Architektur des Gebäudes deutlich, in dem 19 Kleinwohnungen für Menschen mit seelischer Erkrankung entstanden sind.

Neues Wohnangebot in Peiting

19 Appartements für „bestmögliche Förderung“

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Was Bauprojekte angeht, hat man in Herzogsägmühle viel Erfahrung. So herausfordernd wie das jetzt eingeweihte neue Appartementhaus an der Münchener Straße in Peiting für Menschen mit seelischer Erkrankung war ein Vorhaben des Diakoniedorfs aber wohl noch nie.

Peiting – Im Vorbeifahren betrachtet, wirkt das neue Gebäude in unmittelbarer Nähe des Mühlbachs kaum markanter als ein größeres Einfamilienhaus. Die wahren Dimensionen werden erst klar, wenn man von der anderen Seite einen Blick auf das neue Appartementhaus wirft. Der L-förmige Bau erstreckt sich über vier Ebenen und wurde regelrecht in den Hang, der dort steil von der Straße abfällt, hineingebaut. Architekt Fritz Weinberger sprach denn auch bei der offiziellen Einweihung des Komplexes am gestrigen Freitag von einem „außergewöhnlichen Bauvorhaben“.

Gekauft hatte Herzogsägmühle das Grundstück laut Diakoniedorf-Direktor Wilfried Knorr bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts. Das bestehende Haus im unteren Teil wurde damals umgebaut und für die Jugendhilfe genutzt. Später zog dort der Fachbereich „Menschen mit seelischer Erkrankung“ ein. „Das neue Haus ist quasi ein Anbau“, sagte Knorr, auch wenn beide Gebäude nicht baulich mit einander verbunden sind. Für die künftigen Bewohner, die unter einer seelischen Erkrankung oder der Doppeldiagnose Psychose und Lernbehinderung leiden, wurden 19 Kleinwohnungen mit rund 32 Quadratmetern geschaffen, alle ausgestattet mit einem Wohn-Schlaf-Essbereich sowie eigenem Bad. Dazu kommen Gemeinschaftsräume und Büros für die Betreuer. 

„Wir können hier die bestmögliche Förderung bieten“, freute sich Knorr – in einem Haus, das weniger von der „Diagnose als vielmehr von den Chancen geprägt“ sei. Dass das neue Wohnangebot in Peiting und nicht in Herzogsägmühle entstanden sei, wertete Knorr als wichtiges Zeichen für die Inklusion. Er sei dankbar, dass Bürgermeister und Gemeinderat diesen Kurs unterstützen. Und natürlich freue er sich darüber, „dass wieder etwas fertig ist und wir hier keinen Berliner Flughafen oder Stuttgart 21 haben“.

Vor dem Neubau: (v. li.) Direktor Wilfried Knorr, Architekt Fritz Weinberger, Architektin Gabriele Anderl, Gemeinderätin Silvia Ruhfass-Bückle, Heimbeiratsvorsitzender Philipp Hase und Fachbereichsleiter Peter Walter.

Doch dass das neue Appartementhaus pünktlich übergeben werden konnte, damit war während der Bauphase nicht unbedingt zu rechnen gewesen. Denn mehrmals geriet der Zeitplan kräftig ins Wanken. So mussten schon kurz nach dem Spatenstich im Mai 2016 die Erdarbeiten wieder eingestellt werden. Beim Graben war man auf eine wilde Hausmülldeponie gestoßen, welche nirgendwo verzeichnet war. Die lag außerdem so tief, dass sie bei der im Vorfeld durchgeführten Beprobung des Geländes nicht aufgefallen war. „Wir mussten 980 Tonnen Müll entsorgen“, erklärte Weinberger.

Ein riesiger Aufwand, zumal man die Menge „nicht eben mal nach Erbenschwang fahren kann“. So landete das belastete Material teils sogar auf Deponien anderer Bundesländer. Durch die zusätzlichen Erdarbeiten geriet noch dazu der Untergrund in Bewegung, der Hang musste aufwändig verbaut werden. All das schlug sich im Budget nieder. Rund 240 000 Euro kamen so am Ende zur Bausumme von 2,2 Millionen Euro hinzu. „Aber wir haben das gut hinbekommen.“

Das gilt auch für ein weiteres Detail, das Weinberger wichtig ist. Dadurch, dass das neue Gebäude tief im Hang sitzt, bekommt das untere Haus weiterhin genug Sonne ab. Apropos Sonne: Geheizt wird das Appartementhaus über Erdwärmepumpen, acht Erdsonden wurden dafür in den Boden getrieben.

Der Aufwand hat sich gelohnt, darüber waren sich am Freitag bei der Einweihung alle einig. Ein „wunderschönes Haus“ sei es geworden, lobte Fachbereichsleiter Peter Walter, der sich für den riesigen Einsatz sowohl der Architekten als auch seiner Kollegen bedankte. Auch Gemeinderätin Silvia Ruhfass-Bückle, selbst Hilfeberechtigte, geriet angesichts des großzügigen Gebäudes ins Schwärmen und begrüßte die gelungene Nachverdichtung.

Im Anschluss segnete Pfarrer Dirk Wollenweber das Haus. Bereits in der nächsten Woche sollen die ersten Bewohner die neuen Appartements mit Leben füllen.

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