Da hängen die Ohren herunter: Die Pandemie zieht auch für den Peitinger Albert Schmid und seine Klein-Widder einschneidende Konsequenzen nach sich. Ohne Ausstellungen und Märkte können die Züchter ihre Tiere weder präsentieren, noch verkaufen. Schmid
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Da hängen die Ohren herunter: Die Pandemie zieht auch für den Peitinger Albert Schmid und seine Klein-Widder einschneidende Konsequenzen nach sich. Ohne Ausstellungen und Märkte können die Züchter ihre Tiere weder präsentieren, noch verkaufen.

Hohe Nachfrage, weniger Betände

„Ganz massiv betroffen“: Ohne Schauen ist bei Züchtern Motivation weg

  • vonChristian Heinrich
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Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen machen auch nicht vor den Kleintierzüchtern in der Region Halt. Denn trotz starker Nachfrage reduzieren vielen von ihnen wegen Corona ihre Bestände.

Landkreis – Die erste Brut blieb hinter den Erwartungen zurück. Aus den 40 Eiern seiner Zwerg-Wyandotten, die Albert Schmid im März in den Brutapparat eingelegt hatte, schlüpften gerade einmal 15 Küken. „Die Befruchtung war nicht so toll“, stellt der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins Peiting fest, dass sein Hahn die häuslichen Pflichten nur bedingt erfüllte.

Nun kommt es immer einmal vor, dass der Schlupf beim lieben Federvieh nicht optimal verläuft, doch in diesem Jahr reagieren die Hobbyzüchter etwas sensibler als sonst auf solche Symptome. Die Vogelgrippe, aber vor allem die Corona-Pandemie, haben den Liebhabern von Hühnern, Enten, Gänsen, Puten, Tauben und Kaninchen in den vergangenen 14 Monaten schwer zugesetzt. „Wir sind ganz massiv davon betroffen“, gibt Schmid zu.

Nicht mal ein Festabend zum 90.

Am meisten leiden die gut 100 Mitglieder seines Klubs darunter, dass das gesamte Vereinsleben brach liegt. Gerade zwei Versammlungen konnten die Peitinger im vergangenen August und September abhalten. Danach war zum Leidwesen aller wieder Schluss.

Dabei standen die Höhepunkte des Jahres erst noch an. Groß wollten die Peitinger Tierfreunde ihr 90-jähriges Jubiläum feiern. Doch Corona sorgte dafür, dass auch der große Festabend in der Herzogsägmühle ins Wasser fiel. Seitdem richtet Schmid hin und wieder per Brief ein paar aufmunternde Worte an seine Mitglieder.

„Die Pandemie ist schlecht für die Zusammenkünfte und den persönlichen Austausch“, jammert auch Georg Hermann über ein Phänomen, das momentan die ganze Welt in Atem hält. Eine allgemeine Austrittswelle kann der Vorsitzende des Verbandes Bayerische Rassegeflügelzüchter zwar nicht konstatieren, doch ohne Versammlungen, Ausstellungen und Märkte fehlt der gesamten Szene das gemeinschaftsstiftende Element. „Man muss schauen, dass man die Motivation aufrecht erhält“, appelliert Hermann an die Verantwortlichen in den Vereinen.

Keine Bundesrammlerschau, keine Junggeflügelschau

Wegen des Lockdowns fielen im vergangenen Herbst und Winter sämtliche Ausstellungen aus. „Das ist bitter“, klagt Schmid, „man will sich ja mit seinen Kollegen messen“. Mit seinen rhönfarbigen Klein-Widdern konnte er deshalb nicht bei der Bundesrammlerschau in Ulm antreten.

Aber auch die Geflügelzüchter guckten in die Röhre, weil sowohl die Schau des Verbands Deutscher Taubenzüchter (VDT) in Leipzig, als auch die Deutsche Junggeflügelschau in Hannover wegen Corona abgesagt wurden. Als eine der ersten Ausstellungen wurde die Bayerische Landesschau aus dem Programm genommen. So konnten die Top-Züchter aus dem Oberland mit ihren Tieren weder Landes-, noch Deutsche Meisterschaften erringen.

Aber auch auf lokaler Ebene gab es keinen gemeinsamen Wettstreit um die schönsten Rassevertreter. „Was sollen wir noch viel machen, wenn wir keine Ausstellungen mehr haben?“, stellten vor allem die älteren Zuchtfreunde gegenüber Schmid die Sinnfrage. Nicht nur die Senioren, die in der Regel in jedem Verein die Mehrheit bilden, sondern auch das gute Dutzend Jugendlicher im Verein litt darunter, dass es seine Nachzucht auf der eigenen Lokalschau nicht präsentieren konnte, wo sonst gut und gerne bis zu 700 Tiere die Käfige bevölkern. „Wenn das nicht geht, ist bei vielen die Motivation dahin“, räumt Schmid ein.

Zwar beschäftigen sich die meisten Züchter aus ganzem Herzen mit ihren zwei- oder vierbeinigen Lieblingen. Aber am Ende des Jahres möchte jeder gerne eine Bestätigung, ob er mit seiner Arbeit weitergekommen ist. „Man kann nur am lebenden Tier diskutieren“, stellt auch Elmar Sistermann klar, dass es den gemeinsamen Austausch am Ausstellungskäfig zur eigenen Standortbestimmung einfach braucht. Als Preisrichter hat der Penzberger jahrzehntelang Tauben bewertet.

Viele legen sich Haustiere zu

Gefachsimpelt wird jedoch nicht nur auf den zahlreichen Schauen, sondern auch auf den Märkten. Bis zu 400 Besucher kamen beim Kleintiermarkt des Vereins der Rassegeflügel-, Vogel- und Kaninchenzüchter Weilheim jedes Mal zusammen. „Wegen der Pandemie hatten wir keine Chance, eine Genehmigung zu bekommen“, bedauerte es Bernhard Scheurer, dass er im vergangenen Jahr den Taubenfuggerern aus der Umgebung keine Möglichkeit bieten konnte, ihren Handel in den Hochlandhallen abzuhalten. Stattdessen muss sich der Vorsitzende des VDRVK etwas einfallen lassen, wie er Hunderte von Anfragen nach Hühnern und Kaninchen bedienen kann, die seitdem per Mail bei ihm eingetroffen sind.

„Wegen Corona haben sich viele Haustiere zugelegt“, spricht Scheurer von einem allgemeinen Trend, den Herrmann für den gesamten weiß-blauen Freistaat bestätigt. „Wir haben einen Zulauf, weil die Leute mehr zuhause sind“, nennt er zur Abwechslung mal einen positiven Effekt der Pandemie.

Besonders nachgefragt werden schon seit einiger Zeit Hühner. „Die Leute wollen Eier aus dem eigenen Garten haben“, spricht Scheurer sogar von einem „Boom“, der durch den Bewusstseinswandel der Verbraucher Auftrieb erhält, sich wieder gesund zu ernähren. Für drei, vier Hennen findet sich im Garten immer noch ein Plätzchen. Aber auch Kaninchen stehen hoch im Kurs, während Gänse und Enten nur hin und wieder auf den Bestellzetteln stehen.

Viele reduzieren ihre Bestände

Nur Tauben befinden sich in der Gunst der Interessenten im Sinkflug. Allerdings werden potenzielle Käufer in diesem Jahr lange suchen müssen, um die gewünschten Tiere zu bekommen. Viele Züchter haben auf die Pandemie reagiert und ihre Bestände reduziert, da sie davon ausgehen, dass es auch in diesem Jahr keine Ausstellungen und Märkte geben wird.

Deshalb erlebte auch das eine oder andere vielversprechende Tier diesen Frühling nicht mehr. „Es wurden Tauben und Hühner geschlachtet, die gut und gerne mit vorzüglich oder hervorragend benotet worden wären“, bedauert Herrmann, dass viele kostbare Exemplare weder in der eigenen Zucht eingebaut, noch veräußert werden konnten. „Viele wollen es heuer nicht übertreiben“, spricht Schmid von einer allgemeinen Zurückhaltung, die sich in diesem Frühjahr unter den Züchtern breit gemacht hat.

Natürlich hoffen Schmid und seine Züchterkollegen, dass im Herbst wieder Ausstellungen und Märkte stattfinden. Eine Garantie darauf haben sie jedoch nicht. Dabei fehlt es im Gegensatz zu anderen bayerischen Regionen in Oberbayern nicht einmal an der nötigen Nachfrage nach Kleintieren.

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