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Zieleinfahrt in Schongau: Bürgermeister Falk Sluyterman und Landrätin Andrea Jochner-Weiß winken den Neuntplatzierten durch – einen Porsche 356 B, gefahren von Kurt Porsche und Hermann Mair.

Pfaffenwinkel Classic 2017 

Oldie-Rallye ein Zuckerl, das schmeckt

Ein ausgesprochen tolles Rezept: Man nehme 95 hammerstarke Oldtimer, lasse diese an zwei Tagen durch den malerischen Pfaffenwinkel rollen und unterziehe Fahrer und Beifahrer verschiedener Wertungsprüfungen. Was dabei rauskommt? Natürlich die Pfaffenwinkel Classic, eine bei Motorsport Enthusiasten beliebte Rallye. Alle zwei Jahre wird sie vom Lions-Club Schongau-Pfaffenwinkel veranstaltet. Ein Zuckerl, das schmeckt.

Peiting/Schongau – Da stehen sie, die heißen Kisten der Oldtimerszene. Alles, was das Herz motor- und kolbenmäßig höher schlagen lässt, ist am Peitinger Hauptplatz vertreten. Von den Chromteilen und Monza-Plaketten gar nicht zu sprechen. Fein aufgereiht stehen sie da, wie die Models bei einer Schönheitswahl. 95 Fahrer mit ihren Beifahrern nehmen an der 7. Auflage der Pfaffenwinkel Classic teil, die mit der Wertungsprüfung „Grand Prix von Peiting“ am Hauptplatz beginnt.

Vor der großen Ausfahrt hat das sechs Mann starke „Edel-TÜV-Team“ eine Kontrolle bei den Fahrzeugen vorgenommen. Sie finden alles, was nicht hupt oder blinkt. Auch Dr. Kurt Vialon aus Schongau muss noch auf die Schnelle den Blinker an seiner Gangsterlimousine richten. Vialon schraubt und klärt über seinen Citroen Traction Avant auf. Auch darüber, woher der Name „Gangster“ kommt: „Die Gangsterlimousine hatte sechs Zylinder, die Polizeiversion nur vier.“ Also wegen zwei Zylindern mehr lieber Gangster statt Polizist.

Start 14.01 Uhr Ortszeit: Halt, bevor die blinkenden Schmuckstücke von Bürgermeister Michael Asam auf die Reise geschickt werden, greift dieser neben der Starterfahne noch zum Mikrofon: „Diese Veranstaltung ist eine der interessantesten in Peiting und eine große Attraktion für unsere Gemeinde.“ Sagt’s, und schickt zusammen mit Rallye-Leiter Bernhard Steigenberger vom MSC Bayerischer Rigi nach guter alter Tradition den legendären ADAC Straßenwachtkäfer auf die Strecke.

Schlag auf Schlag überfahren die Fahrzeuge im Minutentakt die Startlinie. Mit Nummer 37 ein Nostalgiehammer. Das älteste Fahrzeug ist Baujahr 1931 und glänzt wie aus dem Ei gepellt. Fahrer Hermann Ungurean aus Lechbruck hat ihn selbst restauriert, vor wenigen Tagen wurde der Maschinenbauingenieur im Ruhestand damit fertig. Alles funktioniert genau wie früher. Die gedämpfte Landhupe wegen der Pferde und die Stadthupe für schlecht hörende Städter. Barbara Langgartner sitzt stolz daneben, ihr gehört das gute Stück. Aber es selbst zu steuern, verweigert sie.

Keinesfalls von einer Verweigerung kann man bei den „Mollycoddles“ sprechen. Mit sage und schreibe fünf rausgeputzten Oldtimern ist die „Weichei Truppe“ über 700 Kilometer aus dem Norden nach Peiting gekommen. Oberweichei Manfred Breyer ist das 6. Mal hier mit dabei. Den Namen der Gruppe hat diese übrigens ihm zu verdanken. Hat er es doch gewagt, bei einem Rennen sein Verdeck des Cabriolets zu schließen, nur weil ein heftiger Platzregen niederging. Unfassbar.

Vier ganz treue Seelen in Sachen „mit dabei sein“ sind Hubert und Renate Stocker aus Prem und Xaver und Erika Kögel aus Ingenried. Die beiden heimischen Teams waren bei allen sieben Rennen mit am Start. Also von Anfang an dabei. Und sie setzen noch eins drauf. An allen Rennen gingen sie mit den selben Oldtimern an den Start. Die Stockers mit ihrem 356 Porsche Cabrio und die Kögels mit dem BMW 1602.

Und da ist noch die Geschichte von dem Baron. Michael Baron von Hohenhau fuhr die ersten Male mit seiner Ehefrau. In der Wertung – Mittelfeld. Sie wurde schwanger, er holte sich einen neuen Co. und landete mit seinem Austin Healey ganz vorne. Fazit: Mittlerweile zwei Kinder und der Co Dr. Jürgen Liedl durfte bleiben. Wenn das die Alice Schwarzer liest!

Ankunft aller am ersten Tag war der Schongauer Marienplatz. Von dort aus wurden am Sonntag die Teilnehmer zur zweiten Runde losgeschickt. Nicht gerade bei idealem Wetter, aber was so ein richtiger Rallye-Fahrer ist, schluckt auch die „Pille Regen“. Die Startflaggen schwenkten in harmonischer Zweisamkeit Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Bürgermeister Falk Sluyterman.

Siegerehrung Ballenhaus: Eigentlich sind alles Sieger, die nach der anspruchsvollen Fahrt am Sonntag wieder ohne Panne am Marienplatz angekommen sind. Die Nase vorn hatten am Ende die Lokalmatadoren Günter Kuchler (Hohenpeißenberg) und Thomas Gebhard (Peiting) mit ihrem Opel Kadett C Coupé.

Hans-Helmut Herold

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