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„Aktionstag Musik 2019“: Regelrecht verliebt in ihren Heimatort sind die „Klösterle Singkinder“ von Marianne Baab.

Rückblick

Peiting: 2019 war ereignisreich, 2020 wird genauso

Wie Perlen an einer Schnur haben sich die Ereignisse des Jahres 2019 aneinander gereiht, das als „Jahr der Heimatpflege“ in die Chronik eingehen wird. Hier ein kleiner Rückblick.

Peiting – Angefangen von der Überlassung des 2,5 Hektar großen Grundstücks um das freigelegte Badehaus der Villa Rustica über abgeschlossene Restaurierungen und Neuerscheinungen von Büchern mit historischen Forschungsergebnissen bis hin zur Uraufführung des Jubiläumsmarsches der Knappschafts- und Trachtenkapelle: Dank des Heimatbewusstseins der jungen Generation, hält auch 2020 Peiting einige Schmankerl bereit. So stehen beim Bauernstammtisch im Februar die Hausnamen im Mittelpunkt, und bei der VHS-Führung „100 Genussorte Bayerns“ wird eine weitere Attraktion im ehemaligen Bergwerksgelände zu sehen sein.

Der Erwerb des Grundstücks der Villa Rustica zur Sicherung des einzigartigen Bodendenkmals gehörte seit der Entdeckung im Jahre 1956 zu den Träumen des früheren Bürgermeisters und Ortsheimatpflegers Karl Fliegauf. 13 Jahre nach dessen Tod wurde er nun wahr. Erfreulich auch, dass das dort gefundene Bleitäfelchen, der „Peitinger Liebeszauber“, den Flyer und den Buchrücken der „100 Heimatschätze Bayern“ ziert.

Dank der jahrelangen unermüdlichen Recherche von Hans Gast gewährt die Chronik „125 Jahre Raiffeisenbank Pfaffenwinkel“ einen Einblick in die Entwicklung der Gemeinde, des Bankwesens und des bäuerlichen Lebens. Das segensreiche Wirken von Pfarrer Georg Braun, Gründer des Darlehenskassenvereins, zwischen den Jahren 1893 und 1923 prägt noch heute das Ortsbild positiv mit. Angefangen von der alten Mädchenschule über das Marienheim bis hin zur Lourdesgrotte auf dem Kalvarienberg.

Rechenmaschinen aus längst vergangenen Tagen zeigte Hans Gast bei der Peitinger Museumsnacht 2019.

Interessant auch die historischen Bilder der Dampf-Dreschmaschine, dem 1968 abgebrannten Dreschstadel und dem alten Lagerhaus am Ostbahnhof. Eine wahre Fundgrube ist ebenso das Buch von Günter Baumgartner über die Revolution 1918/19 in Oberbayern. So weiß die SPD jetzt, dass ihre Gründung in Peiting bis ins Jahr 1918 zurückgeht.

Fesselnd zu lesen ist auch das Buch vom Lech, in dem Zeitzeugen lebendig berichten, unter anderem Hans Schütz und Werner Schmitt. In frischem Glanz nach fachgerechten Restaurierungen erstrahlen in Peiting die Pestkapelle, die Barbara-Kapelle in Hohenbrand und das Kreuz in der Heinrichstraße.

Erfreulich zu sehen war und ist auch, dass die Chöre, Sing- und Musikgruppen in Peiting ihrem Nachwuchs von Kindesbeinen an die Heimatliebe vermitteln. So arbeitet der Kirchenchor seit Jahren mit Ernst Schusser vom Volksarchiv Oberbayern zusammen. Der Männerchor des Trachtenvereins „Alpenrose“ ließ heuer nach der Bergmesse am Wanker Fleck wieder das zu Herzen gehende „Goaslstoa-Liad“ erklingen, das Theodor Ulrich in den 30-er Jahren verfasste. Helmut Kirschner hat 2004 den Text bearbeitet, der Satz stammt von Alfred Haslauer. Eine wahre Liebeserklärung an den Mythos Geiselstein, dem „Peitinger Matterhorn“.

Peiting 2020: Jubiläumsjahr und Heimatlied

100 Jahre Knappschafts- und Trachtenkapelle Peiting wird heuer vom 25. bis 28. Juni zusammen mit 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Peiting und dem Bezirksmusikfest groß gefeiert. Zu diesem Jubiläum gönnen sich die Musiker als Geburtstagsgeschenk einen traditionellen Marsch, den sie als Auftragskomposition an Thomas Greiner vergeben haben. 

Damit wollten sie unbedingt einen Bezug zu ihrem Heimatort Peiting und seiner Geschichte herstellen und sind so auf das „Peitinger Heimatlied“ von Schwester Maria Albertis gestoßen. Die aus Jetzendorf stammende Arme Schulschwester hat es 1931 gedichtet und die erste Stimme der Melodie dazu komponiert. In Peiting hatte sie sich wohl schon im Dezember 1928 verliebt, als sie erstmals von Mittenwald zur Erholung dorthin kam. 

Von 1929 bis 1939 wirkte sie anschließend segensreich an der Schule in Peiting. Danach wurde sie in München-Giesing dringend benötigt. Leider ist sie schon im Alter von erst 41 Jahren am 17. Oktober 1942 verstorben. 

Zwei der insgesamt sechs Strophen ihres Liedes wurden für den Peiting-Marsch ausgewählt. „Unser Anliegen ist es, dieses Lied, genauso wie das „Glück-Auf-Lied“, als Kulturgut zu erhalten“, bekräftigt Musiker-Vorstand Herbert Humpl. Und weil man mit der Tradition verwurzelt ist, darf beim Jubiläumsfest die Bergmännische Serenade zum Ausklang nicht fehlen. 

Der frühere langjährige Dirigent der Knappschafts- und Trachtenkapelle, Simon Fröller, setzte mit dieser Komposition der Zeit des Aufschwungs und des regen geistigen Lebens gleichsam ein musikalisches Denkmal. Schließlich gewann Peiting durch den Kohlebergbau wieder an Bedeutung und hatte als größtes Dorf Oberbayerns über viele Jahre die höchste Einwohnerzahl im Altlandkreis Schongau. Freuen dürfen sich die Musikliebhaber schon heute auf die Jubiläums-CD, die die Peitinger heuer herausbringen.

VON GERHARD HEISS

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