Peitinger Alpinistin feiert Gipfelerfolg am namenlosen Fünftausender

Sie gehört zum Expeditionskader des Deutschen Alpenvereins (DAV), ist eine begeisterte Alpinistin und erfolgreiche Extremkletterin. Doch eine solche Expedition erlebt auch Veronika Hofmann nicht alle Tage. Als eine von fünf Teilnehmerinnen ging es für die Peitingerin im Himalaja hoch hinauf.
Peiting – Im „Himachal Pradesch“ südlich von Ladakh sind die Berge zwar nicht ganz so hoch wie im nördlichen Teil des Gebirges, dafür beeindrucken sie mit besonders schroffen Gipfelformen und lotrechten Granitwänden über steilen, wild zerrissenen Gletschern. Dorthin führte nun die Reise von Veronika Hofmann als Teil einer Frauenexpedition mit vier weiteren Teilnehmerinnen aus Oberbayern, Schwaben, Tirol und dem Ruhrgebiet.
Dass es für die Peitingerin, die derzeit in München Lehramt studiert, einmal derart hoch hinaus gehen würde, ist freilich kein Zufall. Zum Bergsteigen kam die 24-Jährige über ihre ebenfalls bergbegeisterten Eltern. Schon früh schloss sie sich einer Jugendgruppe der AV-Sektion Peiting an, erwarb dort unter Gleichaltrigen das Rüstzeug zum Klettern und anspruchsvollem Bergsteigen, engagierte sich schon mit 16 Jahren selbst als Jugendleiterin.
Rasch machte sie mit ihrem Können auf sich aufmerksam. 2011 erhielt sie die Einladung zu einer Mädchenexpedition des Deutschen Alpenvereins nach Albanien, wo die Gruppe ein Wandproblem an der fast tausend Meter hohen Südwand des Mont Arapi löste, mit Schwierigkeiten bis zum achten Grad. Viele Alpenwände folgten, darunter die berühmte Cassin-Route an der Nordwand der Westlichen Zinne. Und nun der legendäre Himalaya. Qualifiziert für die Expedition hatte sich die Peitingerin in einem Sichtungscamp im französischen Chamonix.
Das Ziel rund um den 5490 Meter hohen Ali Ratmi Tibmeba erinnert ein wenig an die großartigsten Winkel des Montblanc-Massivs, nur ist alles noch eine Stufe ursprünglicher und wilder. Vom letzten Dorf ging es für Hofmann und ihre Mitstreiterinnen mit 18 Tragtieren und ihren drei Führern in vier Tagesmärschen durch das reizvolle Malana-Tal zum 3600 Meter hoch gelegenen Zeltlager (Basecamp). Wobei am Schluss ein fünfter Tag damit ausgefüllt war, eine Seilbahn aufzubauen, um mit dem ganzen Expeditionsgepäck den reißenden Gletscherabfluss überqueren zu können.
Mit den tüchtigen Begleitern, zu denen ein einheimischer Trekkingguide und die Küchenmannschaft gehörte, verband die Bergsteigerin bald ein herzliches Verhältnis. Bayerisch und der einheimische Dialekt, dazu als Eselsbrücke Englisch – und schon war die Verständigung perfekt. Zum „überraschend komfortablen Lagerleben beigetragen hat auch eine schmackhafte und abwechslungsreiche Verpflegung“, lobt Hofmann das Improvisationstalent des Kochs und seiner Helfer.
Nach einigen Tagen Zeltleben ohne Bett und Dusche hatte sich die Gruppe an räumliche Enge, Klima, Höhe und Staub gewöhnt und genoss ihr Bergsteiger-Dasein in vollen Zügen. 1200 Meter weiter oben richteten sie ein vorgeschobenes Gletschercamp ein – mit dem praktischen Effekt, dass dabei eine optimale Anpassung an die dünne Luft erreicht werden konnte.
Drei neue Touren und eine Erstbesteigung
Bei der Erkundung der Umgebung wurden die Kletterziele für das erhoffte Schönwetterfenster festgelegt. Zwar ließen sich nicht alle Pläne verwirklichen, doch die Bilanz der aufgeteilten Seilschaften konnte sich sehen lassen: Am Hauptgipfel Ali Ratni Tibba wurde der Südwestpfeiler bestiegen, weiterhin ein imposanter Granitpfeiler an einem namenlosen Fünftausender sowie ein ebenfalls unbenannter Gletschergipfel. Ergibt drei Erstbegehungen und eine Erstbesteigung. „Traumfels, perfekte Granitrisse und Schwierigkeiten bis 6b+“, fasst es die Peitingerin begeistert zusammen.
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Als dann Regen und Schneefälle einsetzten, war es vorbei mit weiteren großen Touren. Schließlich kehrte die Gruppe wohlbehalten in die Zivilisation zurück und flog in die Heimat. Für Hofmann hieß das: „Heim zu den Menschen, die mir wichtig sind, zu Familie, Freund und Freundeskreis.“
VON RAINER BANNIER
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