1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Peiting

Anlieger in Peiting klagen über überflutete Keller: Für die Gemeinde wird die Problembehebung teuer

Erstellt:

Von: Christoph Peters

Kommentare

null
Blick in den Keller von Roswitha Rauh: Das Wasser hat sichtbar seine Spuren hinterlassen. © Foto: Herold

Seit Jahren kämpfen Anlieger in Peiting-Birkenried mit volllaufenden Kellern, wenn es stark regnet. Mit schuld daran ist ein zugewachsenes Drainagerohr. Der Marktgemeinderat hat sich jetzt für eine teure Lösung des Problems entschieden.

Peiting – Wer den Keller von Roswitha Rauh in ihrem Haus am Espenweg in Peiting betritt, dem offenbart sich schon auf den ersten Blick die ganze Tragödie. An den feuchten Wänden blättert die Farbe ab, den Estrich durchziehen lange Risse, durch die sich das eindringende Wasser seinen Weg gebahnt hat. Obwohl der letzte Regen bereits einige Tage her ist und draußen die Sonne scheint, ist das Nass allgegenwärtig. Einmal in der Stunde muss Rauh Tag und Nacht zum Nasssauger greifen, um den Kellerboden trocken zu legen. Im Garten läuft eine Hochleistungspumpe, die das Wasser aus dem vollen Sickerschacht pumpt. Neben dem Haus steht ein großer Container mit kaputten Sachen, die dem eindringenden Wasser der jüngsten Regenfälle zum Opfer gefallen sind. „Wir sind mit den Nerven am Ende“, sagt die Peitingerin. Sie ist nicht die einzige, der das Wasser zuletzt sprichwörtlich bis zum Hals stand. Sieben weitere Nachbarn kämpften in ihren Kellern den gleichen Kampf.

Bürgermeister: „Es ist deprimierend“

Das Problem ist nicht neu. Zu anfangs sei das Wasser nur langsam gestiegen und schnell wieder zurückgegangen, erinnert sich Rauh, die vor 34 Jahren ihr Haus als eines der letzten im Wohngebiet baute. Seit einigen Jahren sei es genau umgekehrt. „Und es wird immer schlimmer.“ Wie schlimm, davon hatte sich jüngst Bürgermeister Michael Asam selbst überzeugt. Als es Mitte Mai tagelang regnete, besuchte er die Betroffenen. „Es war deprimierend zu sehen, wie die Keller trotz aller Bemühungen voll gelaufen sind“, sagte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Den Grund des Übels hat das Bauamt längst ausgemacht. Er liegt wenige Meter von den betroffenen Grundstücken im Boden verborgen. Als die Gemeinde Anfang der 1980er Jahre entlang der Jägerstraße und des Weidenwegs einen Stauraumkanal baute, ließ man laut Marktbaumeister Fabian Kreitl gleichzeitig ein Drainageleitung zur Entwässerung verlegen – auch mit Hinblick auf das damals neue Baugebiet Buchen-, Fichten- und Kastanienstraße. Allerdings wurde in den folgenden Jahren nicht nur der ehemalige Angermoosgraben angeschlossen, sondern auch die Entwässerung der Sportanlagen an der Jägerstraße samt der Dachflächen der Mehrzweckhalle. Das allein wäre noch kein Problem, könnte das Wasser wie geplant ablaufen. Doch hier räche sich der „Pflanz-Wahn“, wie Asam die Entscheidung, Sträucher und Bäume als Ortseingrünung über die Drainage zu pflanzen. Über die Jahre drangen deren Wurzeln in die Leitung ein. „Das führt dazu, dass sich das Wasser an diesen Stellen staut“, sagte Kreitl. Die Folge seien überflutete Keller. Alle Versuche, die Leitung freizubekommen, schlugen fehl.

Drei Lösungen vorgeschlagen

Um das Problem zu beheben blieben laut Marktbaumeister nur drei Möglichkeiten. Die erste sei, die Dachentwässerung der Mehrzweckhalle in den Mischwasserkanal einzuleiten. Das würde zwar die Wassermenge reduzieren, nicht aber die Engstellen, gab er zu bedenken. Zudem sei der Aufwand für den Umbau immens.

Die zweite Option sei, die Drainageleitung in den vorhandenen Mischwasserkanal zu verlegen. Inklusive Anschlüsse an die Grundstücke beliefen sich die Baukosten in diesem Fall auf 321 000 Euro. Der große Nachteil: Der Kanal müsste alle 20 Jahre auf Dichtigkeit geprüft werden, was einen enormen Kostenaufwand nach sich ziehe, sagte Kreitl.

De beste Lösung sei deshalb die dritte: die defekten Stellen der Drainage durch eine neue Leitung zu ersetzen. Kostenpunkt für 680 Meter und den Anschluss der Grundstücke per Übergabeschacht: stolze 523 000 Euro. Dafür müsste freilich die vorhandene Bepflanzung komplett entfernt werden, jedoch wären Neupflanzungen möglich, wenn in diesen Bereichen ein Vollmantelrohr zum Einsatz komme, sagte Kreitl.

Im Gemeinderat war man sich schnell einig, dass trotz der hohen Investition nur die dritte Option in Frage komme. Zwar wies Asam hin, dass im Bebauungsplan auf den hohen Grundwasserspiegel hingewiesen worden sei, die Anlieger also dagegen hätten Vorsorge treffen müssen, in dem sie etwa einen wasserdichten Keller bauen. Allerdings sei die Gemeinde mit der Entwässerung der Sportanlagen ebenso in der Pflicht, zu handeln.

Die Bauarbeiten sollen laut Marktbaumeister schnellstmöglich starten und zwar zuerst im Bereich der betroffenen Anlieger. Roswitha Rauh, die wie die anderen Betroffenen die Sitzung persönlich verfolgte, nahm die Entscheidung erleichtert zur Kenntnis. „Für uns ist das eine gute Nachricht.“

Lesen Sie auch: 

Peitinger Jugendzentrum: Nur der Neubau fehlt noch zum Glück

Kein Scherz: Bayernpartei-Vorsitzende will Grünen-Chef Habeck Einreise nach Bayern verbieten

Auch interessant

Kommentare