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Abschlussvorstellung vor vollem Haus: Bei der letzten Bürgerversammlung seiner 24-jährigen Amtszeit konnte Bürgermeister Michael Asam über 250 Peitinger in der Schloßberghalle begrüßen.

Jugendzentrum und Marienheim Thema

Asams letzte Bürgerversammlung: Viel Kritik und „Standing Ovations“

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
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Mit stehenden Ovationen ist Peitings Bürgermeister am Dienstagabend in der letzten Bürgerversammlung seiner 24-jährigen Amtszeit verabschiedet worden. Es war ein versöhnliches Ende für den sichtlich gerührten Rathauschef, der sich zuvor kritischen Fragen in der voll besetzten Schloßberghalle hatte stellen müssen.

Peiting – Das Interesse der Peitinger an der Bürgerversammlung war so hoch wie lange nicht. Noch kurz vor dem geplanten Beginn drängten die Besucher in die Schloßberghalle, Bauhofmitarbeiter schleppten zusätzliche Stühle aus dem Lager herbei. Es sei schön, dass seine letzte Bürgerversammlung für einen vollen Saal sorge, stellte Bürgermeister Michael Asam in seiner Begrüßung erfreut fest. Allerdings ahnte der Rathauschef zu diesem Zeitpunkt schon, dass nicht jeder Besucher aus reiner Höflichkeit gekommen war. Zu Landrätin Andrea Jochner-Weiß gewandt, sagte Asam jedenfalls: „Schön, dass du mich begleitest, vielleicht brauche ich deine Unterstützung nachher noch.“ Soweit kam es zwar nicht, kritische Nachfragen und Forderungen zu brennenden Themen im Ort gab es aber genug.

Zu Beginn freilich hatte erst einmal der Bürgermeister das Wort. In seinem Rechenschaftsbericht ging Asam auf die gute Finanzlage der Gemeinde ein und die geplanten neuen Baugebiete am Hochweg, dem Bachfeld und am Starenweg ein. Auch das gescheiterte Projekt Basili-Wiese sparte Asam nicht aus. Positiv sei die wachsende Zahl der Einwohner, doch mehr Geburten würden auch zu einem Mehrbedarf an Kita-Plätzen führen. Damit war der Bürgermeister bei den geplanten Neubauten angelangt, die Marktbaumeister Fabian Kreitl näher vorstellte und für die die Gemeinde viel Geld in die Hand nimmt. Krippenanbau (550 000 Euro), Offene Ganztagsschule (zwei Mio. Euro), neues Hortgebäude (1,5 Mio. Euro), neuer Kindergarten (vier Mio. Euro), dazu das neue Jugendzentrum und ein Abenteuerspielplatz sollen bekanntlich in den nächsten Jahren verwirklicht werden.

Anlieger machen Marienheim zum Thema

Nach dem Bericht der Landrätin, einer Ehrung und der IT-Abteilung der Verwaltung, die sich und ihre Arbeit ausführlich vorstellte, waren schließlich die Bürger an der Reihe. Den Auftakt machte, wenig verwunderlich, das Thema Marienheim-Neubau, das seit Wochen die Gemüter der Anlieger am Bühlach erhitzt. Für sie sprachen Jürgen Schleich und Volker Greiner, die ihrem Unmut über die Vorgehensweise von Betreiber und Gemeinde Luft machten. Ersterer hätte zu spät auf die drohende Schließung reagiert, die Gemeinde sich voreilig und unter Ausschluss der Öffentlichkeit für das Bühlach-Grundstück als Standort für den Neubau entschieden, so ihr Vorwurf. Beide forderten den Erhalt des Marienheims am aktuellen Standort mitten im Ort, der die beste Lösung für die Bewohner sei.

Asam betonte, dass der Gemeinderat nie die Absicht gehabt habe, der Bevölkerung Informationen vorzuenthalten, man sei nach der Grundsatzentscheidung, der AWO das Grundstück anzubieten, sofort an die Öffentlichkeit gegangen. Natürlich nehme man die Bedenken ernst, sagte Asam und verwies auf das anstehende Gespräch mit der Heimaufsicht, in dem es um eine Verlängerung der Betriebserlaubnis gehe, damit ein Verbleib am aktuellen Standort neu geprüft werden könne. Asam versprach zudem mehr Transparenz. „Zu diesem Thema wird es keine nichtöffentliche Sitzung mehr geben.“ Eine Lanze fürs Marienheim brach anschließend eine Mitarbeiterin der Einrichtung. Sie verstehe die Diskussion nicht. Man gebe den Leuten ein Zuhause und eine Heimat. „Wenn ich das hier so höre, schäme ich mich ein bisschen, Peitingerin zu sein.“

Robert Weinlich (re.) übergab an Bürgermeister Asam eine Liste mit über 60 Unterschriften von Anliegern, die gegen den geplanten Juze-Standort protestieren.

Vorwürfe, die Anlieger nicht rechtzeitig informiert zu haben, musste sich der Bürgermeister auch von Robert Weinlich anhören. Dabei ging es um das neue Jugendzentrum, dessen Standort in direkter Nähe des angrenzenden Wohngebiets Birkenried er und weitere Anlieger für problematisch halten. Man fürchte durch die Lärmbelastung um die Wohnqualität, so die Kritiker, die über 60 Unterschriften gesammelt hatten. Asam verwies auf die guten Erfahrungen mit dem bestehenden Juze, das ebenfalls direkt in einem Wohngebiet liege. „Da gab es in 24 Jahren nie Beschwerden.“ Außerdem seien Schallschutzmaßnahmen geplant genau wie Parkplätze entlang der Jägerstraße, die ausgebaut werde.

60 Unterschriften gegen Standort für Jugendzentrum übergeben

Ein Grundstückstausch mit dem Abenteuerspielplatz, der zwischen Eisstadion und Dreifachhalle entstehen soll, wie ihn die Anlieger ins Gespräch gebracht hatten, musste Kreitl eine Absage erteilen. Nicht nur dass der Baugrund nicht ideal sei: Auch die Größe von 1400 Quadratmetern reiche dafür nicht aus. „Fürs Juze brauchen wir 2500 Quadratmeter.“ Man werde aber die Bedenken noch einmal im Gemeinderat diskutieren, versprach der Bürgermeister, als er die Unterschriftenliste entgegennahm.

Wenig Verständnis für den Protest hatte 2. Bürgermeister Franz Seidel. Man habe als Gemeinderat die Aufgabe den Ort zu entwickeln. „Wenn überall dort, wo etwas entstehen soll, Anlieger dagegen sind, kann das nicht sein. Dann stirbt unser Ort.“

Asams Fazit am Ende der dreistündigen Veranstaltung klang dagegen versöhnlicher. Dass Bürger Kritik üben gehöre dazu. „Das haben Sie heute fair und offen getan.“ Auf dieser Basis könne man weiterarbeiten. Zum Abschluss bedankte sich der scheidende Rathauschef für die vielen Jahre, die er den Peitingern habe dienen dürfen. „Es hat mir unheimlich viel Freude gemacht.“

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