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Der große Unimog war in diesem Winter mit der Schneeschaufel erst einmal im Straßeneinsatz. Trotz Schneemangels haben Bauhof-Chef Tim Osterhaus und sein Team alle Hände voll zu tun.

Bauhof-Chef Tim Osterhaus im Interview

Auch wenn es an Schnee mangelt: Peitinger Bauhof-Team hat viel zu tun

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Erst einmal hat Bauhof-Chef Tim Osterhaus seine Mitarbeiter in diesem Winter in Peiting mit dem Schneepflug ausrücken lassen müssen. Im Vergleich zu 1800 Schneeräum-Überstunden, die der Bauhof im vergangenen Winter vor sich hergeschoben hat, ist das das krasse Gegenteil. Warum es trotzdem viel zu tun gibt für das Bauhof-Team, erzählt Tim Osterhaus im Interview

Peiting– Herr Osterhaus, sind Sie eher ein Winter- oder ein Sommermensch?

Ein Wintermensch.

Fahren Sie gerne Schlitten?

Daran liegt es nicht. Es ist im Winter angenehmer zu arbeiten wegen der Temperatur. Wir müssen ja Schutzkleidung anhaben. Und im Schutzkleidungsbereich gibt es wenig Baumwolle, dafür viel Polyester. Da schwitzen Sie sich im Sommer nen halben Tod.

Ins Schwitzen sind Sie und ihre Männer ja diesen Winter in Sachen Schneeräumen noch nicht wirklich gekommen.

Einmal haben wir jetzt vorletzten Sonntag geräumt. In manchen Straßen lag da zwar gar nichts, in anderen aber tatsächlich ein paar Zentimeter. Ich habe dann alle Männer losgeschickt, dass jeder einmal durch sein Revier fährt, schaut, ob es was zu räumen gibt und vor allem streut. Es hatte ja Frost, und wir wollen keine Eisbahn auf der Straße haben.

Vor einem Jahr sah das mit dem Schneeräumen anders aus – da hatten Sie gerade neu angefangen als Bauhof-Chef.

Ja, kaum kommen die Preußen nach Bayern, gibt’s richtige Winter. Tatsächlich lag’s aber nicht nur am vielen Räumen, dass letztes Jahr ein paar Sachen nicht gemacht werden konnten. Für uns ist das jetzt super, wir haben Luft, um andere Sachen zu erledigen, die gemacht werden müssen. Es gibt zum Beispiel Dinge, die kriegt man nur bei Frost hin.

Zum Beispiel?

Man kann wunderbar mit schwerem Gerät durch die Wiese fahren. Bei Arbeiten am Waldrand ist das so. Oder wenn wir die Büsche an Lärmschutzwällen zurückschneiden müssen. Oder wenn wir die Aussichtsbank an der Vertriebenenkapelle am Schützenhaus freischneiden.

Das ist ja nicht dauernd der Fall.

Nein, aber alle drei bis fünf Jahre sollte das schon mal gemacht werden. Im letzten Winter war an so was eh nicht zu denken. Es gab so viel Schnee, dass unsere Männer jeweils 100 Überstunden wegen der Räumarbeiten hatten. Bei 18 Mann sind das 1800 Überstunden – das entspricht einem zusätzlichen Mann. Und: Die ganzen Überstunden müssen ja auch erstmal abgebaut werden. Die Zeit fehlt dann wieder im Sommer. Aber der Rasen wächst. Der wartet nicht. Genauso wie die Leute, die sterben.

Ist klar, das lässt sich schwer vorhersagen.

Die Leute sterben, ob Schnee da ist oder nicht. Wir hatten jetzt wieder zwei Sargbestattungen. Da sind zwei Mann zwei Tage beschäftigt. Die müssen mit dem Abbruchhammer, den man normalerweise für eine Betondecke nimmt, bei minus 10 Grad ein großes Loch ausheben. Wenn auf dem Boden kein Schnee liegt, ist der nicht isoliert. Das ist alles durchgefroren. Wie Stein. Aber wir müssen beerdigen – für Beisetzungen gibt es sogar eine Stundenfrist, in welcher Zeit die Bestattung über die Bühne gegangen sein muss.

Auf Ihrer Liste stehen hoffentlich auch noch einige erfreulichere Dinge.

Schulungen, Lehrgänge. Solche Sachen kann man jetzt machen. Wir versammeln die Mitarbeiter, stellen die Maschinen vor. Diese Unterweisungen müssen wir machen, das ist eine rechtliche Sache. Dann laufen jetzt auch die Leiterprüfungen.

Leiterprüfungen?

Wir haben zwei ausgebildete Männer, die eine Kartei von allen Leitern in Peiting abarbeiten müssen, die in öffentlichen Gebäuden benutzt werden. Das gilt für jeden Tritt, auch wenn er nur eine Stufe hat. In jeder Schule. In jedem Kindergarten. Bei zirka 100 Leitern sind das ein bis zwei Wochen Arbeit – und das jedes Jahr. Das gleiche gilt für die Elektroprüfung.

Was wird da geprüft?

Alles, was gewerblich genutzt wird und einen Stecker hat. Bei der Feuerwehr, im Wasserwerk, am Bauhof, am Friedhof, in der Verwaltung, in den Schulen. Jedes Handyladegerät muss überprüft werden, jede Kaffeemaschine. Da kommen schon ein paar tausend Geräte zusammen. Sie sehen: Wir kriegen den Winter schon rum.

Daran habe ich keine Zweifel.

In der Schreinerei bereiten wir gerade Material vor, damit wir im Sommer wieder den König-Ludwig-Weg ausbessern können. Wir schneiden Holzlatten für Parkbänke, streichen sie an.

Es liegt ja auch ziemlich viel Holz im Hof. Ist das von den Baumfällungen an der Jägerstraße?

Das ist vom ganzen Jahr. Ein bisschen was ist auch von der Jägerstraße. Das meiste verarbeiten wir aber direkt vor Ort zu Hackschnitzeln. Die brauchen wir für die Heizung von der Schule.

Da gibt es sicherlich auch immer etwas zu tun.

Generell machen wir jetzt gerade auch viele Bauarbeiten im Innenbereich. Da gibt es mal eine wackelige Stufe, mal fehlt eine Fliese, eine Garderobe muss höher gehängt werden. Momentan machen wir gerade im Museum im Klösterle die Herren-Toilette neu. Da haben wir zwar Unterstützung von Fachleuten, das meiste machen wir aber selber.

Apropos selber: Womit sind Sie denn gerade selbst am meisten befasst?

Vor allem mit Organisation. Dazu zählt auch die Beschaffung von Geräten.

Einkaufen: Das wäre auch was für mich.

Naja, mit dem Shopping-Erlebnis hat das jetzt nicht so viel zu tun. Es ist ja nicht damit getan, dass ich sage: Die Kettensäge gefällt mir, die kaufe ich. Man holt Angebote ein. Alles in Rücksprache mit der Verwaltung. Vor allem bei den großen Posten muss man erstmal anschauen, konfigurieren. Das mache ich mit meinen Mitarbeitern, da sitzen wir dann schon oft ein paar Stunden zusammen.

Sie bestimmen darüber nicht alleine?

Nein, die Mitarbeiter will ich schon mitnehmen. Die müssen ja schließlich damit arbeiten. Nur weil ich sage: Das sieht schön aus, kommen wir noch lange nicht weiter. Erst beim Anschauen stellt man dann Dinge fest, wie zum Beispiel, dass die neuen Unimogs alle höher sind. Da schaufelst du nichts mehr hinten drauf.

Klingt unpraktisch.

Ist es auch. Das liegt an der neuen Euro-Norm 6. Die Fahrzeuge müssen entsprechend anders gebaut werden. Die Autos sind länger, schwerer. Für uns ist das unpraktisch. Zumal wir mit dem Schneepflug eher selten von hier nach Stuttgart fahren.

Momentan mit dem Schneepflug nicht mal innerorts.

Stimmt. Ich hoffe, es bleibt dabei. Jetzt muss der Winter auch nicht mehr kommen.

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