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Eine erste Planung, wie der neue V-Markt-Baumarkt in Peiting aussehen soll, hatte die Regierung Oberbayern im Zuge der landesplanerischen Überprüfung online zum Herunterladen bereitgestellt.

Positionspapier verfasst

Peitinger Baumarkt-Bürgerbegehren bekommt Unterstützung von Gewerbetreibenden - Bürgermeister zeigt sich irritiert

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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An der Oberfläche scheint es ruhig. Tatsächlich aber brodelt es gewaltig in Sachen V-Baumarkt. Die neueste Entwicklung: Eine Handvoll Peitinger Gewerbetreibender macht jetzt gemeinsame Sache mit den Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen den Neubau des Riesen-Marktes in Peitings Süden.

Peiting– Ein erstes Treffen hat es bereits gegeben, jetzt sollen bei einem neuen Termin in der kommenden Woche die Eckpunkte für einen zweiten Anlauf festgezurrt werden: Bürgerbegehren-Initiatorin Anna Fedisch und Unterstützer haben sich mit einigen Peitinger Geschäftsleuten zusammengetan, um quasi in einer Last-Minute-Aktion den Neubau des V-Markt Baumarkts am Peitinger Zeislerweg zu stoppen. 

Bürgermeister Peter Ostenrieder ist deutlich angefasst, wenn es um die Thematik geht. Zumal sich die Peitinger Geschäftsleute, die im Ort nicht unter dem Dach eines Gewerbeverbandes firmiert sind, offensichtlich deutlich verschiedene Ansichten zu der Thematik haben. „Ich finde es schon interessant, dass bei mir im Rathaus einige Peitinger Einzelhändler bei einer Besprechung waren, die sich darauf freuen, wenn der V-Markt als Kunden-Magnet kommt.“ Bestätigen kann dies Kämmerer Christian Hollrieder, der bei der Besprechung dabei war.

Ach ja, und dann gibt es ja noch die Gruppe Gewerbetreibender, die auf einem „Positionspapier“ unterschrieben haben, das Michael Stief beim Bürgermeister abgegeben hat. Stief – seines Zeichens komissarischer Koordinator im Bund der Selbstständigen für Peiting – will die Sache behutsam angehen. Er spricht von einem äußerst positiven Gespräch mit Bürgermeister Ostenrieder. Das hat er gegenüber unserer Zeitung betont. Das von ihm verfasste „Positionspapier“ liegt unserer Redaktion vor. Die Kernaussage: „Wir sehen mit beträchtlicher Sorge, dass durch einen exponierten Bau- und Gartenmarkt nicht nur die wirtschaftliche Existenz der betroffenen Gewerbetreibenden, sondern auch das Peitinger Wirtschaftsleben erheblich und nachhaltig leiden könnte.“

Widerstand kommt spät

Des weiteren heißt es in dem Schriftstück allerdings auch: „Den beteiligten Unternehmerinnen und Unternehmern ist wohl bewusst, dass das Vorhaben durch einen positiven Gemeinderatsbeschluss sowie einen geschlossenen Notarvertrag nunmehr weit fortgeschritten ist. Ebenso, dass es bislang noch keine organisierte Positionierung von Gewerbetreibenden gegeben hat.“

Ja, tatsächlich. Es hat Monate gedauert, bis sich Peitinger Geschäftsleute, überhaupt erstmals zu der Sache geäußert haben. Konkret: Bereits im Dezember hatte man im Gemeinderat öffentlich bekannt gegeben, dass der Gemeinderat nichtöffentlich eine Grundsatzentscheidung für den Neubau des V-Markt-Baumarkts gefällt hatte. Der Notarvertrag war da noch in weiter Ferne. Die Reaktion: keine Reaktion. Und auch, als das Raumordnungsverfahren im Rathaus öffentlich auslag. Kein einziger Einwand.

13 Geschäftsleute haben Positionspapier unterzeichnet

Offenbar aufgerüttelt durch das Bürgerbegehren dann jetzt doch ein vorsichtiges „Positionspapier“. Unterschrieben haben hier 13 Geschäftsleute. Bürgermeister Ostenrieder alleine wundert sich darüber: „Einer, der hier unterschrieben hat, war bei denen dabei, die mir gesagt haben, sie freuen sich auf den V-Markt.“ Offenbar ist man sich bei den Gewerbetreibenden in Peiting nicht nur untereinander uneins, sondern auch im Einzelfall nicht ganz schlüssig, wie man das Ganze jetzt bewerten soll.

Äußerst klar in seinen Ansichten ist zumindest der Bürgermeister: Einmal mehr betont er, dass es schlichtweg falsch sei, dass ein Großmarkt den Einzelhandel im Ort zerstöre. Er beruft sich dabei auf eine 20-Jahres-Langzeit-Studie, die das Gegenteil beweise.

„Die Leute kommen zu so einem Markt nicht aus Peiting, sondern von weiter.“ Die Peitinger Einzelhändler würden somit „ein anderes Publikum bekommen, das Peiting sonst nie hätte“. Der neue Baumarkt: Für Ostenrieder ein Magnet, „den sonst kein Ort in der Umgebung hat. Eine historische Chance.“ Ein funktionierender Gewerbeverband: „Wenn der da wäre, der würde das verstehen.“ Aber ein organisiertes Gewerbe gibt es nun mal nicht.

Bürgermeister wehrt sich gegen „Verschwörungstheorien“

Tatsächlich sei die Ansiedlung des neuen Baumarkts für die gesamte Ortsentwicklung ein wichtiger Faktor. Und was ist mit dem zu erwartenden Mehraufkommen an Verkehr? „Wer hier dagegen ist, ist gegen Ortsentwicklung. Kunden sind doch willkommen. Und dafür haben wir doch Straßen!“

Tatsächlich kommt ein Gutachten zu dem Schluss, dass für die Zufahrt aufgrund des zu erwartenden Kundenstroms zum Markt im Gewerbegebiet kein Bau eines Kreisverkehrs nötig ist. Eine Linksabbiegerspur würde ausreichen. Aufräumen will Ostenrieder an dieser Stelle auch mit dem Gerücht, heimlich plane der V-Markt in Peiting das Errichten eines Logistik-Zentrums. „Stimmt alles nicht, alles Verschwörungstheorien.“

Derweil könnte das Thema Bürgerbehren bald die Gerichte beschäftigen. Weil der Gemeinderat es für nicht zulässig erklärt hat, will der Anwalt der Initiatorin gegen diese Entscheidung Klage einreichen. Er wirft dem Bürgermeister außerdem vor, ihm in der Sitzung rechtswidrig das Rederecht entzogen zu haben.

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