+
Anna-Maria Fedisch kämpft für eine Neuausschreibung des Gewerbegrunds am Zeißlerweg. 

Unterschriftenlisten liegen aus

Bürgerbegehren gegen Peitinger Baumarkt-Pläne - warum es Kritik am V-Markt-Vorhaben gibt

  • schließen

Im Peitinger Gewerbegebiet an der Ammergauer Straße soll ein V-Baumarkt entstehen. Doch jetzt gibt es Widerstand gegen das Vorhaben. Die Peitingerin Anna-Maria Fedisch will mit einem Bürgerbegehren erreichen, dass die Gemeinde ihre Zusage für das Grundstücksgeschäft zurücknimmt.

Peiting – Anfang Dezember hatte der Gemeinderat nichtöffentlich beschlossen, das letzte gemeindliche Gewerbegrundstück am Zeißlerweg an die Georg Jos. Kaes GmbH zu verkaufen. Das Allgäuer Unternehmen, das in Peiting bereits einen V-Markt betreibt, möchte auf der 28 000 Quadratmeter großen Fläche einen neuen Bau- und Gartenmarkt samt Waschstraße realisieren (wir berichteten). „Für Peiting ist das ein Riesengewinn“, freute sich Bürgermeister Michael Asam damals über den gelungenen Coup. Nicht jeder Gemeinderat freilich teilte diese Ansicht, es gab auch kritische Stimmen, die Bedenken wegen des Flächenverbrauchs und der Verkehrserschließung anmeldeten. Bei der Podiumsdiskussion der Schongauer Nachrichten Ende Januar legten Thomas Elste (Grüne) und Christian Lory (Unabhängige) noch einmal nach. Sie kritisierten, dass durch diese Entscheidung kleinere ortsansässige Betriebe erst einmal keine Chance auf eine Erweiterung hätten.

Genau das ist auch Anna-Maria Fedisch sauer aufgestoßen, als die Peitingerin im Dezember aus der Heimatzeitung von den V-Baumarkt-Plänen erfuhr. Sie wisse von mehreren Peitinger Betrieben, die bei der Gemeinde konkrete Pläne für eine Erweiterung vorgelegt hätten, sagt sie. Sie könne deshalb nicht verstehen, warum die Gemeinde den kompletten Grund an eine externe Firma verkaufe. „Muss der V-Markt alles kriegen und kleine Firmen bekommen nichts? Ist das wirklich im Sinne der Peitinger?“ Zumal sich für die 30-Jährige auch die Frage stellt, ob man überhaupt einen Baumarkt im Ort brauche, wenn es in Schongau bereits zwei derartige Angebote gebe und auch Peißenberg nicht weit weg sei.

Nur die Hälfte des Grundstücks für einen Gewerbetreibenden

Viele Fragen, auf die die Peitinger selbst eine Antwort geben sollen. Denn Fedisch hat in Peitinger Geschäften Unterschriftenlisten ausgelegt für ein Bürgerbegehren. Wer unterschreibt, ist dafür, „dass der Gewerbegrund am Zeißlerweg neu ausgeschrieben wird und an einen einzelnen Gewerbetreibenden maximal die Hälfte der Gesamtfläche verkauft wird und der Rest in kleineren Grundstücken verkauft wird“. Über 80 Bürger haben laut Fedisch bereits unterzeichnet, sie habe schon viele positive Rückmeldungen bekommen.

Wichtig ist Fedisch zu betonen, dass ihr Engagement nichts mit den Unabhängigen Peitingern zu tun hat, auch wenn ihr Mann auf deren Liste für den Gemeinderat kandidiere. Es gehe ihr darum, die Peitinger wachzurütteln. Denn auch wenn man nicht direkt betroffen sei, lohne es sich, genau hinzuschauen, findet sie.

Kaufvertrag ist noch nicht unterschrieben

In der Gemeindeverwaltung sind die Bestrebungen um ein Bürgerbegehren natürlich nicht unbemerkt geblieben. Offiziell vorstellig geworden, um etwa die Zulässigkeit der Fragestellung zu klären, sei aber noch niemand, sagt Geschäftsleiter Stefan Kort. Rund 840 Unterschriften seien nötig, damit es zu einem Bürgerentscheid komme. Doch ist das Grundstücksgeschäft nicht längst besiegelt? Nein, sagt Kort, aktuell liege der Kaufvertrag zur Prüfung beim Notar.

Der Geschäftsleiter bestätigt zudem, dass es für den Gewerbegrund auch andere Interessenten gegeben hatte. Insgesamt 27 Anfragen von Firmen seien vorgelegen, zwölf davon aus der Marktgemeinde. „Das zeigt, dass die Nachfrage nach Gewerbeflächen im Moment generell sehr hoch ist.“ Wer zum Zug komme, sei letztlich eine politische Entscheidung, die der Gemeinderat in diesem Fall mehrheitlich zugunsten des V-Baumarkts getroffen habe.

Das sagt der Bürgermeister zu der Kritik

Zu dieser steht der Bürgermeister nach wie vor. Das Bürgerbegehren sieht er gelassen. „Das ist ein demokratisches Recht, das jeder Bürger hat.“ Ein Erfolg allerdings würde ihn wundern, hieße das doch, dass sich die Einstellung der Bürger total geändert hätte, sagt Asam. Der Wunsch nach einem Baumarkt sei schließlich seit vielen Jahren ein Thema. Das sei auch der Hauptgrund gewesen, weshalb der Gemeinderat dem Projekt den Vorzug gegenüber anderen Bewerbern gegeben habe. Dazu komme die Zahl der Arbeitsplätze. „Und natürlich ist es auch für die Gemeinde finanziell interessant“, spielt Asam auf den Kaufpreis an. „Das heißt aber nicht, dass wir die Wünsche der Peitinger Betriebe nicht befriedigen wollen“, versichert der Rathauschef. Ziel sei, bald weiteren Gewerbegrund auszuweisen.

Grünen-Landtagsabgeordneter kritisiert Flächenverbrauch

Die geplanteAnsiedlung des V-Baumarktsam Zeißlerweg in Peiting ist am Dienstag erneut Thema im Gemeinderat gewesen. Anlass war ein Brief des Grünen-Landtagsabgeordneten Andreas Krahl, den dieser an die neue bayerische Bauministerin Kerstin Schreyer gesandt hatte. Darin erinnert Krahl an das Ziel der Staatsregierung, den Flächenverbrauch auf fünf Hektar am Tag zu begrenzen.

In Peiting gebe es mit dem geplanten Baumarkt allerdings wieder einen Fall, der dieses Ziel zweifelhaft erscheinen lasse. Konkret stört Krahl, dass auf der 2,8 Hektar großen Fläche keine Tiefgarage geplant sei. Würden die Kundenparkplätze unter der Erde geschaffen,wären 1,2 Hektar für den Bau ausreichend, rechnet Krahl vor. In seinem Schreiben bittet der Grüne Schreyer, darauf hinzuwirken, dass die Genehmigung vom Bau einer Tiefgarage abhängig gemacht werde. 

„Ich wollte Ihnen das nicht vorenthalten“, sagte Bürgermeister Michael Asam, der nicht verhehlte, was er vom Vorstoß Krahls hielt – nichts. Wenn die Gemeinde Fläche nicht an einen einzigen Käufer vergebe, würde das Grundstück ja dennoch bebaut, wies Asam hin. Es gebe schließlich einen gültigen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet. Dass das Landratsamt nun um eine Stellungnahme bitte, könne er deshalb nicht verstehen. „Das ist überhaupt nicht nötig.“ 

Michael Deibler (CSU) nutzte die Gelegenheit, um sich zu erkundigen, wie konkret das Interesse heimischer Betriebe an der Gewerbefläche gewesen sei. Dies lasse sich nicht so einfach sagen, antwortete Asam. Einige hätten ihre Anfrage mit dem Bau einer Betriebsleiterwohnung verbunden, die in dem Gebiet aus emissionsschutzrechtlichen Gründen nicht möglich sei. Andere wiederum wollten nur eine Lagerhalle bauen. Existenziell wichtig sei der Wunsch nach einer Fläche für keinen Betrieb gewesen, sagte Asam.


Lesen Sie auch:

Marienheim-Entscheidung überraschend vertagt - Kommt es zum Bürgerentscheid?

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Altenstadts Grundschüler benötigen 60 Tablets - doch die allein reichen nicht
Der erste Schritt für die Digitalisierung der Altenstadter Grundschule ist gemacht. Dazu hat die Gemeinde den IT-Experten Werner Ostheimer eingeladen, um zu erläutern, …
Altenstadts Grundschüler benötigen 60 Tablets - doch die allein reichen nicht
Pfarrerin Julia Steller bleibt vorerst in Schongau
Pfarrerin Julia Steller bleibt der evangelischen Kirchengemeinde Schongau erhalten. Nach ihrem dreijährigen Probedienst in der Lechstadt hat sich die 32-Jährige um die …
Pfarrerin Julia Steller bleibt vorerst in Schongau
Wellenfreibad öffnet am Montag: Wenn die Poolnudel als Abstandshalter dient
Auch wenn das Sommerwetter derzeit eine Pause macht: Das Peitinger Wellenfreibad wird am Montag erstmals in diesem Jahr seine Tore für die Besucher öffnen. Wegen der …
Wellenfreibad öffnet am Montag: Wenn die Poolnudel als Abstandshalter dient
Polizei Schongau: „Bei uns kann man sicher leben“
Die Kriminalstatistik 2019 belegt: Zwar gibt es im Bereich der PI Schongau etwas mehr Delikte als im Jahr zuvor, aber der Bürger kann sich sicher fühlen. 
Polizei Schongau: „Bei uns kann man sicher leben“

Kommentare