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„Ich bin eher der zurückhaltende Typ“: Peitings 2. Bürgermeister Gunnar Prielmeier (SPD) über sein Ehrenamt

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Von: Christoph Peters

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Das Peitinger Rathaus von oben.
Das Peitinger Rathaus von oben. © Archiv Herold

Im Mai 2020 hat der Peitinger Gemeinderat Gunnar Prielmeier zum 2. Bürgermeister gewählt. Ein Gespräch über lange Sitzungsabende, Besuche bei groß gewordenen Geburtstagskindern und die eigenen politischen Ambitionen.

Herr Prielmeier, Sie sind seit eineinhalb Jahren 2. Bürgermeister in Peiting. Eine Sitzung des Gemeinderats haben Sie noch nicht leiten dürfen. Sind Sie darüber enttäuscht oder eher froh?

Prielmeier: Kurz durfte ich schon mal einspringen, als es in einer der ersten Sitzungen um den Dienstwagen des Bürgermeisters ging (lacht). Ansonsten ist Peter Ostenrieder sehr engagiert und möchte die Sitzungen und Amtsgeschäfte in der ersten Zeit gerne selber führen. Das ist auch richtig und verständlich. Enttäuscht bin ich darüber nicht, die Stimmung im Gemeinderat ist schon a bisserl prickelnd und die Leitung einer langen Sitzung anstrengend.

Saßen Sie zumindest schon einmal auf dem Stuhl des Bürgermeisters im Rathaus?

Prielmeier: Nein, ich hab da meinen Platz am Nebentisch, wo ich arbeiten kann. Oft kam das noch nicht vor, Peter Ostenrieder hat ja noch kaum Urlaub gemacht.

Wenn es spitz auf Knopf kommen sollte, würde ich mich schon einmischen.

Gunnar Prielmeier
Gunnar Prielmeier ist seit Mai 2020 Peitings 2. Bürgermeister.
Gunnar Prielmeier ist seit Mai 2020 Peitings 2. Bürgermeister. © privat

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Den ein oder anderen Termin wird Ihnen der Rathauschef aber schon überlassen haben, oder?

Prielmeier: Ja, das sind sogar relativ viele Termine. Meist geht es um Gratulationen zu runden Geburtstagen oder Ehejubiläen. Da gehe ich auch gerne hin und nehme mir ein, zwei Stunden Zeit. Es ist eine gute Möglichkeit, um die Sorgen und Nöte der Bürger zu erfahren. Da geht es zum Beispiel um fehlende Einkaufsmöglichkeiten für die Bewohner der Bergwerksiedlung, wo viele ältere Menschen leben. Für viele ist auch der Weg zum Arzt oder zum Einkaufen ein Problem, wenn keine Angehörigen mehr da sind. Mit dem Bürgertaxi wollen wir da in diesem Jahr Abhilfe schaffen. Aber auch bei Bürgermeisterdienstbesprechungen habe ich den Markt schon vertreten dürfen. Viel Spaß machen mir auch die Trauungen.

War es am Anfang ein ungewohntes Gefühl, als 2. Bürgermeister zu den Leuten zu gehen?

Prielmeier: Eigentlich nicht, gerade bei den älteren Menschen in Peiting bin ich relativ bekannt, da findet man immer irgendeinen Verknüpfungspunkt zu einem Gespräch. Man muss sich aber die Zeit nehmen.

Auch beim Volkstrauertag haben Sie als 2. Bürgermeister sprechen dürfen.

Prielmeier: Ja, das war schon eine Herausforderung für mich, das hatte ich vorher noch nie gemacht. Aber als jemand, der sich für die Geschichte des Orts interessiert, war das sehr spannend.

Wie eng ist der Kontakt zum Bürgermeister?

Prielmeier: Wir stimmen uns regelmäßig ab. Ich habe zum Glück jeden Mittwoch frei und schaue dann meist im Rathaus vorbei. Je nach Notwendigkeit dauern die Treffen mal länger, mal kürzer. Ich nutze die Gelegenheit auch, um anstehende Termine mit den Sekretärinnen und dem Standesamt zu besprechen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Salzmann hat Sie vor Ihrer Wahl zum 2. Bürgermeister als jemanden beschrieben, der ausgleichend wirkt. War diese Eigenschaft im Rathaus schon einmal vonnöten?

Prielmeier: Nein, weder im Rathaus noch im Gemeinderat. Ich bin eher der zurückhaltende Typ. Man sieht natürlich, dass jeder speziell im Gremium seine Ziele vertreten will, was auch nicht verwundert, schließlich sind elf neue Mitglieder dabei. Da wird’s schonmal knifflig, aber nicht so, dass da irgendwas zerbrechen würde. Wenn es spitz auf Knopf kommen sollte, würde ich mich schon einmischen.

Sie sind seit 1996 Gemeinderat. In den Sitzungen halten Sie sich mit Beiträgen sehr zurück. Müssten Sie als 2. Bürgermeister nicht öfter das Wort ergreifen?

Prielmeier: Politik macht der Gemeinderat, steuern tut die Geschichte der Bürgermeister. Wir treffen uns vorher in der Fraktion, in der Sitzung übernimmt dann meist Herbert Salzmann die Aufgabe, für die SPD zu sprechen. Als 2. Bürgermeister hat man eher repräsentative Aufgaben.

Werden Sie von der Bevölkerung mehr angesprochen, seitdem Sie 2. Bürgermeister sind?

Prielmeier: Natürlich nehmen die Bürger das wahr und wenden sich an mich. Ganz aktuell etwa wegen der Peitnach-Brücke.

Bürgermeister Peter Ostenrieder nimmt sein Amt mit viel Einsatz wahr und ist quasi omnipräsent. Würden Sie mit ihm tauschen wollen?

Prielmeier: Von meiner Seite kommt da sicher kein Neid auf. Der Bürgermeister ist natürlich deutlich jünger als ich. Mit 62 Jahren ist meine politische Karriere schon sehr fortgeschritten, als dass ich noch Ambitionen auf das Amt hätte.

Ihr Vorgänger Franz Seidel (BVP) hat es als 2. Bürgermeister auf 24 Jahre Amtszeit gebracht. Ihm nachzueifern, dürfte schwer werden.

Prielmeier: Wenn man da mal rechnet, wäre ich 84 Jahre alt. Da kann ich jetzt schon sagen: Das strebe ich nicht an.

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