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„The Swingers“ in einer frühen Besetzung: (v.l.) Wolfgang Maurer, Petra Bauer (später Humpl), Herbert Humpl, Karl-Eberhard Hartmann, Isolde „Maus“ Müntefering, Hannes Wirtl und Franz Köpf.

Band-Serie

Eine Maus, die singen konnte

Zahlreiche Beat- und Rockgruppen haben sich in den 60er Jahren gegründet. Natürlich kam auch die Tanzmusik nicht zu kurz. Wie es damals begann und was aus den ehemals wilden Jungs und Mädels wurde, erzählt unsere Serie. Heute: die Swingers, die immerhin 20 Jahre durchhielten.

Peiting – Als der Beat seinen Siegeszug beginnt, sitzen vier gute Kumpels bei Jung-Kolping. Noch weit von den heißen Rhythmen entfernt, aber musikalisch schon geprägt. Herbert Humpl bearbeitet ein Saxophon, darüber hinaus noch eine Gitarre, Franz Negele wirbelt hinter seinem Schlagzeug, Sepp Rohrmoser quetscht aus einer Trompete die Töne raus und zupft Bass, und Franz Köpf fegt über die Tasten einer Ziehharmonika. Ein namenloses Quartett. In dieser Besetzung laden die Vier zu Tanz ein. Gut, die gespielten Stücke haben noch nichts mit „Satisfaction“ zu tun, aber die vier Jungs hören schon die in Vinyl gepressten schwarzen Scheiben. Der Beat gefällt. Zur Nachahmung bereit.

„Es musste ein Name für die Gruppe her“, erinnert sich Franz Köpf, der heute noch in Sachen Musik unterwegs ist. Sinnige und unsinnige Vorschläge kreisen in den Köpfen, dabei ist das Gute doch so nah. Schlagzeuger Franz Negele hat die Idee. Seine Basstrommel der Firma Sonor hat auf dem vorderen Fell eine Typenbezeichnung: Swinger. „Warum nennen wir uns nicht „The Swingers“?“, stellt der Schlagzeuger in den Raum. Gratulation, „The Swingers“ wurden geboren.

„Wir müssen unser Instrumentenrepertoire vergrößern“, fordert Humpl. Der Saxophonist ordert in Richtung Köpf, dass dieser neben der Quetschn unbedingt ein Keyboard bräuchte. Jede bessere Besetzung hat so ein Ding, also her damit. Es liegt wenig später unterm Weihnachtsbaum, ein Geschenk seiner Mutter. Nicht einfach für die Witwe, sich das Geld vom Munde abzusparen.

Besonderer Händedruck: Soul-Legende Percy Sledge, der im April 2015 mit 74 Jahren verstarb, mit Hannes Wirtl auf der Bühne im Füssener Bootshafen-Restaurant.

Da hatte es der Rohrmoser Sepp einfacher, sich zu seiner Trompete eine Bassgitarre samt Verstärker anzueignen. Köpf erfährt über seinen Onkel Franz, der in der Kaserne in Altenstadt arbeitet, dass da ein junger Soldat Bassgitarre spielt. Mit einem großen Echolette-Verstärker. Und der jeden Tag übt, zum Leidwesen seiner Kameraden. Die stellen ihm nach wenigen Tagen ein Ultimatum. Entweder Stubenkamerad bleiben, oder Abflug ins Exil samt Bassgitarre und Verstärker. Die Kameradschaft in der Stube war stärker. Die Bassanlage gehörte ab jetzt den „Swingers“.

Ein neuer Mann gesellt sich zum Quartett. Hannes Wirtl und seine Gitarre werden aufgenommen. Jetzt wird eine Nummer größer aufgespielt., der Beat hat die fünf gepackt. Ein Hit nach dem anderen wird ins Repertoire aufgenommen. Die Gruppe hat während der Sommermonate das Bootshafen-Restaurant am Forggensee in Füssen fest im Griff. „Drei Tische Fans und Stammgäste von uns, der Rest Touris“, so Köpf.

Dann kommt ein ganz heißes Eisen zur Gruppe dazu. „Maus“, das erste weibliche Bandmitglied, im wirklichen Leben Isolde. „Eine Band mit Sängerin ist viel wirksamer als nur Jungs“, schwärmt Franz. „Die hat nicht nur die Blicke auf sich gezogen, sie konnte wirklich super singen.“ Gleichzeitig fällt ihm eine lustige Geschichte ein. „Als Maus das erste Mal von uns groß angekündigt wurde und sang, konnte sie nur einen Song, den Hit „Mississippi“ von „Pussy Cat“. Kein Problem. Das Publikum forderte förmlich dieses Stück, sechs bis acht Mal am Abend hat Maus es geträllert. Mit Hingabe und ihrem unverwechselbaren charmanten Lächeln.

Dann ein Erlebnis in eben diesem Bootshafen-Restaurant. Kommt man auf diesen Tag zu sprechen, erweitern sich bei Sänger und Gitarrist Hannes Wirtl noch heute die Pupillen. Dass die „Swingers“ dort mit Gruppen wie „The Spotnicks“ oder „Ambros Seelos Show Band“ zusammen auf der Bühne standen, o.k. Aber dieser Mann – wow. Jeder hat den Welthit „When a man loves a woman“ mit der unverwechselbaren Stimme von Percy Sledge schon einmal gehört. Richtig gelesen, Percy Sledge im Bootshafen-Restaurant zusammen mit den „Swingers“.

Weitere Musiker kommen im Laufe der Jahre zur Formation dazu oder danken ab. Petra Humpl verstärkt mit Querflöte und Gesang, Thomas Härtl mit seiner Bassgitarre, dessen Saiten vor ihm Wolfgang Maurer gezupft hat. Wolfi war zu dieser Zeit alles andere als ein musikalisch unbeschriebenes Blatt. Seine erste Band waren „The Generals“, dann hat er immer wieder in anderen Gruppen gespielt. 40 Jahre lang, immer auf der selben Bassgitarre. Ein gewisses Heiligtum für ihn. Ein Hoyer Bass. Den hat Wolfi quasi geerbt, als sein Musikerkollege Fritz Fichtner verstorben ist.

Ein Erlebnis haftet auch noch im Gedächtnis von Wolfi. Ein ungewöhnlicher Auftritt in der Kirche. Für den verstorbenen Freund Charly Fremmer spielt die Formation ein Requiem. Alles legendäre Stücke der Pop-Ära. Ein Wagnis zu der damaligen Zeit, das beeindruckt und immer in Erinnerung bleiben wird. Als Schlagzeuger waren auch Ossi Becke und Karl-Eberhard Hartmann hinter den Drums.

Haben sich nach Jahren wieder getroffen: (v.l.) Wolfgang „Wolfi“ Maurer (mit legendärer Hoyer-Bassgitarre), Franz Köpf, Rudi „Tom“ Tomaschek, Petra Humpl, Isolde „Maus“ Müntefering, Hannes Wirtl und Herbert Humpl.

20 Jahre lang hielten „The Swingers“ zusammen. Das wurde 1990 beim Moralt in Peiting in einem Festzelt mit 2000 Besuchern gefeiert. Und mit drei weiteren sehr bekannten Gruppen, Dekay, Penny Lane und Profily aus Tschechien. Natürlich mit gigantischer Mitternachtsshow, wie es damals üblich war. Wie hart das Musikerleben war, daran erinnert sich Köpf noch genau. „An Neujahr mit der Trachten- und Knappschaftskapelle bis 16 Uhr das Anblasen, dann ab nach Garmisch. Dort bis 3 Uhr morgens spielen und am nächsten Morgen wieder Anblasen bis zum Nachmittag.“ Da muss folglich das geflügelte Wort seiner Ehefrau Edith geprägt worden sein: „Entweder Ihr seid weg oder besoffen.“ Wie gesagt, eine harte Zeit.

Und was ist in Sachen Musik geblieben? Herbert Humpl ist Vorstand der Trachten- und Knappschaftskapelle, Thomas Härtl Bassist bei der Saragossa-Band, Hannes Wirtl spielt in der „Combo Alzheimer“ Musik zum Vergessen, und Franz Köpf hilft immer noch bei der Knappschaftskapelle und den Schönegger Almmusikanten aus.

Hans-Helmut Herold

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