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Peitinger Feuerwehr übt in leerstehendem Haus - Anlieger beschweren sich und lösen Shitstorm aus

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Von: Christoph Peters

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In diesem leer stehenden Haus an der Bergwerkstraße hat die Peitinger Feuerwehr zuletzt mehrmals den Ernstfall geprobt – zum Ärger mancher Anlieger.
In diesem leer stehenden Haus an der Bergwerkstraße hat die Peitinger Feuerwehr zuletzt mehrmals den Ernstfall geprobt – zum Ärger mancher Anlieger. © Herold

Ein leeres Wohnhaus, das kurz vor dem Abbruch steht: Wie gemacht für ein realistisches Trainingsszenario dachten sich die Verantwortlichen der Peitinger Feuerwehr. Womit sie nicht gerechnet haben: In der Nachbarschaft hat manch einer wenig übrig für die abendlichen Übungen der Ehrenamtlichen.

Peiting – Seit Anfang Januar ist die Peitinger Feuerwehr in den vergangenen Wochen regelmäßig in die Bergwerkstraße zum Anwesen mit der Hausnummer 3 ausgerückt. Gefahr war freilich bei keinem der Einsätze in Verzug. Vielmehr ging es darum, den Ernstfall zu proben. Seit Längerem steht das besagte Wohnhaus in der Nähe des Kreisverkehrs leer. Die Tage des in die Jahre gekommenen Anwesens sind gezählt.

Wie berichtet, plant die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel, der nicht nur das Gebäude, sondern auch das benachbarte freie Grundstück gehört, auf dem Areal ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftsgebäude zu errichten. Als Klaus Straub, der selbst für das Kreditinstitut arbeitet, von den Plänen erfuhr, war sofort das Interesse des Kommandanten der Peitinger Feuerwehr geweckt. Er fragte seinen Arbeitgeber, ob die Wehr das alte Mehrfamilienhaus für Trainingszwecke nutzen dürfe, bis es abgerissen werde.

Bei der Raiffeisenbank rannte Straub mit seiner Bitte offene Türen ein. Man habe sofort zugestimmt, sagt Prokuristin Elisabeth Gruber. „Für die Feuerwehr bietet sich so eine Gelegenheit ja selten.“

Wohnhaus gut geeignet für realistische Übungsszenarien

Tatsächlich lasse sich eine Einsatzübung an einem solchen Objekt deutlich realistischer gestalten, als es etwa am Feuerwehrhaus oder auf dem Gelände einer Firma möglich sei, erklärt Straub. So könne etwa mit gefüllten Schlauchleitungen geübt werden, weil man keine Rücksicht auf eventuelle Wasserschäden bei einer undichten Stelle nehmen müsse. Die Handhabung der vollen Schläuche sei für die Einsatzkräfte eine ganz andere, als wenn man trockene Leitungen durch das Haus verlege, vergleicht Straub. Auch sei es kein Problem, wenn im Laufe der Übung mal eine Fensterscheibe zu Bruch gehe oder eine Wand einen Kratzer abbekomme.

Doch nicht jedem gefällt offenbar, dass die Feuerwehr das alte Haus vorübergehend zum neuen Trainingsort auserkoren hat. „Wir haben leider Beschwerden von vier Anliegern bekommen“, sagt Straub enttäuscht. Diese hätten sich über den Lärm der abendlichen Übungseinsätze und die Geruchsbelästigung durch den eingesetzten Rauch beklagt. Mehrmals hatte die Feuerwehr das Gebäude in den vergangenen Wochen verraucht, um verschiedene Einsatzszenarien zu proben. Man habe dafür eine Nebelmaschine benutzt, die auch in Discos verwendet werde, erklärt Straub. Gesundheitlich sei dieser völlig unbedenklich. Die Klage über den Geruch kann der Kommandant nicht verstehen. „Das nächste Gebäude ist über 30 Meter entfernt, für mich ist das überhaupt nicht nachvollziehbar.“

Was den Lärm angehe, sei dieser bis zu einem gewissen Grad nicht zu vermeiden, räumt der Kommandant mit Blick auf die laufenden Motoren der großen Einsatzfahrzeuge und den Pumpenbetrieb ein. Auch deshalb habe man darauf geachtet, dass die Übungen spätestens um 21 Uhr beendet gewesen seien. Auf die abendliche Zeit sei man jedoch angewiesen, betont Straub. Schließlich gehen die Feuerwehrler ihrem Ehrenamt in ihrer Freizeit nach.

Feuerwehr wendet sich in einem Schreiben an die Anlieger

All dies hat Straub auch noch einmal in einem Schreiben zusammengefasst, das in den vergangenen Tagen an 60 Haushalte in der unmittelbaren Umgebung verteilt worden ist. Darin kündigt der Kommandant an, dass man künftig auf die Verrauchung verzichten werde und eine Übungspause bis 21. März einlege. „Wir wollen den Druck aus der Sache nehmen“, sagt Straub, auch wenn die Kritik nur von einem kleinen Teil der Anlieger gekommen sei.

Auch auf der Facebook-Seite der Feuerwehr hat der Kommandant das Schreiben geteilt – und damit eine Welle der Solidarität ausgelöst. In zahlreichen Kommentaren brachten Nutzer ihr Unverständnis über die Beschwerden der Anlieger zum Ausdruck, darunter auch Bürgermeister Peter Ostenrieder: „Es ist schade, dass wir mittlerweile sogar in Peiting die Notwendigkeit einer solchen Stellungnahme haben. Wir alle profitieren von einer hohen Einsatzbereitschaft und Kompetenz unserer Feuerwehr, deshalb kann ich nur nochmals unterstreichen, dass ich die Übungen nur begrüße“, schreibt der Rathauschef.

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